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Mufikverein in Friedberg. Der Friedberger Lehrerverein
(10380 Gencralberſammlung Samſtag ven(1039) wird ſeine nächſte Conferenz am 30, b. Mis, Abends 8 Uhr, im Ph. Steckſchen 4. Juli in Jauerbach abhalten. Locale. Der Vorſtand. ö Volk.
Die von Herrn O. Riedel, weiland Kreisrath Seitz ſcher Schreiber, in Nr. 48. dieſes Blattes verlangte Fortſetzung. 2 05
(1040) Indem ich ZJhnen, Herr Riedel, von vorn herein bemerle, daß Lehrer König von Ober⸗ morlen an dem Ihnen ſo unangenehm in den Weg gekommenen Inſerat in Nr. 46. d. Bl,. nicht den minbdeſten Antheil hat, hebe ich den von Ihnen hingeworfenen Hehdehanvſchuh auf, hoffend, mit einem Manne von Ihrer Geiſtesfählgkeit und Charaktereigentyümlichleit leicht fertig zu werden.
a In Zorem wohl mit eigenem Kalbe gu pflügten Machwerk in Nr. 48, das glauben läßt, Sie hätten in Walſchland, keineswegs aber im liehen Vaterlande, wo man„deutſch“ ſpricht, das Ucht der Welt erblickt und Ihr Kopf ſel einmal trepanirt und jenes Thells des Gehirus beraubt worden, in dem die Denkgeſetze wohnhaft ſiad, haben Sie Sich in einer Weiſe offenbart, wie es nur Ihr ärgſter Feind wünſchen kann, in einer Weiſe, welche mehr als den ganzen, Inhalt des Inſerats Nr. 46. betätigt: als einen Menſch von wenig Verſtand, noch weniger Bildung, aber von ſo viel Anmaßung, als jener Froſch beſaß, der es mit ſeiner Sucht, die Größe eines Ochſen zu erreichen, bis zum Zerplatzen trieb, und in Folge deſſen mit der artigen Gewohnheit behaftet, zu entſtellen, zu lügen, zu verbächtigen, wenn vie Gelüſte Ihres lieben Ich dies fordern.
Ich ſage: Sie haben wenig Verſtand und noch weniger Bubung. Das zeigt jedem Geblldeten Zyr armſeliger Aufſatz, der den ganzen Heillgenſchein, womit Sie der Rentmeiſtertitel umgab, von Ihnen reißt; das zeigen Ihre krähwinkeligen Fruchtſpetulationen, Ihr Pferdeyandel, Ihr Klavierprofelt 1.
Ich ſage ferner: Sie lügen, verdächtigen und entſtellen, ſonſt würden Sie nicht ohne allen außerhalb Ihrer Phantafie liegenden Grund den Lehrer König mit Gewißheit als den, Urheber des Inserats in Nr. 46. bezeichnet haben; Sie würden nicht behaupten, der Gemeinderath J. H. Burk habe jenen Beſchluß, in Betreff ber Lehrerwohnung, nicht genehmigt, da er benſelben ja doch, wie ſchwarz auf weiß zu ſehen, unterſchrieben hat; Sie würden nicht bas Schulhaus 16000 fl. ſtatt 9000 fl. koͤſten laſſen, wie leßteres aus ber Gemeinderechnung hervorgeht; Sie würden nicht das Inſerat in Nr. 46. als Folge Ihrer Kirchenuhr-Neklamatlon ausſchreien, da ja jenes ſchon in der Drucketel war, che dieſe eingebracht wurde; Sie wurden nicht die Unwahrheit behaupten, ich habe mich mit dem Gr. Bürgermeiſter dahter, den Sie meinen Brodherrn zu nennen belieben, veruneinigt; Sie würden ſonſt nicht gleich nach Ihrer Hierhertunft wegen eſulger, von ben Schweinen auf dem Acker Zhres Prinzipals ausgewühlter Kärtoffelſtocke die hüeſige Gemeinde als eine von ungeſetzlichem Geiſte beſeelte und von ber Sucht nach fremdem Eigenthum behaftete verſchrieen haben; Sie wür ven nicht im Gebränge, Ihre Sache nicht vertheloigen zu konnen, Perſonlichteit vor— geſchoben haben, insbeſondere nicht den Gemeinderath der Verſuhrung burch unwurbige Mittel zeihen, zumal Sle ſelbſt bei Gelegenheit Ihrer hieſigen Anſiedelung noch unwurbigere vergeblich verſucht haben.
A pro pos! Hierbel fällt mir noch eine andere Ihrer Llebenswürdigkelten, Ihre Un— vantbarkeit ein. War es nicht Gnade, daß der Gemeinderath Sie als Ortobürger aufnahm, da Sle nicht im Stande waren, das geſetzliche Inferenbum nachzuwelſen und daher der Gemeinde Aus- ſicht machten, ihre Wohlthätigteit auf vie Nachkommen des Deren Mentmeiſters verbreiten zu muſſen? g Wenn Sie mich badurch, daß Sie einen Schreiber mich zu nennen belleben, nach dem Nachdruck zu ſchließen, den Sie auf jenes Wort legen, mich zu ernlebrigen gedenken, ſo iſt diet ebenſowohl eine neue Beſtätigung, Ihrer Geiſtesunbeholfenheit, als Ihres angedeuteten liebens⸗ würdigen Charakters.
Was waren und ſind Sie noch heute troß Titel, Stlefel und Spornen mehr als eiu Schreiber, und dazu noch einer der“ Handwerk ziemlich pfuſcherhaft verſteht? Vaß Sie end lich anmaßend ſind, wer ſollte dieß, auch ohne das oben Geſagte aus Ihrem Inſerat nicht herausfinden
Sie reden von meiner Gemeinde, als beanſpruchten Sie das Recht, ein großes M an die Syltze Ihres„mein/ zu ſeten; Sle ſind mit Ihrer großartigen Behauptung:„uin Folge Ihres Proteſt's/ mit den fünfzehn Unterſchriften habe die Gr. Reglerungskommiſſion den Gemeinderaths⸗ beſchluß als einen„unſinnigen“ zuruckgewieſen in demſelben Irrthum, dem jene gutnzuthige Heu⸗ ſchrecke verfiel, welche glaubte, der Heuwagen ſel vurch ihre Bemuhungen aus dem Sumpfe ge⸗ kommen, well et gerade vorwärts ging, als ſie ſich auf die Deichſel ſoztez Sie find anmaßeno, weil Sie Sich über Andere ein Urthell erlauben, die Ihr Schreiberverſtand nicht zu beurthellen
fai it: Sie ſind anmaßend, weil Sie Behauptungen wie die:„die Gelſtelnde iſt dem Lehrer eine Wohnung ſchulr ig,“ in die Welt ſchicken, ohne Sich un die entſprechenden Geſetze zu erkun— dlgen. Kommen Sie doch zu mir, ich will Ihrem Kopfe den Art. 47, bes Allerhochſten Ebicts elntrichtern.
Freilich, Sie von Ihrer Selte mögen eine Wohnung für etwas Geringfüglges anſehen, 51— deſſen ein Lehrer eine Gemeinde nicht in Unkoſten verſetzen ſollte. Aber Sle müſſen bedenken, vaßß nicht Zerermann, wie Sie auf Unkoſten eines des Leſeus und Schreibens unkundigen Vermie⸗ 255 in det Weiſe zu einer Wohnung kommen kann, daß letzterer nach 4 Jahren Miethzeit ſeine
ohnung zurückerhält, aber außer dem Miethgeld noch 4— 500 fl. dazu verliert. Sie können den Leuten nicht wehren, pon bleſer Sache zu denken was ſie wollen.
Uebrigens bemerke ich Euch, Ortsbürger von Obermörlen, der Herr Rentmeiſter Riedel wird auch als Gemeinderath c die ſchäoliche Perſon nicht ſein, die er Manchem dünkt. Nicht als ob es ihm an gutem Willen fehle; nach bleſer Seite wird er der Paſcha Seitz'ſchen Schule Ehre machen. Aber bus beſchrankte Maaß von Verſtand und Bildung, das ihm zu Theil geworden, und ſelne liebenswürdige blinde Aumaßung würde ſeine weltbegllickenden Pläne ſcheitern machen. Herr Niebel würde alsdann praktiſch zeigen, daß hohe Köpfe leer ſind und Reitpferbe und Sporne keinen Verſtand geben. a 4
Obermörlen den 24. Juni 1849. Burk, Lehrer.
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Kirchliche Anzeigen
für Friedberg. 4. Sonntag n. Trinit. den 1.
Juli.
Pfarramtliche Functionen verrichtet:
Herr Stadtpfarrer Fer tſch.
Vormittags predigt in der Stadtkirche:
Herr Candidat Landmann.
Nachmittags predigt in der Stadtkirche:
Herr Candidat Breither.
Vormittags predigt in der Burgkirche:
Herr Stadtpfarrer Sell. (Abendmahl.)
Nachmittags predigt in der Burgklrche:
Herr Candidat Römheld.
Fruchtpreiſe.
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27. Zuni. 115 Zuni. 14. Juni
Gattung. Fr ied⸗ Die⸗ berg J Mainz] burg
5 fl. kr. fl. kr. fl. kr. Walzen pr. Malter 84042 94 8 0 15 Korn„ 6— 5 4215— Gerſte„ 5, 440 419 4/15 Hafer„ 7 4301 414 2145
Polizei ⸗ Tage 8 für die Städte Friedberg und Butzbach
vom 30. Juni bis 6. Juli 1849.
————̃— 2. ü Fried- Butz⸗ 4 Brod-Preiſe. berg.] bach. 2 1 kr. pf. kr. pf. 11 Leib⸗Roggenbrod 2 14 2741 2 77 7 4 2 412 4 7, 7. 9 40 9 1477 Lth./ Eth. — Milchbrod 1 2 1 5 — Waſſerweck 115 ½½ — Gemiſchte(Tafel⸗) Brod 145% 16 Fleiſch-Preiſe. pf. pf 1 Ochſenfleiſch 1 12 121 Ua eh Hemäſtetes—9—1 9— 1 aue 61* 991 a gemäſtetes 91— 1 8— 10 Rindfleiſch ungemäſtet. 7—(—— „ Kalbfleiſch 61—1 6 „ Schweinenfleiſch 11— 111— „ Hammelfleiſch 9— 9— „ Schaafflelſch 47 „ Wurſt v. blos Schweinen 12— 14— „ Gemiſchte Wurſt 10——— „ Bratwurſt f 15— 16— „ Schwartenmagen 15— 16— „ Geräucherter Speck 24124 „Schinken f ne „Doörrfleiſch 171— 1181— „ Schweinenſchmalz, 25 ausgelaſſen 244— 24— una isgelaſſen 20— 20— „Nierenfett 20— 24— „ Hammelsfett 16— 116— Die Großh. Heſſ. Reglerungskommiſſion des
Reglerungsbezirks Friedberg Ouvrier.
Gedruckt und verlegt unter Verantwortlichkelt von C. Bind ernagel in Friedberg.
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