— 246—
gewieſen wird, eine beſtimmte Summe Geldes zu einer ge⸗ wiſſen Zeit an einen Dritten auszubezahlen. Die hierbei
vorkommenden Perſonen ſind: der Ausſteller der Urkunde,
der erſte Inhaber und der Bezogene, dem der Ausſteller die Zahlung an den Inhaber aufträgt. In der Regel lautet der gezogene Wechſel alſo: „Den 1. Juli dieſes Jahrs, oder acht Tage von „heute, oder nach Sicht, oder acht Tage nach „Sicht, oder die letzte Frankfurter Meßwoche „zahlen Sie gegen dieſen meinen Wechſel(Wech⸗
„ſelbrief) an N. N. oder an die Ordre von
„N. N., oder an N. N. oder deſſen Ordre, die „Summe von tauſend Gulden. a „Darmſtadt, den 10. Mai 1849.. Herrn X. in Frankfurt a. M.(Name des Ausſtellers.)
a) Der Ausſteller eines ſolchen Wechſels hat vorerſt dafür zu ſorgen, daß der Bezogene den Wechſel wirklich annimmt(acceptirt). Hat der Ausſteller hierfür keine Vorkehrung getroffen, ſo läuft er Gefahr, ſelbſt wenn der Zahlungstermin weit hinaus geſtellt iſt, alsbald Sicher⸗ heit ſtellen zu muͤſſen, denn der Inhaber des Wechſels kann, wenn nicht ausdrücklich im Wechſel ein anderes beſtimmt iſt, zu jeder Zeit den Wechſel zur Annahme vorzeigen (präſentiren). Will der Bezogene den an ihn ergangenen Auftrag zu zahlen annehmen, ſo ſetzt er auf irgend einen Theil des Wechſels die Worte:„angenommen N. N., oder er ſetzt nur ſeinen Namen auf die vordere Seite des Wechſels. Er iſt nunmehr die Hauptperſon, an die ſich der Wechſelgläubiger hält, und von welcher er jedenfalls vorerſt die Zahlung fordert. Die Annahme gilt, wenn ſie nicht ausdrücklich auf eine geringe Summe be⸗ ſchränkt iſt, für den ganzen im Wechſel angegebenen Betrag. ph) Dadurch, daß die Acceptation des Wechſels erfolgt, iſt der Ausſteller deſſelben noch nicht der ſeiner Seits über⸗ nommenen Verpflichtung enthoben; ſondern wenn der Be⸗ zogene am Verfalltage nicht bezahlt, ſo läßt der Wechſel⸗ Inhaber hierüber eine gerichtliche Urkunde(Proteſt⸗Zah⸗ lung) aufnehmen, und kann e den Ausſteller mit Wechſelſtrenge zur Zahlung anhalten.
a 09 Der eilte Vobhe des Wechſels kann den Wech⸗ ſel für ſich behalten und ihn zur Verfallzeit ſelbſt eincaſſiren; er kann aber auch den Wechſel, und mit ihm die Wechſel⸗ rechte einem Andern übertragen. Dieſes geſchieht dadurch, daß er auf irgend einen Theil des Wechſels die Worte ſetzt:„Für mich an N. N. und ſeine Namens⸗ unterſchrift beifügt, oder dadurch, daß er auf die Rückſeite des. Wechſels nur ſeinen Namen ſetzt ohne irgend eine Vormerkung. So wie in erſterem Falle der bezeichnete N. N., ſo iſt im zweiten Falle jeder Beſitzer der mit der blanken Namensunterſchrift verſehenen Urkunde ohne weiteres berechtigt, die Wechſelrechte auszuüben. Dieſe Uebertragung nennt man Indoſſament. Ganz ſo wie der erſte In⸗ haber ſeine Rechte auf die oben angegebene Weiſe uͤber⸗ tragen kann, ſo kann es auch der zweite, dritte u. ſ. w. Jeder Indoſſant haftet ſowohl dafür, daß der Wechſel gehörig acceptirt, als auch dafür, daß derſelbe zur rechten Zeit gehörig bezahlt werde. Wenn er daher beim Verkaufe des Wechſels einen bedeutenden Nachlaß bewilligt, weil er den Ausſteller und den Acceptanten für nicht zahlungsfähig genug hält, ſo ſetzt er ſich einem ſichern Verluſte aus, denn mag er auch für ſeinen Wechſel wenig bekommen haben, ſo muß er doch im Wechſelproceß ſeinen Nachmännern den vollen Wechſelbetrag bezahlen, falls er nicht ſeinem Indoſſa⸗ mente die Worte„ohne Gewährleiſtung/ beigefügt hat.
d) Für den Ausſteller des Wechſels, fuͤr den Bezogenen der angenommen hat(Acceptanten), oder auch für die In⸗ doſſanten kann man ſich wechſelrechtlich als Bürge ver⸗
pflichten. Der Wechſelbürge haftet ganz ſo, wie der, für
den er ſich verbürgt hat, ohne daß ihm die Rechtsbehelfe
zur Seite ſtehen, die in anderen civilrechtlichen Verhältniſſen den Bürgen ſchützen.
2) Der Wechſel heißt„eigener Wechſel,“ wenn der Ausſteller verſpricht, ſelbſt eine beſtimmte Summe Geldes an Jemanden auszuzahlen. Ein ſolcher Wechſel lautet: „Gegen dieſen meinen Wechſel(Wechſelbrief) zahle ich an N. N. oder an die Ordre von N. N. oder an N. N. oder deſſen Ordre, den 1. Juli dieſes Jahres(oder wie oben bei dem gezogenen Wechſel) die Summe von tauſend Gulden.
Darmſtadt, den 3 5 5 (Name des Ausſtellers.)
Dieſes Geſchäft iſt zwar viel einfacher als das eines gezogenen Wechſels; der Ausſteller des eigenen Wechſels muß ſich aber darauf gefaßt halten, am Verfalltage die Wechſelſumme zu bezahlen, wenn er nicht der Wechſelſtrenge heimfallen will. Bei dieſem Wechſel kann ebenfalls Ueber⸗ tragung des Wechſelrechts auf andere Perſonen durch In⸗ doſſament, und auch die Wechſelbürgſchaft vorkommen, wo⸗ rauf dann das oben über dieſe Wechſelerklärungen Geſagte Anwendung findet. a 5
II. Wechſelverfahren und Wechſelhaft.
1) Der ſtrenge Wechſelproceß iſt zunächſt auf die Anerkennung oder eidliche Abläugnung der Unterſchrift ge⸗ richtet. Kann der Beklagte die Unterſchrift der gegen ihn geltend gemachten wechſelrechtlichen Erklärung nicht eidlich ableugnen, ſo wird er im Wechſelverfahren mit allen Ein⸗ reden ausgeſchloſſen, die er nicht auf der Stelle durch Ur⸗ kunden vollſtändig zu beweiſen vermag. Selbſt die Eides⸗ zuſchiebung bildet hier kein genügendes Beweismittel. Dazu kommt, daß der Wechſelſchuldner gegen die Wechſelklage ſich nur ſolcher Einreden bedienen kann, die aus dem Wech⸗ ſelrechte ſelbſt hervorgehen, oder die ihm unmittelbar gegen den jedesmaligen Kläger zuſtehen. Daher kann er einem Dritten, auf den die Wechſelforderung übergegangen(dem Indoſſatar), wegen eines vom früheren Inhaber begange— nen Betrugs oder Wuchers, keine Einrede entgegenſetzen, ſelbſt wenn er den Grund derſelben ſofort durch Urkunden zu beweiſen vermöchte. Da es nicht erforderlich iſt, daß der Wechſel den Rechtsgrund des Bekenntniſſes enthalte, ſo kann, wenn über eine an ſich unbegründete Forderung ein Wechſel ausgeſtellt wird, dieſe Forderung mit Wechſelſtrenge beigetrieben werden.
Nur in einem beſonderen Proceß kann der im Wech⸗ ſelverfahren verurtheilte Schuldner ſein vermeintliches Recht verfolgen, und zwar unmittelbar gegen den, der ihn angeb— lich rechtswidrig in Schaden gebracht hat.
2) Leiſtet der Beklagte dem Urtheile keine Folge, ſo kann ihn ſein Gegner, falls die Verurtheilung auf mehr als 100 fl. lautet, in das Schuldgefängniß bringen laſſen, und die Dauer dieſer Wechſelhaft erſtreckt ſich, wenn der Gläubiger nicht befriedigt wird, je nach der Größe der Forderung von 6 Monaten bis zu zwei Jahren. Dem hab—⸗ ſuchtigen, unredlichen Gläubiger iſt hierdurch das Mittel geboten, die Furcht des Schuldners vor einer ſolchen Exe⸗ cution zu benutzen, um ſich in vielfacher Weiſe unerlaubte Vortheile zu verſchaffen, und den Schuldner dadurch in die größte Bedränguiß zu verſetzen. b
Aus allem dieſem ergibt ſich, daß nur Der eine Wech⸗ ſelſchuld eingehen ſollte, welcher mit voller Sicherheit darauf rechnen kann, daß er am Verfalltage Zahlung zu leiſten im Stande ſei;— und daß Allen, die keine genügende Kennt⸗ niß von Wechſelgeſchäften haben, die Klugheit gebietet, ſich
l


