— 406—
Erſter Gang. I. n
Fräulein Adelgunde tritt haſtig in die Stube, wirft Hut und Crispine auf das Sopha; ihre Wangen ſind vom raſchen Gange geröthet. An der Thüre ſteht eine Frau von krankhaftem Anſehen, in ärmlicher Kleidung. Im Fenſter ſitzt Adelgunden's jüngere Schweſter Beata, emſig mit einer Stickerei beſchäftigt.
„Bin ich gelaufen,“ ſtöhnt Adelgunde, wirft ſich in einen Stuhl, und wendet ſich zu der armen Frau, die ihre Zurückkunft erwartet zu haben ſchien, mit den Wor⸗ ten:„Was wollen Sie?“
„Ich komme, um Sie zu bitten, mein gütiges Frau lein,“ antwortete demüthig die Frau,„daß Sie die Ge— wogenheit hätten, mein Armenbuch nachzuſehen, und es zu unterſchreiben, damit ich vom Frauenhilfsvereine die Weih— nachtsunterſtützung in Empfang nehmen kann.“
„Dazu habe ich jetzt keine Zeit,“ verſetzte Adelgunde raſch;„kommen Sie nach den Feiertagen;“ und zur Schweſter gewendet ſpricht ſie:„Ich weiß nicht wo mir der Kopf ſteht! Denke Dir, Beata— Rabenhorſt's Cou— ſine iſt angekommen und bleibt über die Feiertage; nun muß ich ihr auch Etwas beſcheeren, ſonſt nimmt ſie es übel. Und zu meinem großen Unglück iſt auch die alte Tante Bratfiſch wieder aufgeſtanden, und ich muß ihr die Hauspantoffeln fertig machen, die ich ſchon bei Seite geworfen. Die konnte auch noch über das Feſt krank blei⸗ ben. Weiß Gott, wie ich fertig werde. Für die Couſine kaufe ich zur Noth Etwas— aber wie ſoll es mit dem Uebrigen werden? Mein Gott, ich bin eine geplagte Creatur!“
Und bei dieſen Worten wirft ſie die angefangene ben holbvollendete Stickerei auf ihrem Tiſche durchen! ö er,
Zerſtreuung, daß an eine emſige Fortſetzung der Arbeit nicht zu denken iſt.
„Hätteſt Du es gemacht, wie ich,“ antwortete die blonde Beata, ohne von der Arbeit aufzublicken,„und früher angefangen, ſo wäreſt Du auch weiter. Aber Du wollteſt keine Vorſtellung im Theater und kein Conzert verſäumen.“
„Was ſtehen Sie noch da?“ wendet ſich Adelgunde, durch den Tadel der Schweſter noch ärgerlicher gemacht, an die arme Frau: Ich habe Ihnen doch geſagt, daß ich keine Zeit habe.“
„Mein grundgütiges Fräulein— ich möchte meinen armen Kindern gern zu Weihnachten—“
„Ach!“ unterbricht ſie das ſtrenge Fräulein,„ob Ihre Kinder ein Paar Tage früher oder ſpäter Weihnach— ten feiern, das iſt ganz gleich. Der Pfefferkuchen und das Spielzeug wird ihnen auch zu Neujahr noch früh ge— nug kommen!“ 0
„Kein Spielzeug, mein gütiges, ſchönes Fräulein,“ verſetzte die bekümmerte Mutter,„ſondern nur Sachen des äußerſten Bedürfniſſes erhalten meine Kinder: warme Socken und Kleider bei der grimmigen Kälte ſind wohl—“
„Aber ich habe Ihnen geſagt,“ ſchreit Fräulein Adel— gunde,„daß mir der Kopf brennt, daß ich mich vor Ar— beit nicht zu retten weiß, daß ich Ihr dummes Buch nicht durchleſen kann, weil ich keine Zeit habe.“
„Wenn ich Ihre Unterſchrift nicht bringe, ſo erhalte ich von der gnädigen Frau Directrice des Hilfsvereins nichts. Sie iſt ſehr ſtreng darin.“,
Ein heftigeres Wort des Unwillens ſchwebt auf Adel— gunden's Lippen, und auflodernder Zorn roͤthet ihre ſchönen Wangen; aber ſo eben erhebt ſich Beata, legt Nadel und Fingerhut auf den Rahmen, und ſagt zu der armen Frau: „Kommen Sie!“
E 7— N Nn zund offenbart in ihrem Weſen eine ſolche Hast üld*
Die folgt ihr in die Nebenſtube, wo Beata ſich an den Secretair ſetzt, das Armenbuch durchſieht, rechnet, und, nachdem ſie Alles in der Ordnung gefunden, Adel⸗ gunden's Namen, täuſchend nachgeahmt, darunter ſetzt. Dann drückt ſie der Bittſtellerin, welcher bei Adelgunden's letztem abſchläglichen Beſcheide bereits die Thränen in die Augen getreten waren, einen Gulden in die Hand, indem ſie ſagt:„Da, kaufen Sie Ihren armen Kleinen Pfeffer— kuchen und Aepfel und ein Weihnachtsbäumchen!“
Ihrem Danke ſich entziehend, hüpft ſie in die Stube zurück, und ſetzt ſich wieder an den Stickrahmen.
„Du biſt auch immer die Dumme und Gutmüthige,“ ſchilt Adelgunde, noch fortwährend in ihrer Arbeit herum ſuchend;„das Bettelvolk iſt nur auf der Welt, um uns zu ärgern.“ ö
Beata aber ſchweigt und ſtickt emſig weiter.
(Fortſetzung folgt.)
Kirchenbuchs-Auszug vom Monat Novbr. f Butz bach. Getraute:
4. Johann Chriſtoph Klein, Bürger und Schuh macher⸗
meiſter mit Eliſabetha Katharina, des Burgers und
Maurermeiſters Heinrich Engelhard dahier, eheliche erſte ledige Tochter. 1
Getaufte: 4
4. Dem Bürger und Kammmacher Johann Georg Lieb⸗ rich ein Sohn, Nicolaus, geboren den 12. October.
11. Dem Bürger, Kiefer und Bierbrauermeiſter Chriſtoph
141 aol 35 Sohn Chriſtoph, Wa Octoder. Dem Bürger und Schmiedmeiſter Marth Gee gen eine Tochter, Nathan inden Feder 26. Weiber.
20. Ein unehelicher Sohn, Nicolaus, geboren den 14. Novbr.
21. Dem Gr. Landrichter Friedrich Eitel Moritz Ebel ein Sohn, Georg Ludwig Chriſtian, geboren den 23. October. f
25. Dem Bürger und Schuhmachermeiſter Johaun Conrad
Hagemann eine Tochter, Suſanne, geboren den 10. November. 5.
Beerdigte: 9
20. Anna Katharina, des verlebten Gemeindsmaännes und Schneidermeiſters Friedrich Kalbfleiſch zu Reimenroth, Reg.⸗Bez. Alsfeld, nachgelaſſene zweite eheliche Tochter, alt 31. Jahre, 3 Monate und 12 Tage, 1 den 19. November.
21. Georg Zimmer, des verlebten Ortsbürgers und Schuh— machers Johannes Zimmer zu Niederweiſel, nachge⸗ laſſener älteſter lediger Sohn, alt 28 Jahre, 9 Monate und 4 Tage, 1 den 20. November.
29. Heinrich, des verlebten Buͤrgers und Weißbinders Philipp Feldmann dahier, nachgelaſſenes erſtes Söhn— chen, alt 4 Jahre, 6 Monate und 12 Tage, r den 27. November.
Markt⸗ Bericht. Friedberg, am 12. Dezember 1849.
Aufgefahren] Verkauft Mi 5
Gattung. wurden wurden weten (Mltr.)(Mltr.) fl. kr. Waizen 2 27747 6 2⁵ Korn 127. 12* 4 32 Gerſte. 0 10 8 3 37 F 9 50 2 35 Erhſen. 5 7—— Kartoffeln.. 75———
1
**
. 1
11
0


