Ausgabe 
13.6.1849
 
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Intelligenz-Blatt

für die Provinz Oberheſſen

im Allgemeinen, 888 4

den Regierungsbezirk Friedberg

im Beſonderen.

. 45.

Mittwoch den 13. Juni

1849.

Die Ungarn.

Ungarn, ein ebenſowohl durch ſeine vielen Eigen thümlichkeiten merkwürdiges, als durch ſeinen fruchtbaren Boden mit Reichthümern und Schätzen der Natur geſeg netes Land, hat von den älteſten Zeiten her die berühm teſten Völker Europa's und des weſtlichen Aſiens ange zogen, deren immer eines das andre wieder, bald gänz lich, bald zum Theil, verdrängte, bis endlich um's Jahr 900 die Magyaren, ein ſcythiſcher Volksſtamm, unter ihrem Heerführer Almoſch ſich und deſſen Sohn Arpad Alles unterwarfen. Die eroberten Ländereien wurden nun in 7 Stämme und 108 Geſchlechter eingetheilt und

Arpad's Nachkommen beherrſchten Ungarn bis 1301. Die

Magyaren waren aber an ein kriegeriſches Nomaden leben gewöhnt; ſie hatten daher kaum das neue Land er obert und beſetzt, als ſie auch ſchon wieder neue Kriegs züge unternahmen und, vermehrt durch viele Schaaren von Völkern, die ihnen der Ruf ihrer Heldenthaten und ihres Kriegsglücks zuführten, Deutſchland bis an die Nord ſee, den ganzen Süden Frankreichs und Italiens durchzogen, ja ſogar bis vor die Thore von Konſtantinopel vordrangen, bis zu Ende des 10. Jahrhunderts unter ihrem Anführer Geyſa das Chriſtenthum unter ihnen eingeführt wurde und mit ihm Liebe zum Frieden, und zum Ackerbau ein⸗ drang. Geyſa's Sohn, Stephan der Heilige, war vom Kaiſer als erblicher König anerkannt und erhielt vom Pabſt Sylveſter II. die noch jetzt aufbewahrte apoſtoliſche Krone. Dieſem großen Fürſten verdankte Ungarn ſeine Eintheilung in 72 Comitate(Geſpannſchaften), die erſte Geſetzgebung und den Anfang einiger Bildung. Da in deſſen die Krone erblich, aber die Erbfolge unbeſtimmt war, entſtanden nach Stephan's Tod(1038) beinahe 50jährige ununterbrochene Kriege, die erſt mit Ladislaus Thronbeſteigung 1085 endigten. Die dadurch und durch die verwüſtenden Durchzüge der Kreuzheere entſtandenen Verheerungen wurden durch Aufnahme einer chen An⸗ zahl ſächſiſcher und niederländiſcher Coloniſten unter Geyſa II. einigermaßen wieder gut gemacht; aber jede Spur der wieder aufblühenden Cultur verſchwand und das Land wurde beinahe zur menſchenleeren Wüſte, als von 124143 unzählige Mongolenhorden den König Bela IV. aus dem Lande zu ziehen zwangen und Alles mit Feuer und Schwert verwüſteten. Neue Einwanderungen von deutſchen und italieniſchen Coloniſten erfolgten und ein zweiter Einfall der Mongolen 1285 ward beſſer abgewehrt als der erſte.

Mit Andreas III. erloſch 1301 das Haus Arpad. Unter den Regenten aus dem Hauſe Anjou, deſſen Erbfolge der Pabſt unterſtützte und begünſtigte, erreichte Ungarn den höchſten Gipfel ſeiner Macht. Karl Robert von Anjou regierte von 1308 42 als ein ausgezeichneter Fuͤrſt. Noch bedeutender war ſein Sohn Ludwig der Große, 134282, welcher die Grenzen ſeines Reiches über Polen, Rothrußland, die Moldau und Serbien erweiterte. Er hinterließ nur zwei Töchter, wovon er die jüngſte, Hed wig, an den König von Polen, die älteſte, Marie, an Sigismund, nachmaligen Kaiſer, vermählte. Sigismund's Regierung füllten ſeine Streitigkeiten mit den Großen des Reichs, der Einbruch der Türlen 1391 und die Huſſiten⸗ kriege aus. Die kurze Regierung des trefflichen Albrecht von Oeſtreich 1437-39 konnte dem Reiche wenig helfen, und ſein Nachfolger, der König von Polen, Wladislav II., fiel 1444 in der blutigen Schlacht bei Varna, nachdem der Plan ſeines tapfern Rathgebers, des unſterblichen

Johannes von Hunpyad(eines natürlichen Sohnes Sigis

mund's): die Türken ganz aus Europa zu vertreiben, an der Lauheit der chriſtlichen Höfe und den Ränken ſeiner Neider geſcheitert war. Jetzt wählten die Ungarn den tüchtigſten Mann ihres Volkes, den großen Matthias Corvinus, Sohn Hunyad's, 145890, der, wie ſein Vater der Schrecken der Türken war, Mähren, Schleſien, die Lauſitz, Wien und die angrenzenden öſtreichiſchen Pro vinzen eroberte und Künſte und Wiſſenſchaften unterſtuͤtzte. Unter ſeinem ſchwachen Nachfolger, Wladislaus von Böhmen 14901516, verlor aber Ungarn wieder ſeine öſtreichiſchen Provinzen; Mähren, Schleſien und die Lau ſitz wurden beinahe ohne Schwertſtreich preisgegeben und die Venetianer riſſen den größten Theil von Dalmatien an ſich. Noch übler ſah es unter deſſen Sohn Ludwig II., 1516-26, aus. Die Großen des Reichs theilten ſich in Parteien, die Türken fielen ungeſtraft in's Land und als Ludwig ſie bekämpfen wollte, wurde er mit dem größten Theil ſeines Heeres bei Mohacz niedergehauen. Jetzt ſtritten ſich Johann Zapolya, Statthalter von Sieben bürgen, und Ferdinand J. von Oeſtreich um die Ober herrſchaft, bis Letzterer endlich den Sieg davon trug und Ungarn für immer an ſein Haus brachte, mit Ausnahme von Siebenbürgen, das er ſeinem Nebenbuhler überlaſſen mußte und das erſt 1598 mit der öſtreichiſchen Monarchie verbunden wurde.

Seitdem das Haus Habsburg den Scepter des hei ligen Stephan in den Händen hält, hat daſſelbe beſtändig

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