Ausgabe 
19.12.1849
 
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ovinz Oberheſſen

im Allgemeinen,

den Regierungsbezirk Friedberg

im Beſonderen.

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299. Mittwoch den 19. Dezember

1815.

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NRMNegierungsblatt⸗Auszüge.

Nr. 72 enthalt: 1) Bekanntmachung des Miniſteriums des In⸗ nern, die Beſtellung der Wahleommiſſäre betreffend. 3) Ernennung in Beziehung auf den Landtag. Seine Königliche Hoheit der Groß⸗ herzog haben am 8. Dezember d. I- in Gemäßheit? der Art. 85, und 86 der Verfaſfungsurkunde und des Art. 2 des Geſetzes vom 10. Oct. d. J., die landſtändiſche Geſchaͤftsoprdnung betreffend, zu Mitgliedern der Einwelſungs⸗Commiſſton für die beiden Kammern der Stände die Gr. Miniſteriaträthe Maurer und Wernher allergnädigſt zu ernennen ge⸗ ruht. 4) Am 23. November wurde dem Schloſſermeiſter A. Kaibel zu Worms das erbetene Patent auf die von ihm erfundene mechaniſche Rauchtabakſchneidmaſchine für den ganzen Umfang des enen Heſſen und auf die Dauer der nächſten 5 Jahre erthellt. 5) Bienſt⸗ nachrichten. Am 23. November wurde dem Schulvicar Müller zu Steinperf, Reg.⸗Bez! Bledenkopf, die evang. Schullehrerſtelle daſelbſt übertragen. Am 4. Dezember wurde der. Relax Zäger zu Oſthofen zum Ergänzungsrichter an dem Fr.⸗Ger. daſelbſt ernannt. 6) Am 11. November wurde der Förſter Lupus zu Gräfenhauſen in den Ruhe⸗ ſtand verſetzt! 7) Erledigt iſt: die evang. Pfarrſtelle zu Hauſen, Reg.⸗Bez. Gießen mlt jährlichen 796 Gulden. 8) Geſtorben ſind: am 7, April der penſ.) Schullehrer Wolf zu, Spachbrücken, Reg.⸗Bez. Dieburg; am 20, October der epang. Schullehrer Saalfeld zu Biſchofs⸗ heim, Reg.⸗Bez. Darmſtadt; am 11. November der penſ. Schullehrer Stoll zu Heidesheim, Reg ⸗Blz. Mainz; am 15. der 2. evang. Pfarrer Beiſenherz zu Breidenbach, Reg.⸗Bez. Biedenkopf; am 29. der Phy⸗ ſicatsarzt Pr. Strauß zu Vöhl, Reg.⸗Bez. Biedenkopf. 5

Weihnachts bilder. f Von C. Herloßſohn. N (Fortſetzung.) 5 In einem Zimmer des Erdgeſchoſſes, in xeinlicher Stube, ſitzt bei der Lampe ein ſchönes achtzehnjähriges Mädchen, das braune Haar geſcheitelt, die Augen emſig auf ihre Arbeit gerichtet. Die Mutter geht ab und zu, Wenn dieſe das Zimmer verlaſſen, langt Sophie ver⸗ ſtohlen aus der Schublade eine angefangene Börſe in Blau und Silber und ſtricktbeinige Maſchen daran. Sobald die geſchäftige Mutter in. das. Zimmer tritt, iſt die Börſe raſch wieder in die Schublade verſchwunden, und Sophie näht weiter an dem Spitzenkragen, als hätte ſie die Ar⸗ beit gar nicht unterbrochen. 6. Auf der niedlichen Geldbörſe aber ſind bereits in ſchlanken Zügen von milchweißen Schmelzperlen die Buch⸗ ſtaben J. S. ſichtbar. Und auf dem Arhbeitstiſche liegt ein uber gebundener Band von Schillers Gedichten, deſſen

Deckel auf der Rückſeite den Namen Julius Schwarz

denn Sophie, ſo lange die Mutter in der Stube

weilt, die Augen vonder Arbeit erhebt, ſo ſchlägt ſie eine oder die andere Seite des Buches auf, und lieſt ein Paar Zeilen, dann näht: ſie wieder fleißig weiter

Julius Schwarze iſt dein ſchöner, ſchlanker Mann von drei und zwanzig Jahren, und macht den letzten Curſus im Seminarium. Zu Oſtern erhält er eine Lehrerſtelle.

5 Die Mutter iſt wieder in die Küche gegangen, und wieder ſpaziert die blaue Börſe aus der Schublade und wird durch einige Maſchen vergrößert. au den en Auf dem Fenſterſims ſteht ein kleines Glas, und in demſelben ein Blumenſtraus: ein Büſchchen perennirenden Grüns: Myrthe und Orangenblätter. Sophie führt das Sttäuschen unter die Naſe und drückt es dann unwillkür⸗ die Appen enn enn A Aber die Mutter tritt wieder durch die Thüre, und huſch iſt die Börſe verſchwunden. f 5

Haſt Du auch nichts vergeſſen 27 fragte diesmal die Mutter, und ſetzte ſich der Tochter gegenüber.

Alles iſt fertig, antwortete Sophie zdie wollenen Strümpfe für die alte Spittelfrau, die warmen Haudſchuhe für den armen Gottlieb und die Hemdchen für des Haus⸗ manns kleinſtes Kind. Nur an dieſem Kragen, den Nach⸗ bars Lehnchen bekömmt, habe ich noch heut und morgen zu nähen. Dann ſind alle unſere Weihnachtsgeſchenke parat. Nur für Dich habe ich nichts, Mütterchen! Du haſt Dir's ja verbeten und nennſt es Spielereiz ſonſt hätterſich Dir gern noch ein zweites Sophakiſſen geſtickt.

Was ſoll uns der Prunk? entgegnete die Mutter, ver iſt vom Ueberfluß. Beſſer iſt's, Du arbeiteſt für unſre Armen etwas Nützliches: Wenn wir nur nicht ſelbſt arm wären, und den Bedürftigen mehr geben könnten. f

Was fehlt uns, Mutter? verſetzte Sophie mit Zuverſicht,haben wir nicht unſer Auskommen?

Ja,, ſeufzt die Mutter,ſo lange ich lebe die kleine Penſion; aber wenn ich micht mehr bin wer ſorgt für Deine Zukunft?/ f

In dieſem Augenblicke pocht es an die Thüre, Mut- ter und Tochter rufenherein, und es erſcheint freund⸗ lich grüßend ein junger, ſchlanker, ſchöner Mann, der Seminariſt Julius Schwarz.

Die Mutter ſagt:Guten Abend, lieber Herr Schwarz, und gibt ihm die Hand, auch die Tochter reicht ſie mit leichtem Exröthen, und er nimmt Platz an dem traulichen Tiſchchen. f f i