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N Phail zu ſuchen, kehrten aber denſelben Abend(Sonn⸗ 0 an unverrichteter Sache zurück. Indeſſen er⸗ holten 5 meine Patienten ziemlich ſchnell, die reine Luft und das mäßige Leben thaten mehr für die Wunden, als ärztliche Hülfe zu leiſten im Stande geweſen wäre.
Am Montag hielten wir nochmals eine Berathung, ob ein Erfolg möglich ſei, wenn wir noch eine Partie ausſchicken ſollten, unſern fehlenden Freund zu ſuchen. Nach einigen Hin- und Herregen brach der Jäger allein auf und nahm Proviſion für zwei oder drei Tage mit ſich. Am Mittwoch gingen wir wieder an die Arbeit, gruben und wuſchen, hielten uns jedoch zu den Theilen des Stro⸗ mes und zu den Schluchten, die ſich in der Nähe unſers Lagers befanden. Im Ganzen machten wir übrigens ziem⸗ lich gute Geſchäfte und erbeuteten gewöhnlich per Mann täglich 4 Unzen Goldſtaub. Früh am Mittwoch kam der Fallenſteller wieder, aber ohne eine Spur unſers fehlen⸗ den Kameraden gefunden zu haben.
Es war Dounerſtag Abends, wir ſuchten eben nach einer harten Tagesarbeit unſer Lager, als wir nicht wenig durch M'Phails Anblick, den wir ſchon faſt verloren gege— ben, erfreut wurden. Er erſchien in Begleitung von ein paar Indianern, die auf die phantaſtiſche Art nach ſpaniſcher Mode gekleidet waren und ſich den Putz wahrſcheinlich weiter unten im Lande mit Goldſtaub angeſchafft hatten. Man kann ſich denken wie froh wir unſeren Freund em⸗ pfingen, und eine beſondere Kanne Pisco-Punſch wurde zur Feier ſeiner Rückkehr gebraut.
Die Abenteuer, die er ſeit ſeiner Trennung von der Geſellſchaft beſtanden, waren bald erzählt. Er hatte ſich an jenem Abend etwas ſeitwärts gewandt, um ſein Pferd in einem kleinem Bache zu tränken, und zu den Spuren zurückgekehrt, vergebens auf die Kameraden gewartet, die er noch immer weiter zurück glaubte. Nachdem er etwa eine halbe Stunde gewartet, kam es ihm vor, als ob ſie vielleicht ſchon an ihm vorbei wären, und er galloppirte ihnen ſeiner Meinung nach in der genauen Richtung nach. Nach einer halben Stunde etwa fand er ſich jedoch voll⸗ kommen verirrt, keine Spur des Lagers, keine Spur ſeiner Kameraden. Er kletterte auf mehrere hohe Hügel, die, wie er hoffte, den Blick über das Bärenflußthal gewähren würden. Alles, was er aber erkennen konnte, war eine Wildniß von Bergen und tiefen Schluchten, zwiſchen denen hier und da ein furchtbares Thal mit Kiefern und Eichen lag. Er verlor in der That ganz ſeine Geiſtesgegenwart, und um ihn noch mehr zu verwirren, ſtolperte ſein Pferd in einem reißend ſchnellen Bergſtrom, den er durchreiten, wollte, und wurde ein Stück weit mit fortgeriſſen, ſo daß er an's Ufer ſchwimmen mußte. Endlich erreichte er mit dem Pferde die andere Uferbank, fand aber, daß er im erſten Schreck ſeine Büchſe hatte fallen laſſen, die rettungs⸗ los verloren war.
Als er endlich einſah, daß er an dieſem Abend in der ihm vollkommen fremden Gegend doch nichts weiter vornehmen könne, beſchloß er zu lagern, legte deshalb ruhig ſeinen Kopf auf den Sattel, wickelte ſich in die Decke und ſchlief ohne Abendbrod ein. Als er am Morgen erwachte, war ſein Pferd, das er an einen benachbarten Buſch ge⸗ bunden, in der Nacht fortgegangen. Er folgte der Spur einige Zeit, mußte aber endlich die weitere Nachſuchung aufgeben. An dieſem und dem folgenden Tage ſtreifte er rathlos in dem unfruchtbaren von furchtbaren, oft mehr als hundert Fuß tiefen Schluchten durchriſſenem Lande umher, wo er oft Meilen weit gehen mußte, um nur eine dieſer Felsſpalten zu paſſtren. In der Zeit erging es
ihm ſehr traurig. Wohl ſah er viele Trupps von Elenn⸗ thieren, ſie ſprangen aber unbeſchädigt vorbei; er hatte
kleine Büchſe! er verſuchte einige eßbare Wurzeln zu finden,
doch vergebens, und endlich mußte er Gras und Hollun⸗ dermark kauen.
Während dieſer ganzen Periode hatte er ungemein viel auszuſtehen, und wurde auch zuletzt noch ſo krank, daß er endlich nicht mehr auf ſeinen Füßen ſtehen konnte. Am Abend des dritten Tages legte er ſich auf einem gra ſigen Fleck nieder und fiel in eine Art dumpfen Halbſchlafs, aus dem er, wie er feſt glaubte, nur zu ſeinen Todes- zuckungen wieder erwachen würde. Dort wurde er von den beiden Indianern entdeckt, die ihn zum Lager brachten. Sie betrugen ſich mit großer Freundlichkeit gegen ihn, ließen ihn jedoch im Anfang nur ein paar Biſſen von dem getrockneten Fleiſch eſſen, das ſie bei ſich führten, damit er ſich nicht übereſſen ſollte. Als ſich ſein Magen nach und nach an Speiſe wieder gewöhnt, gaben ſie ihm mehr, und nach⸗ dem ſie ihn dieſe und die nächſte Nacht bei ſich behalten,
fühlte er ſich hinlänglich wieder hergeſtellt, ſeinen Weg zu
uns zurück anzutreten. Die wackern Wilden verſtanden einige Worte ſpaniſch, und er fand ſich endlich im Stande, ihnen den Theil des Landes, den er zu erreichen wünſchte, zu beſchreiben. Sie verſprachen ihn dahin zu fuͤhren und ſagten ihm, daß er dort ſein würde, wenn er einmal ge⸗ ſchlafen hätte. In langſamen Märſchen erreichten ſie end⸗ lich das Bärenflußthal am Abend des zweiten Tages. M' Phail äußerte ſein Erſtaunen, nicht weiter davon ent⸗ fernt geweſen zu ſein. Seinen Führern bewies er übrigens ſeine Dankbarkeit dadurch, daß er ihnen die beiden großen Sattelpiſtolen gab, die er mit ſich von Oregon gebracht, und am nächſten Morgen verließen ſie unſer Lager.“
Von dieſem Zeitpunkt an ſchien ſich Mr. Brooks nach der Küſte zurückzuſehnen. Der reiche Gewinn au
Gold, welchen die Geſellſchaft mit ſich führte, mehrte ihre
Gefahr. Verſchiedene Pläne, das Gold zu verwerthen, blieben unausgeführt, weil die Habſucht die Gemüther ge⸗ genſeitig ſo entfremdet, daß Einer dem Anderen mißtraute. Endlich ward es am 5. September mit einer Escorte abge⸗ ſchickt, ging aber durch einen Angriff räuberiſcher Mexi⸗ caner groͤßtentheils verloren, wobei Malcolm beinahe das Leben einbüßte.— Sie vertheilten darauf das noch übrige Gold, welches vier Pfund und zwei Unzen auf den Mann ergab, und die Geſellſchaft trennte ſich. Brooks will dem verwundeten Malcolm ärztlichen Beiſtand bringen, und reiſt mit ſeinen geſunden Gefährten nach den Anſiedlungen zurück, wo ſie bereits eine grauenhafte Demoraliſation finden, wo Raub, Mord, Diebſtahl und ſchrankenloſe Hab⸗ und Selbſtſucht ihnen bei jedem Schritte entgegentreten. Malcolm geneſt bald wieder von ſeinen Wunden unter der Pflege einer gutherzigen kaltforniſchen Famille, bleibt aber inzwiſchen noch zurück. In Sutter's Fort trifft Brooks bereits einen furchtbaren Andrang von goldgierigen Einwanderern, erhält aber auch von Sutter genaue Nach— richt über den Räuber, der ſie beſtohlen. Er ſetzt dieſem mit einigen ſeiner Genoſſen nach bis San Francisco, von da nach Monterey, von da in die Wüſte, bis ſie endlich nach mehrwöchentlicher vergeblicher Streife den Plan der weiteren Verfolgung aufgeben müſſen und nach Monterey, zurückkehren. e
In Monterey trennt ſich Brooks von ſeinen Gefähr⸗ ten. Er findet die Stadt verödet, die Läden geſchloſſen, die Schiffe, die Häuſer verlaſſen, die Soldaten in Deſertion begriffen. Schon bereitet ſich die fürchterliche Kataſtrophe vor, welche dieſes reiche Land zu ereilen droht, ja in die— ſem Augenblicke wohl ſchon ereilt hat.


