Ausgabe 
23.6.1849
 
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ettauſcht. Der wolle ihn gegen nannten 2

und.

M, erhält eine

eln Eckel.

Intellig

9

enz-Blat

fuͤr die

Provinz Oberheſſen b im Allgemeinen, 8 den Regierungsbezirk Friedberg

im Beſonderen.

M. 8.

Sonnabend den 23. Juni

1849.

UVeiſeſkizzen aus Kalifornien, im Frühjahr 1848. Von J. Tyrwhitt Brooks*).

Dieſes Büchlein ſoll von einem jungen engliſchen Wundarzte her⸗

rühren, welcher denjenigen Theil ſeines Reiſe-Tagebuches, welcher den

Beſuch in Kalifornien ſchildert, an ſeinen Bruder nach London ſandte,

doch nicht in der Abſicht daſſelbe zu publiciren. Es beginnt mit dem

29. April, gerade in dem Zeitpunkt, wo die Kunde von dem Goldreich⸗ thum der Flüſſe im Innern nach den Küſtenſtädten gelangt war, und Männiglich in ſchwindelnder Haſt aufbrach, um ſich an den Reichthümern dieſes Bodens zu betheiligen. Auch Mr. Brooks wird vom Goldfieber angeſteckt und macht fich in Begleitung einiger Amerikaner nach dem placer oder Golddiſtritte auf. Zunächſt beſuchte er Kapitän Sutter's

Anſiedlung,; welche er folgendermaßen beſchreibt:

Ein Ritt von wenigen Stunden brachte uns an die Ufer des ſchoͤnen, etwa mehrere hundert Schritte brei ten Stromes, und wir trafen augenblicklich unſre Vorbe⸗ reitungen überzuſetzen. Nach verſchiedenen Unglücksfällen und Aufenthalt gelang es uns endlich, in einer Art von kleinem Segelboot den Uebergang zu bewerkſtelligen. Die neue Stadt Suttersville zählt etwa 10 12 Häuſer und iſt innerhalb einer halben Meile an den Ufern des Fluſſes angelegt. Von hier brachte uns ein ſcharfer Ritt über eine ebne Fläche, die in Weizenfelder und Wieſengründe getheilt und mit Hunderten weidenden Viehes bedeckt war, hinüber zu Sutters Fort. Es iſt dieß ein ziemlich weit⸗

läuftiger Block von Holzgebäuden, der auf dem Gipfel

eines kleinen Hügels und dicht bei einem Waſſer gebaut

iſt, das in den Americanos, nicht weit von ſeiner Verbin⸗

dung mit dem Rio Sacramento, einfließt. Ein Schoner und einige kleinere Fahrzeuge arbeiteten ſich den Ameri⸗ kanosfluß nach dem Fort zu hinauf, und am Landungs⸗ platze lagen mehrere Boote, die ihre Ladung ausſchifften. Als wir den Platz erreichten, ſahen wir bald, daß hier Alles arbeitete und beſchäftigt war, Bootsleute ſchrieen und fluchten, Wagenführer pfiffen und hallohten und knallten mit ihren Peitſchen über die Pferde hin, die ſich in gut⸗ williger Anſtrengung in's Geſchirr legten; ſchwer beladne 95

) Aus dem eben erſchienenen Werke:Vier Monate unter den Gold⸗ findern in Ober⸗Kalifornien. Tagebuch einer Reiſe von San Francisco nach den Golddiſtrikten von J. T. Brooks. Aus dem Engl. v. Fr. Gerſtäcker. Leipzig, J. J. Weber 1849. Wir vervollſtändigen hiermit unſeren Aufſaßz: Californien, das neue Eldorado in Nr. 43. und 44. d. Bl. a Anm. d. Red.

Wagen bemühten ſich, verſchiedne Waaren in den innern Raum der Gebäude hineinzuſchaffen. Gruppen von Rei⸗ tern ſprengten hin und her, und eine ziemliche Zahl von andern Leuten wanderten dazwiſchen herum. Es zeigte ſich deutlich, daß die Goldmanie wuchs, je mehr wir uns dem jetzt heiß erſehnten Eldorado näherten.

Nachdem wir uns an eineSquaw(indianiſche Frau) gewendet hatten, die wir am Eingange des Forts trafen und die gerade genug engliſch verſtand, unſre Frage zu begreifen, zeigte ſie uns unter den verſchiedenen Grup⸗ pen den Kapitän Sutter, einen ſchlanken, gut ausſehenden Mann mit einem Strohhut, weitem Rock und Beinkleidern von geſtreiftem Zeug, ſeine Geſichtszüge aber einem Pankee ſo unähnlich, wie nur möglich. Ich ſtellte mich ihm ohne Weiteres vor und überreichte ihm den Brief, den mir Lieutenant Sherman für ihn gegeben hatte. Nachdem er ihn geleſen, ſagte mir der Kapitän, daß er ſich herzlich freue, mich zu ſehen, obgleich er fürchte, der große Wech⸗ ſel, den die letzten Wochen in dieſem Theile der Welt

hervorgebracht, werde die Urſache ſein, daß er mir nur

geringe Gaſtfreundſchaft erzeigen könne. Jeder Winkel ſeines Lagers war mit Waarenballen, Mehlfäſſern und tauſend andern Dingen gefüllt, für die auf einmal und ganz plötzlich ein Bedarf entſtanden. Des Kapitäns Haus glich in der That auch eher einem Hotel und hatte ſo viele Beſucher, wie es nur möglicherweiſe halten konnte. Dennoch ſollte, wie ſich der Kapitän freundlich genug ausdrückte, Niemand, der, durch ſeinen Freund Sherman an ihn empfohlen wäre, einen andern, als gaſtfreundlichen Empfang bei ihm finden. Alles jedoch, was er thun konnte beſtand, wie er mir ſagte, darin, daß er mir ein Schlaf⸗ gemach für mich und ſolche Freunde, die ich darin aufzunehmen wünſche, zur Dispoſition ſtellte. Dann verließ er mich auf kurze Zeit, die Sache mit denen zu arrangiren und verſprach bald zurückzukehren und uns unſer Quartier zu zeigen.

Ich theilte meinen Gefährten des Kapitäns Aner bieten mit. Dieſe meinten aber, auch dieſe Nacht wieder außer dem Fort zubringen zu wollen, und wir arrangirten es ſo, daß nur Bradley und ich das ſo freundlich gebotene Schlafkabinet benutzen ſollten, da beſonders eine gute Nacht Schlaf unſerm kranken zerquetſchten Freunde weit zuträglicher ſein würde, als draußen im Freien, unter dün⸗ ner Decke mit dem Sattel als Kopfkiſſen, zu liegen. Zwei unſrer Pferde hatten ihre Hufeiſen verloren, und Malcolm und Joſé gingen damit nach der Schmiedewerkſtatt, um

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