Ausgabe 
15.12.1849
 
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für de 5 Provinz Oberheſſen im Allgemeinen, den Regierungsbezirk Friedberg

im Beſonderen.

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Sonnabend den 18. Dezember a

1810.

RNegierungsblatt⸗Auszüge.

Nr. 71 enthält: 1) Verordnung vom 14. November, die Ver⸗ antwortlichkeit der Baubehörden betreffend. 2) Bekanntmachung des Miniſteriums des Innern, die Beſtellung der Wahlcommiſſäre für die Wahlen der Abgeordneten zu den beiden landſtändiſchen Kammern be treffend: daß an die Stelle des zum Wahlcommiſſär für die Wahl zur erſten Kammer im 18. Wahlbezirk Waldmichelbach und Beerfelden und zur zweiten Kammer im VII. Wahlbezirk der Provinz Starken⸗ burg, Waldmichelbach, beſtellten, aber verhinderten Herrn Landrichters Stockhauſen zu Fürth, nunmehr Herr Regierungsſecretär v. Rüding zu Heppenheim zum Wahlcommiſſär für dieſe Wahlbezirke ernannt worden iſt. 3) Namensveränderung. Am 10. November wurde dem Heinri e rey zu Niedereſchbach, im Regierungsbezirke Friedberg, ge⸗ e, Alaftig den NamenSchmidte zu führen. 4) promotion auf der Gr. Landes ⸗Univerſität Gießen. Am 14. November wurde die Doctorwürde der Philoſophie an Johann Baptiſt Geher von Mainz verliehen. 5) Dienſtnachricht. Am 11. November wurde dem Pfarrer Engel zu Kelſterbach die evang. Pfarrſtelle zu Reinheim, Reg. Bez. Dieburg, übertragen. 6) Am 26. November wurde der Oberſteuerbote Henß zu Bensheim ſeines Dienſtes entlaſſen. 7) Erledigt ſind: die evang Pfarrſtelle zu Dienheim, Reg-Bez. Mainz, mit jährlich 889 Gulden; die evang. Pfarrſtelle zu Mommern⸗ heim, Reg.-Bez. Mainz, mit jählich 796 Gulden. 8) Geſtorben find: am 8. September der penſ. Schullehrer Crönlein zu Nackenheim, Reg⸗HBez. Mainz; am 6. November der evang. Schullehrer Fauſt zu Pfungſtadt, Reg.⸗Bez. Heppenheim; am 10. der evang. Schullehrer Steinhäuſer zu Michelſtadt, Reg.-Bez. Erbach.

Weihnachtsbilder. Von C. Herloßſohn.

Ihr kennt ſie, die Blüthenzeit des Winters, die ſchönſte Woche in der Chriſtenheit! Jeder freut ſich des Empfangens und des Gebens, und vor Allem ſind es die Kindlein, denen der Herr, dieweil er ſie liebte, dieſen Feſt tag eingeſetzt hat. Reicht doch keine Freude über die kindliche, und in keinem Auge leuchtet das Glück ſo him melrein, wie im Kindesauge!

Oft iſt die Luft rauh und trübe in dieſer Jahreszeit unter unſerm Himmel. Eiſiger Regen ſtrömt aus den Wolken, oder der Froſt bildet weiße Blumen an den Fenſterſcheiben, und läßt den Tagesſtrahl nur gedämpft in unſre Zimmer. Aber wie herrlich ſtrahlt am Chriſtabend der Tiſch, um den ſich die Liebe verſammelt, wo die Menſchheit ihrem ſeligſten Berufe nachkommt: zu erfreuen und zu beglücken.

In derſelben Zeit iſt unter den Tropenländern lachen der Frühling; die Natur quillt und ſtrotzt dort an Blatt und Frucht. Es wohnen dort auch Chriſtenmenſchen un⸗ ter der geſegneten Zone, aber ſie kennen, ſie feiern nicht die trauliche Blüthenzeit wie wir in der durchwärmten, lauſchigen Stube, gedrängt durch die rauhe Luft auf einen

engen Raum! Heller und majeſtätiſcher leuchten dort.

die Sterne vom Himmel; unſerm Norden, unſerm umwölk

ten Himmel ward der Schimmer des Weihnachtsbaumes beſchieden und die Weihnachtsfreude! 75 i

Und der Weihnachtsbaum! Er ſchimmert mit

ſeinen goldenen Lichtern, wie ein ſonniges Frühroth, in

die Träume der Kinderjahre. Ach, warum kann der Menſch nicht ewig Kind bleiben, wo der Weihnachtsbaum ſeine Sonne iſt, die mit ihrem Strahl ihm ein ganzes Jahr vergoldet, bis dahin, wo wieder Chriſtnacht iſt!

an, Darum, Ihr, die Ihr geben könnt, gebet! Denn

Geben iſt ja ſeliger als Nehmen, und vergeſſet auch Derer nicht, deren Wiege einſam geſtanden, deren Jugendſpielen und Kindheitfreuden kein Vaterauge, kein Mutterauge ge lächelt. Die Waiſen und Verlaſſenen alle ſollten unſere Kinder ſein, als ein Vermächtniß der Verſtorbenen an die Lebendigen!

Wandre nun mit mir hinaus, lieber Leſer, durch die Straßen, über den Weihnachtsmarkt, dann durch die Gaſ ſen und Gäßchen, bis dahin, wo die letzten Häuſer ſtehen; blicken wir empor zu den Fenſtern, aus denen goldene

Helle bricht, wo die frohe Stimme der Erwachſenen ſich

miſcht mit dem Jubel der Kinder, in den glänzenden, er wärmten Gemächern, wo Chriſt eingezogen iſt mit ſeinen Gaben, um zu rühren und zu beglücken, wo die Thräne der Freude und des Dankes im Auge blinkt; aber auch

dort hinauf kehren wir die Blicke, wo nur matter Schein

durch die Scheiben bricht, wie der verdämmerude Augen ſtrahl eines Sterbenden; wo die Finſterniß heut wohnt und der Froſt: da hauſ't das Elend und die bittere Ent

behrung, da ſchimmert kein Weihnachtsbäumchen, da tritt

keine Huldgeſtalt herein, ſtrahlend wie der Engel der Liebe, und ſpendet Gaben, ſpendet Troſt und Erhebung. Aber Chriſt, der vorüberwandelt auch an den Hütten und Kammern dieſer Verlaſſenen und Gebeugten, hört ihre Seufzer und ſieht ihre Thränen, und er bereitet ihnen oben einen Weihnachtsbaum, wo ſie bei der Beſcheerung die erſten und die liebſten ſeiner Kinder ſein werden, weil ſie ſchuldlos auf Erden in Noth und Traurigkeit gewandelt; oft aber ſendet er auch Menſchenbrüder und Schweſtern, deren Herz weich und deren Blick hell iſt und hineindringt in die Dachkammern und Kellerſtuben, und dort die Ent behrung ſieht und die Thräne des Kummers, und die da geben mit milder Hand und tröſten mit ſanftem Munde.

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