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„Sie wußte das Alles ganz genau allein ſie mußte fort aus der Stadt, ſonſt wurde ſie mit Schandarmen auf dem Schub heimgebracht, das wäre noch ſchlimmer geweſen.
„Wie's in ihrem Herzen ausgeſehen? Ja, ja! Der Friede war adje! und die Qual der Hölle war hineinge— zogen. Entehrt war ſie vor der Welt. Sie wußte, wie man im Dorfe dachte; wußte, daß ſie zu den Mädchen nicht kommen, mit ehrbaren Frauen nicht umgehen durfte; daß ſie in der Kirche in den Stuhl gehen mußte, der für Weibsleute ihres Gelichters beſtimmt war. Und im Vater⸗ haus? O, da wußte ſie ja auch, was es gab. Zu ſpät hatte ſie verſtändigen Gedanken Raum gegeben, und manch⸗
mal trat der verſchmähte Samel vor ihre Seele, der ſie
gewarnt, voll treuer Liebe gewarnt hatte, wie ein guter Geiſt. (Schiuß folgt.)
Einige Worte uber eine vaterlaͤndiſche Angelegenheit, zur Berückſichtigung für die demnächſtigen Landſtände 5 des Großherzogthums Heſſen.
Von A. Weller zu Wölfersheim.
Nachbarlich wohnet der Menſch noch mit dem Acker zuſammen
Seine Felder umruhn friedlich ſein ländliches Dach.
Glückliches Volk der Gefilde, noch nicht zur Freiheit erwachet,
Theilſt du mit deiner Flur fröhlich das enge Geſetz.
Deine Wünſche beſchränkt der Erndte ruhiger Kreislauf,
Wie dein Tagwerk gleich windet dein Leben ſich ab. Schiller.
Unter allen Verhältniſſen, wie ſie ſich von März 1848
bis hierher geſtaltet haben, ob zu Gunſten einer Reaction, durch eine Camarilla, wie ſie ſich faſt in allen Dörfern vorfindet,— oder einer rohen republikaniſchen Parthei, die ebenfalls faſt in jedem Dorfwinkel zu finden iſt; unter allen Beſtrebungen dieſer Art, vertraue ich immer noch auf das deutſche Volk— und lebe der Ueberzeugung, daß am Ende alle in's Verderben führende Projecte in ihr Nichts zurück⸗ fallen und ein geſunder geſetzlicher volksbeglückender Zuſtand an den Tag treten wird. In dieſem Vertrauen alſo bringe ich eine Angelegen⸗ heit oͤffentlich zur Sprache, um vielleicht dadurch allgemeine Sympathien dafür zu wecken und namentlich die nächſte Ständekämmer auf die Sache aufmerkſam zu machen.
Als das ehemalige deutſche Reich noch exiſtirte, waren bekanntlich viele Fürſten und Grafen, wie es genannt wurde, reichsunmittelbar, d. h. ſie waren in gewiſſen Stadthalter⸗ ſchaften(ſpäter Herrſchaften) die erſten kaiſerlichen Be⸗ amten, niemals aber konnte ihnen rechtlich der Charakter „ſouverän“ beigelegt werden, wiewohl es leider notoriſch iſt, daß ſie die Herrſchaft oder Macht an ſich riſſen und dadurch zum Verfall des deutſchen Reichs weſentlich bei⸗ 3 bis daſſelbe als morſches Gebäude ganz zuſammen⸗
ürzte. a
Dieſe reichsunmittelbare Fürſten waren alſo hiernach nur die erſten Beamten des Kaiſers und erhielten ſie als ſolche Belohnungen, theilweiſe darin beſtehend, daß ſie mit kaiſerlichen Reichsgütern und ſonſtigen Privilegien, welche Letztere ſie ſich dann auch anmaßlich ſelbſt ſchafften, belohnt wurden, wovon ſie den Abnutzen zu beziehen hatten.
Nachdem nun das deutſche Reich zuſammengeſtürzt oder aufgelöſt war, ſo blieben dieſe Fürſten ꝛc. im ungeſtörten Beſitz dieſer Reichsgüter und Privilegien(Belohnungen für Dienſtleiſtungen) und ſind es noch, unter dem Titel wohl⸗ erworbener Eigenthumsrechten.
Bei der neuen Geſtaltung der nationalen Angelegen— heiten, bei der kräftigen und beharrlichen Auferſtehung des Volks wird daher als nationale Frage aufgeworfen:
gehoren dieſe Güter als Eigenthum dem deutſchen „Reich und können ſie als ſelche als heimgefallen verklärt werden, unter der ausdrücklichen Bedin⸗ „gung, daß ihren jetzigen Beſitzern, rechtlich nach⸗ „zulaſſen ſei, diejenigen Güter, worüber ſie urkund⸗
„lich ihr Privateigenthum nachweiſen können, in
„ihrem ferneren eigenthümlichen Beſitz zu belaſſen
„Aſein muüſſen?.
Eine weitere ganz ähnliche Nationalfrage wird ſich ferner aus folgender Darſtellung ergeben. Bei Säculari⸗ ſation der deutſchen Klöſter durch den Kaiſer Napoleon, wurde durch ein Manifeſt ausgeſprochen:»die Klöſter haben aufgehört und- ihre Revenuen fallen den einſchlägigen Landen (Territorien) anheim.“ 95
Die Aufhebung der Klöſter iſt thatſächlich bekannt, allein ihre Revenuen ſind ein anmaßliches Eigenthum von Privaten geworden. Die Fürſten und Grafen, welche ſich ehemals Reichsfürſten nannten, haben dieſes unermeßliche Vermögen im Beſitz und betrachten ſolches ebenfalls als ihr wohlerworbenes Eigenthum. Die Gründe, die ſie in dieſes Beſitzthum geführt und allgemein verbreitet worden ſind, beſtehen darin, daß dieſe Kloſtergüter⸗Entſchädigungen für Beſttzungen ſeien, die ſie auf dem linken Rheinufer verloren oder, wie ebenfalls häufig verlautet, ſie ſeien Entſchädigungen für die verlorene Souveränität. i 10 15
In beiden Fällen ſtünden aufklärende Beweiſe zu ex⸗ warten, namentlich des Rechtsgrundſatzes eingedenk: daß 1 Rechte des Volks keiner Verjährung unterworfen ſein önnen.“ f N ee Ju beiden Fällen aber ſtünden
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u beiden a die ehemaligen Reichs⸗ fürſten und. Grafen, auf einem ihnen günſtigen Rechtsboden, denn im Ardbetrgcht der verlorenen Beſitzungen auf dem linken R einufer, dürfte ihnen der Beweis nicht ſchwer fallen, und im Anbetracht der verlorenen Souveränität, durften ſie die Ausfechtung der Sache dem Koͤnig Louis Philipp und ſeinen Collegen überlaſſen, die in dem nämlichen Fall ſind, und, würde man ſich einem deßfallſigen Urtheil auch in Deulſchland unterwerfen.„„
Auch überläßt man dieſen Lehn⸗ und Kloſtergüter⸗ beſitzern von dem Tünewiller Friedensſchluß, auf den ſit bezogen werden will, Gebrauch zu machen. Dieſer Friede iſt zwiſchen Oeſterreich und der franzöſiſchen Republik unter dem 9. Februar 1801 abgeſchloſſen und am 16. März deſſelben Jahres in Paris ratificirt worden, und iſt darin allerdings die ſchmählige Beſtimmung getroffen, daß alle deutſche Reichsfürſten, die am linken Rheinufer etwas ver⸗ loren haben, auf Koſten Anderer im deutſchen Reiche ſelbſt
entſchädigt werden ſollen. 3
Hiernach fragt ſich's alſo ganz klar, wer hat verloren und wle und von wem iſt er rechtlich entſchädigt worden?!— N werden den fraglichen Beſitzern dieſer deutſchen Reichslehen und Kloſtergütern die Beſtimmungen des Rheinbundes, die am 12. Juli 1806 in Paris ge⸗ ſchloſſen und am 16. Juli deſſelben Jahres. von Napoleon beſtaͤtigt wurden, zur beliebigen Geltendmachung überlaſſen. „Es, pill ſich von Seiten dieſer Eigenthümer auf dieſe Rheinbünds urkunde auch berufen werden, allein dieſes ſcheint lauter Blehpwerk zu ſein, denn nach dieſer Urkunde blieben den medigliſirten Fürſten und Grafen alle jene Rechte, die maße ane zur Oberhoheit gehörten, namentlich die Patrimöniälrechte, die Privatvermöͤgensrechte, alle Dom ä⸗ nen, die bürgerliche und peinliche Gerichtsbarkeit ꝛc. ꝛc. vorläufig überlaſſen und iſt denn auch ſeitdem in dieſer Sache wenig oder nichts geſchehen. 2 bd
Wenn alſo aus dieſer Urkunde ausdrücklich hervorgeht, daß die Domänen ihnen vorläufig überlaſſen bleiben ſoll⸗ ten, daß aber in ſpäteren Zeiten die Domänenfrage in ſüͤd⸗
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Peulſhel, Walhnd
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