Ausgabe 
26.9.1849
 
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Provin Oberheſſen

im Allgemeinen,

den negierungsbezirk Friedberg

im Beſonderen.

Mittwoch den 26. September

05 Amtli ch er Theil.

91 Die Großherzoglich Heſſiſche Regierungscommiſſion des Regieru ngsbezirks a un uz Friedberg 5 an die Gr. Bürgermeiſter ſowie an die Gr. Gens⸗ darmerie des Regierungsbezirks. i Betreffend: In Unterſuchungsſachen wegen Diebſtahls mittelſt Ein⸗ bruch in der Capelle St. Georg bei Friedberg. Aus der rubricirten Capelle wurden ein Speiſekelch, vergoldet, im Werthe von 60 fl., ein Altarkelch, im Werthe von 33 fl., und drei Oelgefäße, im Werthe von 15 fl. entwendet. Sie werden auf dieſen Diebſtahl und die ent⸗ wendeten Gegenſtände ein wachſames Auge richten und etwaige Verdachtsgründe einberichten. 5

Friedberg den 17. September 1849. 5 0 Ouvrier.

a Die ſel be an die Großh. Bürgermeiſter dieſes Regierungsbezirks. Betreffend: Die Wahlen der Abgeordneten zu den beiden landſtän⸗

4 diſchen Kammern.

Gleichzeitig mit dieſem geht Ihnen ein Miniſterial⸗ Reſcript nebſt Formular zu den aufzuſtellenden Verzeichniſſen unter dem Auftrag zu, unverweilt das Erforderliche vor

zubereiten. Friedberg den 22. September 1849. a Ouvrier.

Der Schmicdjacob hält einmal einen Spiegel vor. (Erzählung aus der Spinnſtube) 7

Es war an jenem fröhlichen Abende, von dem ich da vornen erzählt habe, als der Valtin und das Kathrin⸗ chen Hochzeit hatten, und Schmiedjacob's Philipp mit Veit's Lieschen Handſtreich hielt, als das junge Volk da herum ſaß, und waren Viele dabei, die ſich zu Weihnachten in

die Stadt verdingt hatten. Sie fluͤſterten, kicherten und

1819.

lachten halblaut. Der Philipp hatte von ſeiner Wander⸗ ſchaft viel erzählt und war müde noch von der langen Tagereiſe, die er gemacht. D,

Weißt Du was, Schmiedjacob, ſagte der Schneider⸗ peter,Du könnteſt noch eine Geſchichte erzählen, bis es Zeit iſt, heimzugehen. Wir hören Dir Alle ſo gern zun aAllo) Cumpeer! rief ſein neuer Mitſchwlegervater Veit.Der arme Philipp iſt müd, und es geht ihm noch nicht ſo friſch- von der Zündpfanne weg, wie Dir.

Der Schmiedjacob ſah die Mädchen an, die ſich ver⸗ dingt hatten. Lauter flackerige Dinger! dachte er, denen ein Zehrpfennig nützlich wäre! Er beſann ſich nicht lange, und hob an: N

Ich bin ein alter Knab', und als ich ein junger war, da haben Vielen von Euch die Zähne noch nicht weh gethan. Da iſt Manches paſſirt, was Ihr nicht wiſſet, und habt's vielleicht nicht gehört. Wer von Euch hat von Philippjacob's Gretel gehört?

Alle ſchwiegen, und als die Mädchen den Weibs⸗ namen hörten, machten ſie lange Hälſe.

Mach' uns auch nicht gar zu jung, ſagte Veit. Ich war dabei, wie ſie iſt geköpft worden!

Ach du Gott! riefen die Mädchen, und eine Gänſe⸗ haut überlief ſie eiskalt. Sie ſteckten die Hände unter die Schürzen und ſchuckerten.

fJa, ja, ſagte der Schmiedjacob,Du kannſt's wiſſen, Cumpeer, und ich erinnere mich noch, daß Du ſagteſt:Jacöbchen, komm' mit in die Stadt, die Gretel wird geköpft!-Ich mochte nicht. So was ſoll man nicht ſehen! 119 N

Du haſt recht, rief Veit.Jahrelang hat mir's vor Augen geſtanden und alle meine Träume hatten damit zu thun, und ich wär' für einen Gulden nicht Abends vor die Thüre gegangen, bis ich confirmirt wurde; da hat mir der Pfarrer die Furcht genommen.

Ach, erzählt doch! bat das Kathrincheu.

Nun, ſagte der Schmiedjacob,die Gretel war unſres Nachbars Kind, ſein älteſtes. Du, Veit, haſt ja ſein Haus gekauft, als er damals nach Polen zogz er war ein geſchickter Wagner und ein braver Mann, und die Gretel war ein Madchen wie Milch und Blut; flink, und luſtig wie Pulver. Bei dem Philippjacob ging's auch nicht in floribus; denn er hatte vier Kinder und ſeine Frau trank lieber Kaffe, als Waſſer, und es waren da⸗