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Intelligenz-Blatt
0 für die
Provinz Oberheſſen
im Allgemeinen,
den
negierungsbezirk Friedberg
im Beſonderen.
Mittwoch den 25. April
1849.
N32.
Lebensbilder aus dem yfernen Weſten“ Nordamerikas. 5
Fern am Hauptarm des Platte-Stromes oder Nev⸗ tasca, da wo in den Padouca oder ſüdlichen Arm deſſelben mehrere kleine Flüſſe einmünden, welche aus den zerklufteten Felſenkämmen des Divide⸗Gebirges, der Waſſerſcheide zwiſchen den Stromgebieten des Arkanſas und des Platte, herabkommen, lagerte eine Truppe Biberfänger oder Trap⸗ pers an einem Flüßchen, Bijou Creek genannt. Cs war im Monat Oktober, wo die Frühfröſte des herannahenden Winters bereits die Blätter der Kirſch⸗ und Zutereſpe verdorrt und in eine nüchterne braune Farbe gekleidet hatten, welche der Umgebung des Flüßchens eine melan⸗ choliſche Farbe verlieh. Die ſteilen Gipfel und Grate der Felſengebirge waren bereits mit einem glänzenden Schnee⸗ mantel bedeckt, in deſſen Kryſtallen die ſchrage Herbſtſonne ſpielte.— Das Lager der Biberfänger ſchien ein ſtehendes zu ſein; darauf deuteten nicht nur zwei oder drei bequeme Schuppen von ziemlichem Umfang, ſondern auch die vielen Gerüſte hin, an welchen große Streifen Büffelfleiſch zum Trocknen aufgehängt waren, zum Beweiſe, daß hier eine zahlreiche Jagdgeſellſchaft ſich niedergelaſſen, um Winter⸗ vorräthe aufzubringen oder, wie die Jäger ſagen, um ſich „Fleiſch zu machen.“ Um's Lager her weideten 15-16 Pferde und Maulthiere, an den Vorderfüßen durch Feſſeln von ungegerbtem Leder geknebelt, und zwei Männer, denen die Hut dieſer Thiere anvertraut ſchien, ſpazierten hin und her und trieben die Zerſtreuten wieder zum Haufen; hie und da ſtieg Einer oder der Andere von Beiden auf die ſteile Böſchung, welche den Fluß eindämmte, und ließ, auf die lange Büchſe gelehnt, ſein ſcharfes Auge über die um⸗ gebende weite Prairie hinſchweifen. Mehrere Feuer brannten im Lager, und an einem derſelben hauthierten etliche in⸗ dianiſche Weiber an dampfenden Keſſeln, während um das größte Feuer in der Mitte 4— 5 vierſchrötige Jäger, in Hirſchhaut gekleidet, mit unterſchlagenen Beinen kauerten und rauchten.
Sie bildeten eine Biberjägergeſellſchaft vom nördlichen Arm des Platte, die auf der Reiſe nach dem Winteraufent⸗ halt in dem mehr ſüdlichen Arkanſasthale begriffen war
— einer Reiſe, die etliche von ihnen noch weiter auszu⸗
dehnen gedachten, nämlich bis nach den fernen Nieder⸗ laſfungen von Neu⸗Mexico, dem Paradies der Felſengebirgs⸗
Jäger oder mountaineers, wie ſie hier ſchlechtweg heißen. Der Aelteſte der Geſellſchaft war ein mächtig großer ſtatt⸗ licher Mann mit einem Geſicht, das ein zwanzigjähriger Aufenthalt im Freien unter dem ſtrengen Klima der Berge gebräunt hatte. Sein langes ſchwarzes Haar, kaum mit lichtem Grau unterſprengt, hing ihm faſt bis auf die Schul⸗ tern herab, aber ſein Geſicht war nach Art der Mountai⸗ neers glatt geſchoren. Seine Kleidung beſtand in dem ge⸗ wohnlichen Jagdrocke von Hirſchhaut, mit langen Franzen auf den Säumen, aus ähnlich verzierten Beinkleidern vom ſelben Stoff und Mocaſſinen von indianiſcher Arbeit. Während ſeine Gefährten wortlos ihre Pfeiffen rauchten, erzählte er einige ſeiner früheren Erlebniſſe und Abend⸗ teuer, von welchen wir einige intereſſantere und zwar ſoviel möglich in der Sprache dieſes merkwürdigen Menſchen⸗ ſchlages wiederzugeben verſuchen wollen, während der Büffel⸗ rücken und die Hirſchrippen im Topfe ſchmoren.
„s war etwa um„Kälberzeit,“ hub er an,»viel⸗ leicht auch etwas ſpäter und noch keine hundert Jahre her, daß die größte Art von Rendezvous zu Independance ge⸗ halten ward, einem mächtig hübſchen kleinen Ort etwas ſtromaufwärts am alten Miſſouri. Ne hübſche Handvoll Kerle war da gelagert, meine Seel! und wie da der Whisky in Strömen floß, Jungens, das mag ich Euch gar nicht ſagen. Da war zum Exempel der alte Sam Owins— derſelbe, den die Spanier erſchlugen bei Sacra⸗ menty oder Chihuahuy, oder der Gaul mag wiſſen, wie das verd— Neſt heißt— genug, Sam Owins ward von den Spaniern hinterher kalt gemacht. Kurzum, Sam hatte all ſeine Siebenſachen bei ſich, an die zwanzig mächtig beladene Pittsburger Karren, weil er in's Mexicanerland hinüberziehen wollte, und wie ſeine Santa⸗fé⸗Burſchen Schnapps ſoffen, das ging über's Bohnenlied,— nicht wahr, Bill?/
„Mein Seel', über's Bohnenlied!“ ſagte dieſer kopf⸗ ſchüttelnd.
„Da war ferner Bill Bent— ein tüchtiger Burſche; ſeine Leute waren lauter Mountaineers und lagerten drüben jenſeits des Fluſſes— und Bill Williams, und Bill Tharpe (die Pawnies nahmen letztes Frühjahr ſeinen Scalp am Pawnee Fork)— drei tüchtige Bills, und alle drei ſind nun dahin. Auch Joe Hatcher war dabei, und Bill Garey kam auch noch, der alte Spieler. Er und Chabonard ſaßen 'mal zwanzig Stunden lang bei einer einzigen Parthie
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