dies halb im Schlaf wegktiegen ein Eſel unter den Vögeln. Ich will ihn fliegen laſſen!
Probirt's noch einmal, meinte der Strick, ein paar
Wochen. Manchem bricht der Knoten ſpät; aber dann geht's auch haſt du nicht geſehen! N
Der Meiſter blickt den Buben ganz verdutzt an und
denkt, bei dem geht's vielleicht auch ſo, und folgt ihm. Und ſiehe da, ſo oft er orgelt, zwitſchert der Hänf⸗ ling. Alle Tage ein Bischen mehr, und bald kommt das Stücklein deutlich heraus. Niemand war glücklicher, als Meiſter Kneip; aber es kommt ihm doch faſt verwunderlich
vor. Nun orgelt er den ganzen Tag, um die Pläſir zu ö
haben, das Vöglein ſtudiren zu hören. 25 Einmal iſt's ihm doch zu rund, und während des Orgelns ſieht er nach dem Strick, der gerad neben dem
Käfig des Hänflings ſteht, und was ſieht er da?— Es
iſt der Strick, der ſo zwitſchert und das Maul ſo fein ſpitzt, wie eine Nähnadel. 5 f g Den Meiſter Kneip mit ſeinen Vögeln zum Narren halten, das war die ärgſte Beleidigung, die man ihm zu⸗ fügen konnte. Das hieß: ihm in die Seele greifen. Ei, ſo ſoll dich dieſer und der! rief im höchſten Zorn der Meiſter. Du willſt deinen alten Meiſter zum Narren haben? Wart' ich will dir!
Mit dieſen Worten läßt er Orgeln Orgeln ſein und ſpringt zum Knieriemen, und, ehe ſich's der Strick verſieht, fallen die geſalzten Streiche hageldicht und mit ſolcher Kraft, daß er ſich bäumt, dreht und windet, wie ein Aal! Er bittet und fleht: er wolle es nie mehr thun! Wolle brav werden! Aber Alles iſt fruchtlos. Du haſt noch deinen Meiſter nicht gefunden! ruft der Kneip und haut zu. Ich muß dir alle die Zinſen noch abtragen, von dem Pfefferkorn und Bartfeger ab bis zu mir, und weil du ſo gut pfeifen kannſt, will ich dich jetzt tanzen lehren! ruft er unter dem Durchhauen. N
Und der lehrt ihn tanzen! Am Ende brüllt und heult der Bube vor entſetzlichem Schmerz. Da wirft ihn dann der Meiſter mit einer Wucht zur Thüre hinaus, daß er drüben an des Schreiners Thüre fliegt, und dieſe kracht. Nun geh' zu der barmherzigen Schweſter, deiner Mutter, und laß' dir die Blaumale heilen, du Racker! Kommſt du aber deiner Lebtage noch einmal über meine Schwelle, ſo wird mein Knieriemen die Bekanntſchaft mit deinem Rücken erneuern! a
Ihr habt die Wette gewonnen, Meiſter, rief ich aus, als ich den Strick heulend und kaum fähig zu gehen, da⸗ hevſchleichen ſah.
Wie ſo? fragt der und läßt den Blaſebalg an der Eſſe fahren.
Ei ſeht nur, rief ich, da kommt der Strick und Kneip's Knieriemen hat ihn nicht eben freundlich behandelt!
— 278 Mein Hänfling iſt ſo
U.
0
Mein Meiſter trat in die Thür der Schmiede. Will⸗ komm, willkomm, Strickchen, ſagte er. Schon da? Ei, wie hat uns in der Nachbarſchaft nach dir verlangt! Nun, ich ſehe, daß meine Prophezeihung wahr wird, daß du an den Galgen kommſt. Recht ſo, mein Fritzchen, mach' ſo fort, und der Spitzbube wird bald fertig ſein. Wenn du gehängt wirſt, bezahl' ich, bloß weil du aus unſrer Nach⸗ barſchaft biſt, den Strick; umſonſt leih' ich dir die Leiter und bezahle die Stadtpfeifer, daß ſie dir den Jäger aus Churpfalz aufſpielen zu deinem Ehrengang!
N(Fortſetzung folgt.)
Markt⸗ Bericht. Friedberg, am 22. Auguſt 1849.
Aufgefahrenſ Verkauft. 17
Gattung. wurden wurden ee (Mltr.)(Mltr.) fl kr.
Walzen 2 277 0 77 KA HB 10 6 5— Gere 6 3 3 50 H 6 4 2 10 Erbſenn——— N
Kartoffeln‚n 8 1452 1
Bekanntmachungen von Be⸗
hoͤrden.
N
Edietalla dung. (1208) Ueber das Vermögen des Tobias Thaler von hier,— das nur in 483 fl. 20 kr. beſteht und das, einſchließlich der Illatenforderung der Thalerſchen Ehefrau, mit 5127 fl. über⸗ ſchuldet iſt,— hat Großhberzogl. Hofgericht den Concurs erkannt. Forderungen und Anſprüche jeder Art an jene Vermögensmaſſe ſind
Mittwoch den 17ten Oktober d. J., Morgens 9 Ühr, bei Vermeidung Ausſchluſſes vor derſelben, hier geltend zu machen. In dem⸗ ſelben Termin ſoll auch die Güte verſucht und ein Maſſecurator ernannt werden. Die aus⸗
bleibenden Gläubiger werden in beiderlei Be⸗ ziehung als den Beſchlüſſen der Mehrheit der erſcheinenden beitretend behandelt werden. Friedberg den 30. Juli 1849. 0 Großh. Heſſ. Landgericht Hofmann.
Jahrmarkt zu Kleinkarben.
(12500) Derſelbe findet nicht, wie im Land⸗ kalender angegeben, den 25. Auguſt und 6. Sep⸗ tember, ſondern Donnerſtag den 30. dieſes Monats, ſtatt. Kleinkarben den 14. Auguſt 1849. Der Großh. Heſſ. Bürgermeiſter 1 St er ö bel.
Main ⸗Weſer⸗Eiſenbahn. 1267) Samſſag den 25. d. M. Vormittags
11 Uhr werden auf hieſigem Rathhauſe, a⸗ ſtererarbeiten in dem Bahnhofe dahier, veran⸗
ſchlagt zu 400 fl. unter den bei der Verſteige⸗
rung bekannt gemacht werdenden Bedingungen öffentlich an den Wenigſtnehmenden verſteigert. Friedberg den 19. Auguſt 1849. Der Großh. Hefſ. Sections⸗Ingenieur der Section Friedberg f Hochgeſand. Arbeits ⸗Verſteigerung. (12850 Montag den 27. d. M., Vormittags um 9 Uhr, ſollen auf hieſigem Rathhauſe die
bei Umpflaſterung mehrerer Straßen in der Stadt und bei Unterhaltung der Vicinalwege in.
hieſtger Gemarkung vorkommende Arbeiten und
Lieferungen, als:
10 Erdarbeiten, veranſchlagt zu 26 fl. 50 kr.
Fr


