Ausgabe 
9.2.1850
 
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Intelligenz-Blatt

fuͤr die

Provinz Oberheſſen

im Allgemeinen, den Regierungsbezirk Friedberg

im Beſonderen.

Sonnabend den 9. Februar

1850.

Ein Jugendvergehen.

Nach einem wechſel- und ſtürmevollen Leben hatte J. J. Rouſſeau endlich den Hafen der Ruhe gefunden, nach welchem er ſo lange vergebens geſucht hatte. Er hatte ſich in dem ſchönen Thale von Montmorency nieder⸗ gelaſſen, welches, obwohl in der Nähe von Paris gelegen, ihm dennoch jene Einſamkeit, jene Zurückgezogenheit von der Welt gewährte, nach denen das durch ſo manche Lei⸗ den und Verfolgungen verwundete Herz des Dichters der neuen Heloiſe mit ſolcher Sehnſucht verlangt hatte. In den Schatten der Wälder von Montmorency konnte er endlich ſich ſelber leben, er war nicht mehr, wie in der Hauptſtadt, genöthigt, jeden Augenblick ſich von einer Fluth Neugieriger, die der Glanz ſeines Namens anlockte, und die ihm ihre abgeſchmackten Huldigungen darbrachten, in ſeiner harmloſen Exiſtenz ſtören zu laſſen. Ein freund⸗ liches Haus, das ihm ſeine Gönnerin, die Marquiſe d'Epsney, eingeräumt, hatte ihn aufgenommen und für ſeine wenigen Bedürfniſſe ſorgte ſeine Haushälterin Thereſe.

Seit langer Zeit hatte der große Mann ſich nicht ſo glücklich gefuͤhlt. Die reine Luft, die herrliche Gegend, die Unabhängigkeit, deren er genoß das Alles wirkte mit einem Zauber auf ihn, der ihn faſt zu verjüngen ſchien. Rouſſeau hatte nie zu jenen ſtubenhockenden Gelehrten ge hört, denen nur in dem Staube ihrer Folianten und Quar⸗ tanten wohl wird. Er war vielmehr der begeiſterte Ver⸗ ehrer der Natur, und nie war ihm wohler, als im Freien. Der Schatten des Waldes, das Murmeln der Quelle, der Duft der Wieſen das waren Genüſſe, die ihm über alles Andere gingen. Was Wunder, daß er in Montmo⸗ rency's himmliſcher Gegend einem Triebe folgte, dem er ſogar in Paris treu geblieben war und daß er den größ⸗ ten Theil ſeines Tages auf Spaziergängen zubrachte, auf denen er ſich theils ſeinen Träumereien überließ, theils dem Studium der Botanik, welches er mit Leidenſchaft erfaßt hatte, oblag. Frei von Dünkel und Hochmuth, liebte es Rouſſeau, ſich mit den Bewohnern von Mont⸗ morency auf ſeinen Spaziergängen zu unterhalten, und es dauerte nicht lange, ſo war er ſo bekannt mit den meiſten unter ihnen, ſo vertraut mit ihren kleinen Ange legenheiten, Bedürfniſſen, Wünſchen, Kenntniſſen und Hoff⸗ nungen, als hätten ihn die Schatten des lieblichen Thales ſchon Jahre lang beherbergt. Wo es ſeine, freilich nicht bedeutenden Mittel erlaubten, da griff er thätig mit Huͤlfe

und Unterſtützung ein, und jeder Arme, der ihm begegnete, war eines Almoſens aus ſeiner Hand gewiß.

Beſonders hatte eine blinde alte Frau das Intereſſe des Dichters zu feſſeln gewußt. So oft er an ihrer Hütte vorüber kam und ſie wie ſie es an ſchönen, ſonnigen Tagen zu thun pflegte, vor derſelben ſitzen fand ver⸗ weilte er bei ihr, ließ ſich mit ihr in ein Geſpräch ein, und beſchenkte ſie, wenn er ſeinen Beſuch endigte, mehr oder minder reichlich Es war etwas Geheimnißvolles, etwas, worüber er ſich keine Rechenſchaft abzulegen wußte, eines jener dunkeln Gefühle des Herzens, welche ſo oft den Menſchen beſtimmen, welches ihn zu der Blinden zog. Er glaubte ſich in ſeine Jugendjahre, an die Ufer des Geufer⸗Sees, oder in die prächtigen Straßen von Turin zurückverſetzt, wenn er ihre Stimme horte. Wirklich war die Blinde nicht aus der Gegend zu Hauſe; ſie war alt und ſchwach, als Bettlerin nach Montmorency gekommen, und dort lebensgefährlich erkrankt. Das gute Völkchen des Thales hatte für ſie geſorgt, ſie war wieder geneſen, und da ſie auf näheres Befragen geſtand, daß ſie Nie manden auf der Welt, der ſie näher angehe, mehr beſitze, ſo hatte man auf allgemeine Koſten für ihre Beduͤrfniſſe geſorgt; ſie in einer der Hütten des Dorfes bei ein Paar gutmuͤthigen Leuten, die ſie pflegten, untergebracht, und ſo war ſie ſeit jener Zeit in Montmorency geblieben. Wo ſie eigentlich her ſei, welche Schickſale ſie nach Montmo⸗ rency geführt, darüber wußte Niemand Auskunft zu geben, da ſie ſelber über dieſen Punkt ein hartnäckiges Schweigen beobachtete, die guten Leute von Montmorency aber es für ungaſtlich hielten, ſie über etwas zum Sprechen zu bringen, worüber ſie vielleicht aus guten Gründen ſich nicht erklaren mochte.

Auch Rouſſeau's Unterhaltungen mit der Alten lüf teten den Schleier nicht, der über den Schickſalen der Alten lag. Sie drehten ſich vielmehr um die Ereigniſſe des Tages, die natürlich in einem Orte, wie Montmorency, von keiner Bedeutung ſein konnten. Dazu kamen Erkun⸗ diguugen nach ihrer Geſundheit, hier und da ein guter Rath, wie ſie ſich die Beſchwerden des Alters erleichtern möchte u. ſ. w. Damit waren in der Regel die Geſpräche des Dichters und der Alten zu Ende.

(Schiuß folgt.)