X. in der ummatiſche u 18419.
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ſerem Regiment auch Burſchen, nirten, und die, weil ihnen das Kriegsleben und die Märſche
doch nicht glauben, daß ich Dich
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ſchlechte Sache vertrete, und verſtummte deßhalb erröthend und verlegen. Dann verſank ſie in ein ſtummes Nachden⸗ ken. Der Invalide fuhr mißmuthig mit der Hand über ſeinen Schnurrbart, blickte wortlos eine Weile in die ſcheidende Sonne und ſagte dann:„Unſer junger Recrut
wird's nicht weit bringen; verdroſſen geht er an die Ar⸗
beit, verläßt unter Tages ſein Geſchäft, zieht in Wirths— häuſern umher, läuft den Wettrennen und dem Müſſiggang nach, und kehrt Abends noch unmuthiger und zerfallener heim, als er ausging: das muß für ihn und uns noch ſchlimm enden!“ de e eee J„O ſprich nicht ſo, lieber Oheim! das bringt ihm ja Unheil!“ bat Suzon tief ergriffen.„Hoffentlich iſt's nur ein kurzer Moment von Selbſttäuſchung, der raſch vorübergeht. Schon ſeit einiger Zeit hat Vetter Charles gar ſeltſame Anſichten im Kopfe, die ihm den Muth zur Arbeit nehmen!“ 5
„Wie ſo, mein Kind 2“ fragte der Alte.
„Er meint, er könne auch durch Arbeit ſeinen Zuſtand nicht beſſern„ verſetzte Suzon.„Ein Arbeiter, ſagte er,
könne beim angeſtrengteſten Fleiße Nichts von der Zukunft erwarten, und er hält es deßhalb für gerathener, nur dem Augenblick und der gegenwärtigen Stunde zu leben, ohne
Sorge und ohne Hoffnung für die Zukunft!“ f „Ah, das iſt alſo ſeine Anſicht?“ fragte der Veteran ſtirnrunzelnd.„Jenun, die Ehre der Erfindung dieſes Syſtems kommt nicht einmal ihm zu. Wir hatten in un⸗ die auf ſolche Weiſe raͤſon⸗
und Feldzüge zu ſchwer und unbequem waren, hinter ihren Kameraden zurückblieben und lieber ihr langweiliges Da⸗ ſein in Depots und Garniſonen hinbrachten, während ihre Kameraden als Sieger in Berlin, und Moskau einzogen. Du ſiehſt, mein liebes Kind, daß Dein Vetter noch nichteinmal merkt, daß auch die kürzeſten Beine endlich nach Rom tragen müſſen, wenn man nur einen Fuß vor den andern ſetzt l/
„Ach, wenn Du ihn doch nur zu dieſer richtigen Anſicht bekehren könnteſt, lieber Oheim!“ rief Suzon mit ernſter Beſorgniß.„Ich habe ſchon oft verſucht, ihn von ſeinem Irrthum abzubringen, indem ich ihm vorrechnete, wie viel ein guter Buchbinder wie er erſparen kann, ſo lange er einen ſo trefflichen Verdienſt hat; allein wenn ich dann die Summe für ein Jahr nenne, zuckt er ärger⸗ lich die Achſeln und meint, Weiber verſtünden Nichts vom Rechnen/
„Und Du haſt wohl voll Verzweiflung die Sache,
wieder aufgegeben, liebes Kind?“ fragte Vincent und fixirte ſie mit einem zärtlichen und doch wehmüthigen Blicke. „Jetzt merke ich erſt, warum Deine Augen ſo oft roth ſind!
„O nicht doch, beſter Onkel!“ ſtammelte Suzon.
„Und weßhalb Du ſo häufig Deine Levkojen zu be⸗ gießen und den Kanarienvogel zu füttern vergißt!“ ſagte Vincent.„Nun iſt mir auch erklärlich, warum Du nicht mehr ſo frölich ſingſt!/
Suzon ſchlug verlegen den Blick nieder und zerknit⸗ terte eine Ecke des Zeitungsblattes; da legte ihr der Alte zärtlich die Hand auf den Kopf und ſagte:„Du wirſt darüber auszanken wolle, es iſt ja ganz natürlich, daß Du Dich für Charles intereſſirſt, der Dein Vetter iſt und der, wenn es nach meinem Wunſche ginge, noch einmal Dein... Doch brechen wir davon ab!“ unterbrach er ſich plötzlich rauh;„wir wollen nicht mehr davon reden, denn der
liebes Kind? Bah,
gar nicht ſagen, wie!“
und Fehler wie die ſeinigen,
Deinem Vetter z. B.
Wien, Rom, Madrid
nichtsnutzige Burſche iſt gar nicht werth, daß Du, mein
Püppchen, Dich ſeinetwegen ſo ängſtigſt und ſo viel—
Freundſchaft für ihn hegſt, denn nicht wahr, Freund ſchaft iſt das rechte Wort? Ich habe immer geglaubt, er ſei Dir recht gut, aber ich ſcheine mich geirrt zu haben!“
Suzon ſchüttelte traurig ihr Köpfchen.„Fruͤher war
er mir gut, ſagte ſie;„allein ſchon ſeit einiger Zeit iſt
er gegen mich ſo kalt, ſo gleichgültig— ich kann Dir „Ja wohl,“ verſetzte Vincent nachdenklich,„wenn Einer ſich einmal an aufregende Vergnügungen gewöhnt
hat, erſcheinen ihm die Genüſſe und Freuden der Häus⸗
lichkeit fade,— es iſt, als tränke man Tiſchwein auf Kirſch⸗ waſſer.— Wir Männer begreifen das, denn Mancher von uns hat es ſchon ſelber erfahren.“
„Mancher iſt aber auch ſchon curirt worden, und ich zweifle nicht, daß es auch mit Charles geſchehen wird. Vielleicht iſt es von Erfolg, wenn Du heute Abend mit ihm ſprichſt, lieber Oheim!“
Der Alte ſchüttelte ungläubig den Kopf.„Irrthümer b laſſen ſich nicht mit Worten heilen, liebes Kind,“ ſagte er;„hier ſind Handlungen nöthig. Ein Mann läßt ſich ebenſo wenig ploͤtzlich in ein vernünf⸗ tiges Weſen umgeſtalten, als in einen guten Soldaten: zu Beiden bedarf es Uebung, Erfahrung, Strapazen; er muß ſein Handwerk vor der Mündung der Kanone lernen. 6 fehlt es nur an gutem Willen, weil er keinen beſtimmten Zweck vor ſſch ſieht, und es käme nur darauf an, für ihn ein großes Ziel zu finden, wel⸗ ches ihn zu angeſtrengter Thätigkeit, zu eiſernem Fleiß anregen würde. Dies iſt zwar nichts Leichtes, aber trotz⸗ dem will ich mich darüber beſſiunen a-
„Dießmal iſt's wirklich Charles“ rief Suzon, welche die eiligen Schritte ihres Vetters auf der Treppe erkannt hatte. 5 1 2 2
„Schweige einſtweilen von Dem, was wir ſo eben miteinander beſprochen haben!“ ſagte der Veteran;„lies immerhin weiter, denn er ſoll nicht merken, daß wir von ihm geſprochen haben!“ b
Suzon gehorchte; allein der unſichere Ton ihrer Stimme würde dem Ohre eines aufmerkſamen Beobachters raſch ihre innere Aufregung verrathen haben. Während ihr Blick auf den ſchwarzen gedruckten Buchſtaben vor ihr haftete und ihre Lippen mechaniſch die geſchriebenen Worte ausſprachen, nahm der ſo eben in's Zimmer getretene junge Mann, ihr Vetter Charles, alle ihre Gedanken in Anſpruch. Da Suzon las, glaubte der junge Handwerker nicht ſprechen zu durfen; er ſtellte ſich daher, ohne Oheim und Bäschen zu grüßen, an das Fenſter und lehnte ſich mit gefalteten Armen hinaus. Suzon las weiter, ohne ein Wort von Dem zu verſtehen, was ſie las; ſo kam ſie an jene Reihe unzuſammenhängender Thatſachen, Neuig⸗ keiten und Lügen, welche man gewöhnlich unter der Rub⸗ rik Varlétés in franzöſiſchen Journalen findet, und Charles, welcher dem Inhalt des Journals anfangs kaum einige
Achtung geſchenkt hatte, ward plötzlich ein ganz aufmerk⸗
ſamer Zuhörer. (Fortſetzung folgt.),


