Ausgabe 
23.2.1850
 
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Intelligenz-Vlatt

fuͤr die

Provinz Oberheſſen

im Allgemeinen,

den Regierungsbezirk Friedberg

im Beſonderen.

M16.

Sonnabend den 23. Februar

1850.

Aus dem Tagebuche eines Rechtsanwalts. Von Samuel Warren. Der Mord von Craig Farm.

Im erſten Jahrzehnt dieſes Jahrhunderts ſtand in⸗ mitten eines ziemlich bedeutenden Dörfchens in der Nach barſchaft einer der größten Hafenſtädte des nördlichen Englands ein großes, maſſiv⸗gebautes Haus mit ziemlichem Hofraum und anderen Zubehörden, das unter dem Namen Craig Farm(gemeinhin Crook Farm) bekannt war. Das Gehöfte beſtand aus etwa 100 Acres leidlichen Bau⸗ feldes und Wieslandes, und gehörte damals einem wohl⸗ habenden Landmann Namens Armſtrong, welcher es einige Jahre früher bei einer öffentlichen gerichtlichen Ver⸗ ſteigerung aus einer Erbſchaftsmaſſe erworben hatte. Armſtrong war verheirathet, aber kinderlos; er und ſeine Frau waren aus Devonſhire gebürtig, beide ſchweigſame, verſchloſſene, ungeſellige Leute, von finſterem mürriſchem Betragen. Sie gingen nur ſelten aus, und dann meiſt nur um den Markt zu beſuchen, ließen ſich auch nur ſehr ſelten in der Kirche blicken, und wurden dadurch natür⸗ licherweiſe für die lauernden plauderhaften Dörfler Gegen ſtände des Argwohns und Unbehagens, denn dem ſchlichten Landmann iſt nichts unangenehmer und verhaßter, als Geheimnißkrämerei oder Zurückhaltung.

Kurz nachdem Armſtrong ſein neues Beſitzthum be⸗ zogen, kam noch ein anderer Fremder in's Dorf und be⸗ zog die beſten Zimmer im Wohnhauſe des Gehoͤfts. Der Neuangekommene, ein Mann von ungefähr 50 Jahren und ſeinem Ausſehen, Gebahren und Kleidung nach ein früherer Seemann, war ebenſo ungeſellig und zurückhaltend wie ſein Hauswirth. Er führte den Namen Wilſon, aber man wußte nicht gewiß, ob es ſein wahrer Name warz mit ihm war eine Tochter gekommen, ein hübſches Mäd⸗ chen von etwa 13 Jahren, welches er in einer Koſtſchule der benachbarten Stadt untergebracht hatte. Er beſuchte das Kind übrigens nur ſelten, und der ganze Verkehr zwiſchen Vater und Tochter fand hauptſächlich durch Ver⸗ mittelung einer gewiſſen Mary Strugnel ſtatt, die eine Wittwe von ungefähr 30 Jahren, aus dem Dorfe gebür⸗ tig und bei Mr. Wilſon als Dienerin angeſtellt war. Mary Strugnell verließ ebenfalls nur ſelten Eraig Farm, und zwar meiſt nur am Sonntag Nachmittag, wo ſie bei günſtigem Wetter in der nahe gelegenen Stadt ihre Tante und zugleich auch Miß Wilſon beſuchte, und gewöhnlich um halb eilf Uhr Nachts oder noch ſpäter zurückkehrte.

Armſtrong war manchmal mehrere Tage von Hauſe ab⸗ weſend, und zwar, wie es hieß, um Geſchäfte für Wilſon zu beſorgen. Am Sonntag der erſten Woche des Januars 180 war Armſtrong mit ſeinem Weibe ebenfalls gerade eine Woche verreiſt geweſen und noch nicht zurückgekehrt.

Etwa um ein Viertel auf eilf Uhr des genannten Abends wurden die früh zu Bett gehenden Bewohner des Dörfchens aus ihrem erſten Schlummer geweckt durch lau tes anhaltendes Pochen am Einfahrtthor von Farmer Armſtrong's Hauſe; die Schläge ſchallten immer lauter, heftiger und ungeduldiger durch die ſtille Nacht, bis auch die geſundeſten Schläfer erwacht waren. Fenſter wurden haſtig geöffnet, und bald darauf näherten ſich zahlreiche Schritte dem Orte, von wo der Lärmen ausging. Es er⸗ gab ſich, daß der ungewöhnliche Larmen von Farmer Arm⸗ ſtrong ſelber herrührte, welcher, in Begleitung ſeines Weibes, vor dem Hauſe ſtand und mit ſeinem ſchweren Schwarz dornſtocke derb gegen die verſchloſſene Thuͤre pochte, ohne jedoch auch nur die geringſte Antwort zu erhalten. Mrs. Strugnell ſchien noch nicht aus der Stadt zurückgekehrt; aber man fragte ſich betreten: wo denn Mr. Wilſon ſei, der ja ſouſt Tag und Nacht das Haus zu hüten pflege. Auf einmal rief ein Knabe; er ſehe aus einem der hin⸗ teren Fenſter des Hauſes ein weißes Tuch oder Laken Hängen, und dieſe Entdeckung, welche die Ahnungen der Dörfler von irgend einer duſteren Unthat, die hier geſchehen, beſtätigte, beſtimmte ſie, eine wirkſamere Art Einlaß zu begehren anzuwenden, als das ſeitherige Pochen geweſen. Johnſon, der Conſtable der Gemeinde, ein verſchlagener Mann, ſchlug vor, die Thüre einzurennen, und als Arm ſtrong und ſein Weib, leichenblaß, und zitternd vor Kälte oder vor banger Aufregung, zaudernd ihre Zuſtimmung gaben, ſchleppte man ſogleich Brecheiſen herbei, ſprengte die Thür, und ein halbes Dutzend erhitzter Männer traten in's Haus. Armſtrong's Weib hatte in dieſem Augenblick, wie nachher bemerkt wurde, in einem plötzlichen langen Schauer ihres Mannes Arm ergriffen und dieſem etwas in's Ohr geflüſtert, worauf dann erſt Beide in's Haus traten.

Nun geht Ihr uns die Treppe hinauf voran, Far mer! rief Johnſohn, ſobald man Licht gemacht hatte.

Armſtrong, welcher ſich von ſeinem Schreck einiger maßen erholt zu haben ſchien, ſprang haſtig die Treppe hinan, der ganze Haufe Bauern hinter ihm her. Droben auf dem Flur pochte er an die Thür von Mr. Wilſon's Schlafgemach, erhielt jedoch keine Antwort. Armſtrong