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Provinz Oberheſſen 96. im Allgemeinen, 1 4 0 den Regierungsbezirk Friedberg
im Beſonderen.
76.
Sonnabend den 29. September
1849.
Der Schmiedgacob hält einmal einen Spiegel vor. (Fortſetzung.).
„Der Geheimerath hatte einen Sohn, der war Lieu⸗ tenant bei den rothen Huſaren, der war ſchlank und groß und über den Hüften ſo dünn wie eine Weſpe; hatte Beinchen wie ein ſpaniſches Röhrchen zum Klelderausklopfen, aber einen ſchwarzen Schnurrbart wie der Rieſe Goliath, und die Uniform ſtand ihm wie einer Puppe. Wenn der daher ritt mit dem prächtigen Dollman, dem blinkenden Säbel, dem wehenden Federbuſch auf dem ſchönen Tſchako, dann guckten ſich alle Stadrmädchen die Augen weit und ſagten: des Geheimeraths Fritz ſei doch ganz grauſam ſchön und müſſe die Mädchen verzaubern, weil ſie alle in ihn verliebt ſeien. i
„Das wär Alles gut geweſen; aber er war ein Mäd⸗ chenjäger, ein lüderlicher Finke, ſo eine windbeutelige Lieu⸗ tenantsnatur. Der ſah ſchon am erſten Tage, daß es auf zwanzig Stunden kein ſchöneres Mädchen gab, als das Gretchen, und das Gretchen meinte: Nein, ſo einen bild⸗ ſchönen jungen Herrn habe ſie doch noch nicht geſehen, und der habe Augen im Kopfe wie pures Feuer; ſähe ihr auch immer nach u. ſ. w.
„Und am Brunnen ſagte ſie zu ihrer Freundinn: „Karolinchen, der Herr Lieutenant iſt ein galanter Herr, der auch weiß, was ſchön iſt!“
„So?“ ſagte das Karolinchen⸗
„Nun, was brauch' ich's zu verhehlen?“ ſtüſterte
Gretchen.„Geſtern ſagte er zu mir: Gretchen, Du biſt die ſchöͤnſte Roſe! und küßte mich; denk nur mal an!“ f„Was die Karoline ſagte, weiß ich nicht; aber der arme Samel, der zugehört hatte, hörte auch, daß Gretchen lachend ſagte:„Beſſer Neider, als Mitleider!“ Und ihr Lachen war recht höhniſch dazu. 0
„Da konnte ſich der arme Samel nicht mehr halten, trat zu ihr und ſagte:„Ach, Gretchen, die ganze Stadt ſpricht ſchon davon. Du gehſt auf böſem Wege. Gretchen Gretchen! denk' an Gott und bete: Fuͤhre mich nicht in Verſuchung! Der Lieutenant verführt Dich und Du wirſt elend!“
„Da hätt' Eins das Mäulchen hören ſollen! Sie nannte ihn: Pechvogel, Lump, Simpel, miſerablen Men⸗ ſchen und Gott weiß was, daß der ging, als hätt' ihn ein Hund gebiſſen. Er weinte die ganze Nacht, und da des andern Tags Sonntag war, trieb ihn die Herzensangſt hierher zu dem Wagner Philippjacob und ſtellt's ihm vor,
daß er warne das eitle Mädchen, weil allemal Hochmuth vor dem Falle komme.
„Der war ein ſtrenger, rechttſchaffener Mann, dem das, was der gute Samel ſagte, heiß zu Kopf ſtieg. Er macht ſich auf und geht Montags früh nach der Stadt.
„Was es da für ein Gewitter gab, könnt Ihr denken; aber nicht jeder Blitz ſchlägt ein. 2
„Das Gretchen ſchimpfte auf den ſchlechten Verläum— der Samel, der ihr das Ueble nachrede, weil ſie ihn nicht leiden könne und er ihr überall nachlaufe u. ſ. w., und der Vater geht beruhigt fort. Der Herr Lieutenant aber blieb, unt der arme Samel konnte aus ſeinem Dachſtüb⸗ chen nicht mehr ſehen, wie er dem Gretchen nachſchlich, ſchnallt ſein Felleiſen und geht in die weite Welt, weil ja Alles, was er verſuchte, nichts half. Vier Wochen ſpäter zog der Herr Huſarenlieutenant wieder in die Gar⸗ niſon und zwei rothgeweinte Augen ſahen ihm nach und — wurden nicht mehr trocken.
„Laßt mich über Allerlei weggehen, was die Leute redeten; nur das will ich Euch ſagen, daß Geheimeraths das Gretchen fortſchickten. Heim konnte ſie nicht gehen. Da ging ſie in die Garniſon zum Herrn Lieutenant, der ſie ja heirathen wollte; aber der jagte ſie mit der Reit⸗ peitſche zur Thüre hinaus. Wie eine Verzweifelnde lauft das Gretchen zurück zur Stadt und findet endlich bei der Miethfrau, die ſie in Geheimeraths verdingt hatte, fur ſchweres Geld eine Unterkunft. Da ſtrickt und näht ſie fürs Geld oder auch für ſich.
„Als ſie aber endlich eines Knäbleins genaß, mußte ſie fort aus der Stadt, wo man ſie nicht duldete; mußte heim, hier ins Dorf. Ihren Eltern, den Dorfleuten ſollte ſie unter die Augen treten mit ihrer Schande! Wie konnte ſie das?
„Aber es blieb nichts Anderes übrig, und da die Mittel zu Ende gingen, die ſie ſich erſpart, und ſie nun nicht mehr ſo viel arbeiten konnte, als ſie es früher ver⸗ mocht, blieb auch der Verdienſt aus; machte ſie ſich daher mit dem blutenden, verzweifelnden Herzen auf, läßt ihre Kiſte und ihre Kleider im Verſatz für die Hausmiethe und
wandert mit ihrem Kindlein zum Thore hinaus. Was erwartete ſie hier im Dorfe?
„Ach, du Gott, ihr Vater raſete; ihre Mutter weinte ſich ſchier blind. Einige dauerten ſie; Andere ſagten: Hoch⸗ muth kommt vor dem Fall! Noch Andere: Sie hat's an dem armen, guten Samel verdient! Noch Andere waren noch härter.


