Ausgabe 
21.7.1849
 
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führten lag, der mir entgegenrief, der Mann ſei geſchoſſen, und mich bat, nach ihm zu ſehen. Die Uebrigen unſrer Partei rückten, als ſie dies hörten, noch ein paar Schritte weiter vor, legten an und waren im Begriff zu feuern, als ſie plötzlich mit echt brittiſchem Accent und dem Aus⸗ rufe:Verdammt Eure Augen, wer geht da 2, begrüßt wurden. Dies ſetzte uns ſo in Erſtaunen, daß dadurch wahrſcheinlich das Leben Sämmtlicher im Lager gerettet wurde. Die Männer hielten einen Augenblick und beriethen zuſammen, was jetzt zu thun ſei. Ein Schuß war vom Lager abgefeuert worden und einer der Unſern verwundet. Es ließ ſich daher kaum etwas Anderes denken, als daß wir einen Trupp jener herumwandernden Räuber gefun⸗ den hätten, die, wie uns ſchon geſagt worden, den Fuß der Sierra Nevada ſo unſicher machen.

Ich erfuhr jetzt übrigens von Malcolm, was er mir im Anfange nicht gleich geſagt, daß Bradshaw ſich durch das Losgehen ſeiner eigenen Büchſe verwundet habe. Raſch ſprang ich zu meinen Gefährten, erklärte ihnen das, ſagte ihnen, der Mann ſei ziemlich bös im Bein verwun⸗ det, ich hätte ihn aber raſch mit meinem Schnupftuche ver⸗ bunden und der Sorgfalt Malcolm's überlaſſen, und ich wollte ſie nur davon unterrichten, dämit kein weiteres Blutvergießen ſtattfände. Kaum hatte ich die Worte aus⸗ geſprochen, als wir Horry laut ſchreien hörten, gleich darauf glaubte ich ein Stoͤhnen zu vernehmen. Die An⸗ dern wollten aber nichts davon wiſſen, und ich dachte, ich hätte mich geirrt. Möglich war es, daß er blos unſerm Befehl nach geſchrieen hatte; wir nahmen deßhalb keine weitere Notiz davon. In demſelben Augenblick kamen mehrere Pferde in vollem Gallopp und wenige Schritte an uns vorbeigeſprengt, dicht hinter ihnen folgten etwa ein halbes Dutzend berittener Indianer. Wir erriethen im Nu die Wahrheit, ſie mußten die Zügel unſerer Pferde zerſchnitten haben und trieben ſie jetzt fort, ſie mit denen zu vereinigen, die ſie an dieſem Morgen uns abgeholt. Wir ſchoſſen, luden wieder, ſchoſſen noch einmal und folgten dann, während ein lauter Chor von Hallohs und wildem Schreien aus dem vor uns liegenden Lager in das Gebrüll der fliehenden Indianer und unſerm Drohruf hineintönte, den Wilden. Es gelang uns auch, unſern Pferden den Weg abzuſchneiden, und die Diebe verſchwanden, ſo raſch wie ſie gekommen. N

Nachdem wir unſre Thiere in Sicherheit hatten, brachten wir ſie nach der Richtung zurück, wo wir Horry verlaſſen, und fanden auch glücklicher Weiſe nach einigem Suchen den genauen Fleck, dort aber zu unſerem Entſetzen den armen Teufel von Matroſen todt, ſeinen Körper mit Blut bedeckt und Kopf und Geſicht furchtbar zerſchnitten. Eine genaue Unterſuchung zeigte uns bald, daß ſie den Unglücklichen erſt ermordet und dann ſcalpirt hatten.Ja, ja, ſagte der alte Jäger,ich dachte es mir faſt; ſein Scalp hängt in dem Gürtel von einem der Teufel. Aber bei Gott, ich werde eine Unze Blei durch die erſte Roth⸗ haut ſchicken, der ich wieder begegne! Rache wollen wir wenigſtens haben..

Sobald ich mich nur 1 as von dem Entſetzen,

das dieſe Scene natürlich auf mich hervorbrachte, erholt hatte, kehrte ich mit dem alten Jager zum Platz zurück, wo wir Malcolm und Bradsham verlaſſen, kaum jedoch noch erwartend, nach dieſen Vorfällen Einen von ihnen am Leben zu finden. Glücklicherweiſe war meine Furcht

grundlos geweſen, und wir trugen jetzt den Verwundeten

ſo gut es gehen wollte nach dem Platze zurück, wo die Uebrigen der Geſellſchaft auf uns warteten. Hier blieben wir bis Tagesanbruch ſchweigend und niedergeſchlagen. Was mich betrifft, ſo hätte ich weinen mögen. Der arme Matroſenknabe, obgleich ich mich ſonſt wohl wenig um ihn und ſein Leben bekuͤmmert hatte, war doch Einer von un⸗ ſerer kleinen Geſellſchaft geweſen, hatte das rauhe Leben der Wildniß mit uns getheilt, und mir war es, als ob ich einen Freund verloren.

Der Tag dämmerte endlich. Nachdem wir unſre Zügel, ſo gut es ging, wiederhergeſtellt, brachen wir auf. Wir ſchlugen den Korper des Todten in eine Decke und legten ihn auf ſein Pferd, um ihn mit zum Lager zu nehmen und nach den Gebräuchen der engliſchen Kirche zu begraben. Ich unterſuchte des Zimmermanns Bein und fand, daß die Wunde glücherweiſe nur im Fleiſch ſaß; es verurſachte ihm nichtsdeſtoweniger große Schmerzen, dabei zu reiten, anders konnte er aber nicht zum Lager trans⸗ portirt werden.

Während wir langſam im grauen Dämmerlicht des Morgens dahinritten, bekamen wir einen Blick über das Thal, das der Schauplatz unſerer letzten Unglücksfälle ge⸗ weſen, und ſahen in den Hügelſeiten zwei mit weißer Lein⸗ wand beſpaunte Auswandererwagen, deren Pferde ruhig im Thale weideten. Einige von uns ritten dorthin, fan⸗ den aber keine Seele dabei. So war wenigſtens eine unſerer letzten geheimnißvollen Erſcheinungen erklärt, das Lager, das wir zuerſt für ein indianiſches und nachher für eines der Bergräuber gehalten, mußte wahrſcheinlich einigen Auswanderern angehoͤrt haben, die eben die Sierra Ne⸗ vada gekreuzt hatten, um in das Sacramento⸗Thal hinüber⸗ zugehen. Durch den furchtbaren Laͤrm und das Schießen erſchreckt, glaubten ſie ſich aller Wahrſcheinlichkeit nach von entſetzlichen Gefahren, umgeben, verließen ihre Wagen und ſuchten ein Verſteck, um wenigſtens ihr Leben in Sicherheit zu bringen. Wir ſchrieen, ſo laut wir konnten: Freunde, Amerikaner und andere Namen, um Vertrauen bei ihnen zu erwecken, falls ſie ſich in Rufesweite noch befinden ſollten, erhielten aber keine Antwort. Wir eilten nun zu unſerer Geſellſchaft zurück, erreichten etwa nach drei Stunden das Lager, immer noch dabei hoffend, den jetzt vielleicht zurückgekehrten M'Phail zu finden. Doch auch hierin ſahen wir uns getäuſcht. Er war ausgeblie ben, und traurig gingen wir daran, des armen Horry Grab zu graben. Nachdem Malcolm aus einem engliſchen Gebetbuche die üblichen Worte abgeleſen, deckten wir ihn mit Erde zu, ſägten dann einen Kieferſtamm ab, den wir ein paar Fuß in den Boden ließen, glätteten den obern Theil und ſchnitten mit rauhen Buchſtaben ſeinen Namen und Todestag hinein.

(Schluß folgt.)

allftragt den Pachtluſtigen über die betreffenden

Daare Jahlung verſteigert werden. Die Ver⸗

Bekanntmachungen vor hoͤrden.

N NN ν Bekanntmachung.

(10900 Oienſtag den 24. l. M., Morgens

um 10 Ühr, werden in hieſtgem Rathhauſe die den Karl Weckerling' ſchen Kindern gehörenden, in den Gemarkungen Friedberg und Fauerbach 11. liegenden Güterſtücke auf 6 Jahre meiſtbietend verpachtet. Die hieſigen Flarſchützen ſind be⸗

Grundſtücke Ausfunft zu ertheilen. Friedberg den 12. Juli 1849. In Auftrag: Der Großh. Heſſ. Bürgermeiſter Been dee x.

Verſtei gerung.

(1121) Freitag den 27, d. M., Morgens um 10 Uhr, ſoll die auf dem Gelände des Militär⸗

fiscus dahier, neben dem Exercierplatze ſtehende Gerſte, auf dem Halmen, öffentlich gegen gleich

ſteigerung wird auf dem Exercierplatze abgehalten.

Friedberg den 18. Juli 1849. In Auftrag: Ramſpeck, Oberquartiermeiſter.

Holzmacherarbeit.

(1122) Das Kleinmachen des Brennholzes

für das hieſige Lazareth ſoll auf ein Jahr in Accond gegeben werden. Luſttragende zu dieſer Arbeit können auf dem Lazarethbüreau zu jeder Zeit die Accordsbedingungen erfahren und ihre

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