Ausgabe 
22.12.1849
 
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K

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Vater theilt zuerſt unter die Kinder reiche Geſchenke aus;

je freuen ſich zwar, aber mehr aus äußerer Ueberraſchung,

1 E Wonne; ſie ſind den Reichthum ſchon ge⸗ wohnt. Nun aber fuhrt der Gatte ſeine Frau an einen

zweiten Tiſch, der mit einem weißen Teppich bedeckt iſt. Er zieht die Hülle zurück ein prachtvolles Theeſervice

von Silber, ein ächter Shawl, ein glänzender Schmuck

wird ſichtbar. Die ſchöne Frau ſtoßt einen Schrei der

freudigſten Ueberraſchung aus, wirft ſich zärtlich an die

Bruſt des Gatten und muſtert dann prüfenden Blickes die

Geſchenke. Sie legt den Schmuck an, wirft den Shawl um und tanzt in manichfacher Stellung vor dem Spiegel.

unter den Kindern iſt inzwiſchen, in Betreff der Ge⸗

ſchenke, eine Differenz entſtanden; Eins will die des Andern

haben. Die kleine Adelgiſe verlangt Edgar's plattirtes

Waldhorn, und Esmeralda will ihrer Schweſter ausge⸗

ſtopften Papagei haben. Die Mutter beſchwichtigt ſie,

indem ſie Jedem morgen ein Exemplar des Verlangten zu

geben verſpricht. 2 7420

Der Hausherr nähert ſich jetzt den Gäſten, die nur aus Männern: Hageſtolzen beſtehen, und ernſt, wie der Chor der griechiſchen Tragödie, bis jetzt das Zuſehen hatten und theilt Nippes unter ſie aus, die, obgleich ſie fur Jeden nur eine drollige Beziehung haben ſollen, doch von Werth ſind.

Hierauf bittet er ſie in's Nebenzimmer zu treten, woſelbſt der Tiſch mit Delicateſſen ein claſſiſcher Härings⸗ ſalat oben an und Champagnerflaſchen beſetzt iſt. Die Pfropfe knallen, die Gläſer ſchäumen, der erſte Toaſt ge⸗ hört der ſchönen Wirthin, welche mit liebenswürdiger Grazie die Honneurs macht..

Man ißt, trinkt, ſchwatzt und lacht, bis es Mitter⸗ nacht ſchlägt und man ſich trennt. f*

Zwei der Gäſte verfolgen ihren gemeinſamen Nach⸗ hauſeweg durch die bieite Straße. Der Eine, groß und dick, iſt in einen Palletot geknöpft, der Andere, 9 7 klein, trägt einen Burnus und gleicht einem wandelnden Faſſe, das von zwei Säbelbeinchen getragen wird.

'S iſt ein Unſinn, ſage ich, beginnt der Größere, ſich räuſpernd,eine Tollheit was die Leute treiben. Haben Sie die prachtvollen Geſchenke geſehen? Nein, dieſe Verſchwendung wo ſoll das hinaus! Ich gebe Ihnen mein Ehrenwort, daß er binnen Jahr und Tag accordiren muß. Ich kenne ſeine Fonds und ſein Geſchäft. In einem Jahre, ſage ich! g 1

Schnick, Schnack! verſetzt der Kleine und ſetzt ſeine Beinchen in trippelnde Bewegung, da der Große weit ausſchreitet,da ladet man mich ein und ich bin doch ein Junggeſell und will es Zeitlebens bleiben. Ich ſoll mich bei dem Familienjammer, bei dem Kindergeſchrei amüſiren was mir in der Seele zuwider iſt. Und deß⸗ halb habe ich meine Whiſtpartie im Klubb verſäumen müſ⸗

n. Dummer Schnack!'S iſt nur Eitelkeit, damit man ſeht, was ſie einander zum Geſchenk machen und darüber ſprechen ſoll. Ich lobe mir mein Whiſt; aber der Champagner war excellent. Ob er auch bezahlt wird iſt mir gleich..

Nichts wird bezahlt, ſage ich,, grollt der Dicke, Alles iſt nur Schwindel; den Leuten Sand in die Augen ſtreuen, leben, wie Gott in Frankreich und dann accor⸗ diren, ſage ich.

An einer Hausthür ſteht ein weinender Knabe von zehn Jahren.Meine gütigen Herren, fleht das Kind, ſchenken Sie mir doch eine Kleinigkeit! Meine Eltern ſind arme Leute wir haben morgen weder Holz noch Brod.

Schäme Dich, Junge, ſchilt der dicke Herr, vor ſich hinſpuckend,bei heller Nacht zu betteln! Wenn Dich die Polizei ſieht, wird ſie Dich arretiren. 323529

Der kleine Mann benutzt die Gelegenheit, ſeinen zarten d

Beinen eine Ruhepauſe zu gewähren, er bleibt ſtehen, greift

in die Taſche und giebt dem frie

renden Jungen Ich habe, ſagt er zu ſeinem Begleiter, indem er

ſich wieder in Bewegung ſetzt und neben ihm hertänzelt,

cheut' vergeſſen, dem Mädchen ein Trinkgeld zu geben. Die Dirne iſt aber auch häßlich, wie die Nacht. frühere war hübſcher. Möcht' wiſſen, warum Madame

Die

ſie fortgeſchickt hat? Nun das Achtgroſchenſtück iſt vielleicht bei dem Jungen beſſer angewandt; ſofern er nicht gelogen hat. f

trennen ſich.

An der Ecke wünſchen ſie einander gute Nacht und

4.

Friedberg. P Johann Schad, des verſtorbenen hieſigen Bürgers und Fuhrmanns Joh. Georg Schad nachgelaſſener ehelicher lediger Sohn, und Eliſabethe Ditzel, des Bürgers und

Ackermanns Andreas Ditzel zu Burggräfenrod eheliche ledige Tochter. f

Friedrich Ludwig Netz, neuangehender Bürger und

Oeconom dahier, des hieſigen Bürgers und Dreher⸗ meiſters Wilhelm Netz ehelicher lediger Sohn, und Eva Eliſabetha Hanſtein, des hieſigen Bürgers und Oeconomen Johann Heinrich Hanſtein IV. eheliche ledige Tochter. n eee nee een: 8

Dem hieſigen Bürger und Schreiermeiſter Wilhelm N Baumann Zwillingstöchter, Wilhelmine und Eleonore,

geboren den 13. October. Mein Dem hieſigen Bürger und Spenglermeiſter Heinrich Heidt eine Tochter, Johanna Dorothea Louiſe, geboren den 19. October.

Ein unehelicher Sohn, Johann Hartmann, geboren den 15. October.

Dem hieſigen Bürger und Metzgermeiſter Georg Schä fer eine Tochter, Regina Eliſabetha Henriette, geboren den 2. November. 1 271

Dem hieſigen Bürger und Kaufmann Johann Konrad Nagel II. eine Tochter, Jacobine Friederike, geboren den 24. September.

Dem practiſchen Thierarzte Dr. Chriſtian Ritzel ein Sohn, Chriſtoph Wilhelm Ernſt, geb. den 22. October.

Dem hieſigen Bürger und Kupferſchmied Chriſtian Böh⸗

mer eine Tochter, Margarethe, geb. den 29. October. Dem hieſigen Bürger und Handelsmann Friedrich Chri⸗

ſtoph Hilbrecht eine Tochter, Louiſe Henriette, geboren

den 13. October.

Dem Hauptmann im 2. Bataillon des 4. Gr. Juf⸗

Reg. Ludwig Hoffmann ein Sohn, Friedrich Auguſt Martin, geboren den 25. October. 5140 15 Ein unehelicher Sohn, Johann Georg Peter, geb. den 19. November. 10

9 5 7 11 1 Dem hieſigen Bürger und Kaufmann Jean Huber eine

Tochter, Eliſe Mathilde Amalie, geb. den 28. October.

. Dem Ortsbürger zu Bromskirchen, R.⸗B. Biedenkopf,

und Seminardiener dahier Johannes Lache ein Sohn, Hermann Heinrich, geboren den 6. November.

Dem hieſigen Bürger und Oeconomen Johannes Balſer eine Tochter, Eliſabetha, geboren den 11. November.

Beer digte:-

Martin Joſeph Mühling, des hieſtgen Bürgers und Oekonomen Georg Mühling eheliches Söhnchen, alt 1 Jahr, 2 Monate und 11 Tage, 1 den 2. Nov.

(Fortſetzung folgt.)

Kirchenbuchs⸗Auszug vom Monat Novbr.

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