Ausgabe 
20.6.1849
 
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den R 0 9 in

Gießen.

Wenn in einzelnen Fällen die richtige Adreſſe auch nicht gewählt werden ſollte, ſo wird, nach Magasgabe des Inhalts des Schreibens, die Ange deſſelwen alf Die ge eignete Adreſſe erfolgen. Wan

Laubach am 5. Juni 1849.

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20 4 Nr g 4

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udwig f Koſſuth, Dictator von Ungarn 5.

Aufmerkſamkeit auf ſich gezogen hat, ſo iſt dieß Koſſuth. Zur ſelben Zeit, als Lamartine in Frankreich die Augen

der erſtaunten Welt auf ſich zog und Ain Frankfürt das

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Parlament für die Rechte des Deutſchen Volkes in die

Schranken trat, zur ſelben Zeit warf auch Koſſuth von der Tribüne des ungariſchel Repräſentantenhauſes Worte auf die tief erſchütterten Zuhörer, welche wie Blitze das Herz der Magyaren entzündeten und die Nation derge⸗ ſtalt ergriffen, daß ſie hoch aufloderte im hellen Freiheits⸗ brande e 820 mimi 4ant! zan, 4

Ludwig Koſſurh iſt im Jahr 1806 in einem kleinen Dorfe der Zempliner Geſpanſchaft im nördlichen Ungarn von adlichen Eltern geboren und von ſlovakiſcher Abſtam⸗ mung! Seine jüuriſtiſchen Studien vollendete er zu Peſth, wo er eine Zeitlang in deückender Armuth lebte, bis meh⸗ rere Deputirke ihm die Geſchäfte, welche ſie für verſchie⸗ dene Komitate zu beſoͤrgen hatten, übertrugen. Auf dieſe Weiſe war Koſſüth in den Stand geſetzt, ſich denjenigen Studien, zu welchen er die meiſte Hinneigung und Vor⸗ liebe hatte, mit Muße hingeben zu können; deſſenunge⸗ achtet verſäumte er nicht die ihm zu Theil gewordenen Geſchäfte und die damit verbundene Korreſpondenz mit gewiſſenhafter Genauigkeit und unermüdlichem Fleiße zu führen! So lebte er eine Weile mit vielfachen Studien beſchäftigt, bis verſchiedene Deputirte auf die vielen und großen Talenten, welche in ihm ſchlummerten, aufmerkſam wurden und ihn beauftragten, die Verhandlungen des un⸗ gariſchen Reichstages in einer neu gegründeten lithogra⸗ Phirten Zeitſchrift zu beſprechen. Bis zu jener Zeit er⸗ ſchtenen e durchaus keine Beſprochungen des Landtages, und Alles, was man darüber erfahren konnte, beſtand in einem kurzgefaßten Reſumé der wichtigſten Verhandlungen, wel ches in den cenſirten politiſchen Journalen abgedruckt wurde. Mit einer bis dahin ungekannten Freimuthigkeit, beſprach Koſſuch die Verhandlungen, und die Oppoſiton war erfreut darüber, endlich ein Organ zu haben, welches ihre poli⸗ tiſche Handlungsweiſe Angeſichts, der geſammten Nation vertreten könne. Die Regierung ſuchte ſo oft als möglich dieſes lithographirte Journal zu koufisciren, indem ſie be⸗ hauptete, auch Lithographien gehörten in das Fach der Druckſachen und müßten eben ſo wie dieſe cenſirt werden. Allein nichtsdeſtoweniger vermehrte Koſſuth die Zähl ſeiner Handſchreiber, kümmerte ſich weder um die Konſiskation noch Cenſur und ſah ſeine Bemühungen reichlich dadurch belohnt, daß ſein Journal eine ziemlich gruße Verbreitung im ganzen Lande fand. i

Seine mit überſprudelnder Freiheitsbegeiſterung und Leidenſchaft geſchriebenen Artikel ſchienen denn doch der Regierung zul gefelhrlich und Koſſuth wurde endlich ver haftet und in ein ſchweres Gefängniß geworfen; ꝛdaner

bis endlich d f eine jener Amneſtien erließ, wodurch ſie ſich beſonders die Otto, G. z. S. Ke te Gunſt des Volkes zu erwerben glaubt.

aGefängniß hatte auf die Eingekerkerten einen furchtbaren Eindruck gemacht. f

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enden hat. Mit ihm zugleich wurden zwei an⸗ dere Jünger der Freiheit und Freunde Koſſuth's in's Ge füngniß abgeführt und zwar Weſſeleny nach Munkacs und ein Dritter, deſſen Name weniger bekannt iſt, nach Kuf jre blieben dieſe drei im Kerker, bei'm Schluſſe des Landtages

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Das furchtbare

fer kräftigſten

gemacht. Weſſeleng war in Jahren ſchon alk 1 ſaar war ergraut und

eine Augen erblindet; als alter blinder Mann kam er aus Wenn in neueſter Zeit Ein Mann die allgemeine Munkacs und er konnte für ſein Vaterland, dem allein

ſein Herz ſchlug, für das er ſo viel duldete, nichts mehr

wirken; der zweite war in Kufſtein blödſiunjg geworden, die Künſte des Abſolutismus hatten ſich endlich doch eines

ihnen gefährlich ſcheinenden Menſchen entledigt, ſeinen

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hineingegangen war. Zwar, war ſein Körper krankhaft und ſchwach geworden von den jahrelangen Leiden, aber ſein Geiſt war ſtark, friſch, kräftig, lebendig und unver⸗ ben geblieben d,

Die Regierung hatte zwel Feinde verloren, abet

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dafür war der dritte ein furchtbärer, rieſenhafter Feind

für ſie geworden. V Win e dig un Im Jahr 1847 war er zum Deputirten in's Reprä⸗ ſentantenhaus gewählt. Fürſt Bathyany hatte die Füh⸗

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rung der Oppoſition übernommen und Koſſuth war der

Sprecher derſelben. f 5 1 Schon damals lebte ſein Name im Munde aller Magyaren und in den Märztagen ſtand er an der Spitze der Deputation, welche vom Kaiſer ſo viele, und große Zugeſtändniſſe erwirkte. Als Bathyany mit der Bildung eines Miniſteriums beauftragt ward, wurde Koſſuth Finanz⸗ miniſter und von dieſem Augenblicke zeigte er erſt, flar und deutlich, wie aufrichtig er der Sache der Demokratie

ergeben ſey. Von demſelben Augenblicke, in welchem er

in's Miniſterium trat, wurden die Ungarn gerechter gegen die verſchiedenen in ihrem Lande lebenden Nationalitäten; von demſelben Augenblicke an krat Ungarn in die Reihe der übrigen Freiheitskämpfer und mit dem Blute ſeiner

beſten Söhne hat es den Pakt, welchen es mit der demo⸗

kratiſchen Partei abgeſchloſſen hat, beſie gelt e

All' das, was Koſſuths als Flnanzminiſter gethan, iſt unnöthig zu erwähnen, weil es moch im Gedächtniß Aller lebt; eben ſo wenig wollen wir umſtändlich erzählen, wie er, als Ungarn an den Abgrund der Gefahr geſtürzt wurde, an die Spitze des Landes vertheidigungs⸗Ausſchuſſes trat, wie er im Ungarnlande herumzog und durch feurige Reden

die Bauern begeiſterte, ſich kühn in's Schlachtgewühl zu

ſtürzen, wie er endlich durch die wieſenhafteſten Anſtren⸗ gungen es dahin brachte, daß der Feind Ungarn's Jellachich, aus den Gauen ſeines Vaterländes hinansgejagt wurde.

Noch überraſchender aber iſt) was Koſſüth ſeither geleiſtet hat! Man kennt das anfängliche: Kriegsglück der kaiſerlichen Armee gegen dleß aufſtändiſchen Ungarn; mit der Einnahme von Raab ſthien der Feldzug beendigt, die Einnahme von Peſth und Ofen drohte den Ungarn einen entſcheidenden Schlag zu verſetzen. Aber gegen alles Er⸗ warten hielt Koſſuth's patriotiſches Feuer in Rede und

2213 berbundznen Auge in Keinen Kerker geführt und auf e Weiſe ſeiner Haft entlaſſen wurde, eit es in welchem Gefängniß und auf welcher Feſtung

e en eee und das wollten ſie ja. ur Koſſuth kam als derſelbe Feind der Dynaſtie und der Regierung aus dell Kerk 1 15 bol fie) denſeten 1