Ausgabe 
5.10.1850
 
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Intelligenz-Blatt

fuͤr die

Provinz Oberheſſen

im Allgemeinen, den Regierungsbezirk Friedberg

im Beſonderen.

Sonnabend den 5. Oktober

1850.

E 78.

Die Ahnung. Nach einer wahren Begebenheit. Von Fr. Gerſtäcker. (Jortſetzung.)

Aber ich begreife Dich nicht.

Es iſt heute der dritte Abend, fuhr ſeine Frau, den Einwurf nicht weiter beachtend, fort,daß ich dieſelbe ängſtliche Unruhe fühle, wie heute, nur nicht ſo ſtark. Am erſten Abend erhielt ich, wie Du weißt, gerade vor Schlafengehen den Brief von zu Hauſe, worin mir meine Mutter von des Vaters Krankheit ſchrieb.

Ein etwas hartnäckiger Katarrh, wie ſie ſelbſt ſagte, der ſich bis jetzt ſchon wahrſcheinlich wieder vollkommen gehoben hat.

Kein Katarrh, Heinrich, die Sache iſt ſchlimmer, als ſie es mir ſogleich ſchreiben mochte, weßhalb den Brief eilig gemacht? weßhalb nun das Schweigen? Mit dem jetzigen Lauf der Eiſenbahn könnte Nachricht in neun Stunden hier ſein.

Komm' Kind, erwiderte ihr lächelnd der Maun, geh' jetzt zu Bett, und morgen früh wollen wir ruhig über die Sache reden; Du phantaſierſt heute Abend, und da iſt's beſſer Du überſchläfſt erſt einmal die Gedanken, die das Sonnenlicht ohnedies nicht gut vertragen konnen. Doch ſieh', der Wind hat den Himmel endlich rein gefegt, und der Mond ſcheint ordentlich freundlich in's Fenſter herein, wenn ſich der Sturm erſt ein Bischen legt, be⸗ kommen wir vielleicht das ſchönſte Wetter; komm' Kleine, heb' das Köpfchen wieder und ſei mein braves Weib. Du wirſt Dich doch wahrſcheinlich nicht vor Spukgeſchich⸗ den fürchten?

Nein, nicht vor Spukgeſchichten, Heinrich, fluͤſterte die Frau und ſchaute dabei mit feſtem glanzloſem Blick in die Ecke des Gemachs, das von der immer düſterer bren⸗ nenden Lampe kaum noch hinlänglich beleuchtet wurde, gewiß nicht vor denen, ich habe ſchon faſt wieder ver⸗ zeſſen, was der Verwalter und Schulmeiſter erzählten, eber, in mir ſelbſt fühle ich, daß, und zwar in dieſem Augenblicke, irgend etwas bei den Meinigen vorgeht. Ich ſann, ſo viel ich auch dagegen ankämpfe, das Bild meines Vaters nicht aus dem Sinn verlieren. Fortwährend ſehe ich ihn, bleichen, gramvollen Angeſichts, in dem grünen Schlafrock mit dem dunkeln Käppchen vor mir auf- und übgehen und mit dem ſtählernen Urbehänge ſpielen, was

er nur that, wenn er krank oder leidend war ſo deutli

höre ich dabei das leiſe klimpernde Geräuſch, daß ich 95 heute ſchon mehrmals im Zimmer umgeſchaut habe, ob nicht irgend etwas die Urſache deſſelben wäre, aber es

liegt mir allein im Ohr, Du, Il i hr,Ihr Anderen habt nie etw davon vernommen. 5*

Du biſt heute aufgeregt, Kind, das iſt di Sache, beruhigte ſie der Mann;tomm', 25 8 0 Bett gehen, es wird ſpät und ich bin müde, die Lampe ſcheint überdieß kein Oel mehr zu haben; ſie will ausgehen.

. Ein leiſer, winſelnder Ton, der faſt wie ei Hülferuf klang, wurde in dieſem ee lat N konnte nicht recht unterſcheiden, ob er vom Hofe, oder aus dem Hauſe ſelbſt herauf, erſchalle, der Wind brauſte und rauſchte auch noch zu ſehr in der dicht neben dem Gebäude ſtehenden Linde, und heulte im Schornſtein auf und nieder. Die Lampe verloſchte in dieſem Augenblick und der Paſtor, der jetzt ſelbſt, durch die Furcht der Frau vielleicht angeſteckt, ein gewiſſes, unheimliches Gefühl nicht ganz unterdrücken konnte, war eben im Begriff, in die daran ſtoßende Schlafſtube zu treten, um von dort her einen kleinen, neben dem Feuerzeug ſtehenden Wachsſtock zu holen, als die Gattin haſtig und krampfhaft ſeinen Arm ergriff und mit von innerer Angſt faſt erſtickter Stimme während ſie die rechte zitternde Hand nach der andern Thüre ausſtreckte, flüſterte:Sieh, ſieh dort!

Der Paſtor ſtand mit ſeiner Frau nahe kammerthür und noch im ee der Wand 2 jetzt dunkeln Zimmer, während ein einzelner Mondenſtraht in das obere Fenſter und auf die gegenüberliegende Trep⸗ penthür fiel; aber auch durch eine duͤnne Gardine ſo weit gemäßigt wurde, die Gegenſtände, die er beleuchtete, nur undeutlich und unbeſtimmt erkennen zu laſſen. Nichts⸗ deſtoweniger ſahen die Gatten ganz genau, wenn ſie auch nicht das mindeſte Geräuſch der ſonſt gewöhnlich kreiſchenden Thüre hörten, wie ſich die blanke Klinke langſam bewegte und anſcheinend von ſelber aufdruͤckte gleich darauf öffnete ſich eben ſo feierlich die Thür und herein trat mit ge⸗ räuſchloſem Tritt eine Geſtalt, die das Blut in Beider Adern ſtocken machte der gruue Schlafrock, das ſchwarze Käppchen die hohe bleiche Figur die Paſtorin ſtand mit faſt aus ihren Höhlen ſtarrenden Augen, mit halbge⸗ öffneten Lippen, mit noch immer zeigend und zugleich ab⸗ wehrend ausgeſtrecktem Arme da, und ſelbſt der Mann blieb überraſcht, beſtürzt vor dem, was ſeine eignen Augen