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ſie genau; dann wandte er ſich nach ſeinem Neffen um und blickte demſelben ernſthaft in's Geſicht, gab aber keine Antwort.—„Sie müſſen antworten, mit Ja oder Nein, Mr. Bagſhawe!“ ſagte der Gerichtsſchreiber.
„Antworten Sie, Oheim!“ ſagte der Gefangene ruhig und beſchwichtigend;„fürchten Sie nichts für mich! Mit Gottes Hülfe und meiner Unſchuld werde ich auch dieſes Gewebe von Schurkerei und Bosheit zerreißen, in welches ich jetzt hoffnungslos verflochten erſcheine!“
„Ja, das wirſt Du! weiß Gott, das wirſt Du, Ro⸗ bert! Ja, meine Herren! das Kreuz und die Münze hier auf dem Tiſche gehören zu dem mir geſtohlenen Beſitzthum!“
Ein leiſes Seufzen, ein Zeichen der allgemeinen Theil— nahme und bekümmerten Sympathie für den hochbetagten Herrn, durchlief bei dieſer Erklärung das zahlreiche Audi— torium. Ich mußte nun angeben, auf welche Weiſe ſie bei dem Gefangenen gefunden worden ſeien, was ich der Wahrheit gemäß that. Als ich geendet hatte, beſprachen ſich die Gerichtsbeamten einige Minuten mit einander, worauf ſich der Vorſitzende an den Gefangenen wandte. „Ich habe Sie zu benachrichtigen,“ ſagte er,„daß die Richter der Anſicht ſind, es liege hinreichender Beweis gegen Sie vor, um uns zu befähigen, Sie in Anklageſtand zu verſetzen. Wir ſind natürlich gehalten, auch Ihr Vor— bringen anzuhören; wenn wir dies aber auch thun wollten, ſo wird Ihr Anwalt Ihnen rathen, jede Vertheidigung, welche Sie vorbringen könnten, für ein anderes Tribunal aufzuſparen: hier könnte es Ihnen doch Nichts helfen!“
Mr. Cowan erklärte ſich mit dieſem Winke des In— ſtructionsrichters einverſtanden; allein der Gefangene ver⸗ theidigte ſich heftig dagegen, daß er die gegen ihn vor⸗ gebrachte Anklage durch ſein Schweigen ſanktionire.
„Ich habe Nichts aufzuſparen, Nichts zu verhehlen,“ rief er mit leidenſchaftlicher Energie.„Ich will meine Freiſprechung von einer ſolch ſchändlichen Beſchuldigung keinem Advokatenkniffe verdanken. Sollte ich nicht mit vollkommen unbeflecktem Namen aus dieſer Unterſuchung hervorgehen, ſo will ich gar nicht loskommen. Die Ver⸗ theidigung oder vielmehr die ſuggeſtiven Thatſachen, welche ich der Richterbank zur Erwägung zu übergeben habe, ſind folgende: Am Abend des Tages, wo ich meines Oheims Brief erhielt, ging ich in's Drurylane-Theater und blieb bis ſpät in der Nacht aus. Bei der Rückkehr in meinen
Gaſthof fand ich, daß mir meine Brieftaſche geſtohlen worden, welche nicht allein jenen Brief und eine bedeutende Summe in Banknoten, ſondern auch Papiere enthielt, welche für mich von großer Bedeutung in Bezug auf mei— nen Stand waren. Es war zu ſpät, um noch in der Nacht Maaßregeln zur Wiederherbeiſchaffung des Geſtoh— lenen zu treffen; am andern Morgen aber, als ich mich eben zum Ankleiden anſchickte, um auszugehen und die Polizeibehörden von meinem Verluſt in Kenntniß zu ſetzen, ward mir gemeldet, daß ein Herr mich augenblicklich in einer ſehr wichtigen Angelegenheit zu ſprechen begehre. Er ward hereingeführt, gab ſich mir ſelbſt als ein Poli— zeibeamter zu erkennen, und zeigte mir an: der an mir begangene Diebſtahl ſeie durch einen Spießgeſellen des Urhebers entdeckt worden und ich müſſe ihn ſogleich beglei— ten. Wir verließen das Hotel mit einander, und nachdem wir einen ganzen Tag durch ein endloſes Labyrinth und eine Anzahl von Gäßchen und Winkeln aller Art umher⸗ gegangen waren und mehrere verdächtige Häuſer beſucht hatten, wollte mein dienſtfertiger Begleiter plotzlich die Entdeckung machen, daß die Diebe die Stadt verlaſſen und ſich nach dem weſtlichen England auf den Weg gemacht hatten, vermuthlich in der Hoffnung, eine größere Stadt zu erreichen und dort die Banknoten gegen Gold umwech— ſeln zu können, bevor die Nachricht von deren einſtweiligem Arreſte bei der Bank dorthin gelangt ſein könne. Er drang darauf, die Diebe ſogleich zu verfolgen; ich wünſchte zunächſt nach meinem Hotel zurückzukehren, um mich um— zukleiden, da ich ſehr leicht angethan war und die nächt⸗ liche Reiſe einen wärmeren Anzug erforderte. Davon wollte mein Begleiter aber Nichts hören, ſondern verſah mich aus ſeiner eigenen Garderobe mit einem Ueberrock, einer Art Dienſtrock der Polizeibeamten,— und einer groben Reiſemütze, die unter dem Kinn zuſammengebunden werden mußte. Zu gehöriger Zeit erreichten wir Briſtol, wo ich mehrere Tage lang unnütz hin- und hergeſchickt und ordentlich genarrt, bis endlich mein Begleiter mich verließ und ich nach London zurückkehrte. Eine Stunde nach meiner Ankunft daſelbſt machte ich von Demjenigen, was mir begegnet war, Anzeige auf dem Polizeiamt in Scotland Pard, und ließ mich hernach für den Nachteil— wagen nach Kendal einſchreiben. Das iſt Alles, was ich anzugeben weiß.“(Fortſetzung folgt.)
Bekanntmachungen von Be⸗ hoͤrden.
N ονI Y
Main⸗Weſer⸗Eiſenbahn.
(1193) Dienſtag den 6. Auguſt l. J. Vor⸗ mittags 10 Uhr ſollen auf dem hieſigen Bahn⸗ bofe das Brechen, Fahren und Aufſetzen von 30 Cubikklafter Fundamentirſteine aus den Stein- brüchen bei Fauerbach II. zur Fundamentirung des Schienenweges vom Bahnhofe bis zum Dor⸗ heimer Chauſſeehauſe, unter den bei der Ver— ſteigerung bekannt gemacht werdenden Beding— ungen, öffentlich an die Wenigſtnehmenden ver⸗ ſteigert werden.
Friedberg den 25. Juli 1850.
Der Großh. Heſſ. Sections-Ingenieur der Section Friedberg Hochgeſand.
Aufforderung
an die Schuldner der Pfand⸗ und Leih⸗Anſtalt zu Friedberg.
(11410 Die Schuldner der Friedberger Pfand⸗
anſtalt, deren Pfänder bis jetzt verfallen ſind,
werden aufgefordert dieſelben bis zum 17. Auguſt
J. J. einzulöſen oder zu prolongiren, als ſonſt
deren Verſteigerung ſtattfinden ſoll.
Bemerkt wird noch beſonders, daß die Aus⸗ löſung, ſowie die Renovation nur an den dazu beſtimmten Tagen, Montag, Mittwoch und Samſtag, geſchehen kann.
Friedberg den 16. Juli 1850.
Für die Pfandhaus⸗ Verwaltung Faatz. C. Klein.
Hofraithe⸗Verſteigerung. (1137) Dienſtag den 20. Auguſt, Morgens um 10 Ubr, wird in hieſigem Rathhauſe die Wilhelm Netz'ſche Hofraithe, beſtehend in Wohn⸗ haus mit Werkſtätte, Scheuer und Stall, an Johannes Faatz, meiſtbietend verſteigert.
Friedberg am 17. Juli 1850. In Auftrag Großh. Heſſ. Landgerichts: Der Großh. Heſſ. Buͤrgermeiſter Bender. Güter ⸗Verſteigerung. (10600 Donnerſtag den 8. Auguſt, Morgens um 9 Uhr, werden in hieſigem Rathhauſe die zum Nachlaß des Georg Renneberg gehörenden Güterſtücke meiſtbietend verſteigert, als: 1) 3 Prtl. 29 Rth. Garten in der 8. Gewann, der ſogenannte Ackergarten
vor dem Fauerbacher Thor am Todtenhbof,
2) 1 Prtl. 13 Rth. in der 14. Gewann am Gäß⸗ chen an Georg Rauſch jun.
3) 1„ 32„ in der 15. Gewann, den ſog. Grabengärten, an Kon⸗ rad Reuß II. und Marga⸗ retha Reuß,
4) 18„ in der 18. Gewann zwiſchen der Köhler- und Kloſtergaſſe an Jakob Pfeffer,
59 4%„ Wieſen in der Burggemar⸗ kung, im Ried in der II. Abtheilung an Johs. Joſt 11. Zins der Pia corpora 1 kr. 17 Hlr.,
6) 29„ Acker in der Gemarkung Fauerbach 11. an der Schlok⸗ kergaſſe.
Friedberg den 3. Juni 1850. In Auftrag Großh. Landgerichts Der Großh. Heſſ. Bürgermeiſter Bender.
Güter ⸗ Verpachtung.
(1203) Auf freiwilligen Antrag der Frau Heinrich Preußers Wittwe dahier werden Mon⸗ tag den 12. Auguſt, Morgens um 9 Uhr, im hiefigen Rathhauſe die derſelben in den Gemar⸗ kungen Friedberg und Fauerbach II. zuſtehenden Güterſtücke auf 6 nacheinander folgenden Jahre
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