Ausgabe 
10.7.1850
 
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Stadtkirche 1 Burgfirche

Burglirche:

Intelligenz-Blatt

fuͤr die

Provinz Oberheſſen

im Allgemeinen, den Regierungsbezirk Friedberg

* im Beſonderen.

M 33.

Mittwoch den 10. Juli

1850.

Amtlicher Theil.

Die Großherzoglich Heſſiſche Regierungscommiſſion des Regierungsbezirks Friedberg an die Großh. Bürgermeiſter resp. Beigeordneten und Polizeicommiſſäre, ſowie die Gendarmen dieſes Regierungsbezirks.

Betreffend: Die heimliche Entfernung des Heinrich Wagner von Rodheim.

Rubrikat, Sohn des Bäckers Heinrich Wagner von Rodheim, hat ſich am 24. v. Mts., wahrſcheinlich aus Furcht vor einer Züchtigung, heimlich von Hauſe entfernt und es iſt bis jetzt der Ort ſeines Aufenthalts nicht bekannt ge worden. Unter Beifügung eines Signalements deſſelben beauftragen wir Sie, nach dem Vermißten zu forſchen und ihn im Betretungsfalle in ſchonender Weiſe anzuhalten und hierher abzuliefern.

Friedberg den 2. Juli 1850.

Ouvrier.

Signalement.

Alter: 14 Jahre. Größe: 5 Fuß. Haare: hell. Augen: grau. Augenbraunen: hell. Geſicht: klein. Naſe und Mund gewöhnlich. Geſichtsfarbe: bleich. Statur: klein. Kleidung: ein gutes dunkelblaues Tuchkamiſol, eine desgleichen Weſte, eine desgleichen Kappe mit Sturmband, gute geſtreifte Hoſen von Sommerzeug, neue Stiefel mit Stiftchen beſchlagen, ein gutes Hemd.

Der Sonnenſchirmbaum. Ein naturgeſchichtliches Curioſum.

In vielen Ländern gewährt die Natur aus freiem Antriebe den Bewohnern in Fülle jene dringenden Lebens⸗ bedürfniſſe, welche man in anderen erſt mit vieler Mühe und Handarbeit hervorbringen muß. So wächſt auf den Inſeln des Stillen Oceans der Brodfruchtbaum, der den Einwohnern derſelben eines der koſtbarſten und unentbehr⸗ lichſten Nahrungsmittel Europa's liefert; ſo gibt in den heißen trockenen Wüſten Südamerika's der palo de vaccu oder Kuhbaum ein kühlendes milchartiges Getränke; und

die Kokosnuß gewährt den Völkern der heißen Zone nicht nur Speiſe und Getränk, ſondern verſieht ſie auch mit Gefäßen zur Aufbewahrung der einfachen Nahrungsſtoffe, welche ſie enthält. Betrachten wir insbeſondere die manch faltige Natur der Erzeugniſſe verſchiedener Länder und die wunderbare Anpaſſung derſelben an die Bedürfniſſe ihrer Bewohner näher, ſo müſſen wir unfehlbar und mit ſtau nender Ehrfurcht die unerſchöpfliche Sorgfalt und Güte des gnädigen allmächtigen Schöpfers bewundern. In den kahlſten, unfruchtbarſten, kälteſten Regionen des Nordens wächſt das unſcheinbare verkümmerte Rennthiermoos, von welchem das für den Menſchen ſo nützliche Rennthier lebt, und in den heißen Wüſten der Sahara, wie in der ſtrotzen⸗ den Wildniß der Selva finden ſich noch immer Mittel genug zum Unterhalte des Menſchen, und zur Befriedigung ſeiner gewöhnlichſten Bedürfniſſe. Unter der reichen Fülle ſeltſamer Geſchöpfe im Pflanzenreiche gibt es aber dennoch kaum ein merkwürdigeres oder nuͤtzlicheres, als den Tali pot oder Schirmbaum auf Ceylon, deſſen Blätter zur Papierbereitung, zum Bedecken von Hütten und Zelten, ſowie zur Anfertigung von Kleidungsſtücken dienen, wäh⸗ rend das Mark der juͤngeren Stämme ein nahrhaftes wohl ſchmeckendes Brod liefert, das die Bewohner von Ceylon vor der Reife ihrer Erndten gerne genießen. Der Talipot iſt aber auch ein ſchöner Baum; ſein Stamm ſo ſchlank wie eine Binſe, erreicht eine Höhe von 6070, oft von hundert Fuß, und ſpitzt ſich gegen den Gipfel hinauf zu, wo ſeine großen breiten Blätter ohne Zweige auswach⸗ ſen. Der Umfang des Stammes eines ſolchen Baums beträgt, wenn er vollkommen ausgewachſen iſt, ungefähr fünf Fuß, nimmt aber nach oben allmählig ab. Die Blät⸗ ter, ſo lange ſie noch auf dem Baume, ſind beinahe ganz rund und von ſo bedeutendem Umfange(1518 Fuß lang und 12 14 Fuß breit), daß eines derſelben gar leicht zehn bis zwölf Perſonen vor dem Regen ſchützen kann. Auf dem Gipfel des Baumes ſelbſt wächſt die Blüthe, welche ſich manchmal noch mehr als 30 Fuß über die ge⸗ wöhnliche Höhe der Pflanze erhebt, bevor ſie die Rinde durchbricht, welche ſie umſchließt und die etwa mit einem zuſammengelegten Regenſchirm Aehnlichkeit hat. Hat der Embryo ſeine Reife erreicht, ſo berſtet die Hülle mit einem lauten Krachen, und entfaltet herrliche Traubenbüſchel ſchöner gelber aber übelriechender Blüthen. Die Ent⸗ wickelung der Blüthe iſt aber zugleich das Signal zum Abſterben des Baumes, jene iſt die Entfaltung der höchſten Schönheit vor dem raſchen Zerfall. Auf die Bluͤthe