Jede Prairie iſt wie ein unbegrenzter Blumengarten; verſchiedene Farben künden dabei die verſchiedenen vor⸗
rückenden Jahreszeiten an; zuerſt herrſcht die Farbe der
Pfirſichblüthe vor, dann kommt ein tiefes Roth, dann Gelb, und gegen Ende des Herbſtes liegt es wie ein gol⸗ dener Hauch auf der unabſehbaren Wieſenfläche. Nur in der Erdbeerzeit ſind Tauſende von Aeckern mit dem ſaf— tigen Roth dieſer delikaten Früchte bedeckt.
Der Boden iſt durchſchnittlich vorzüglich und enthält viel Schlammerde. Wie aber auch die Prairien von An- fang an entſtanden ſind, erhalten werden ſie jedenfalls durch die jährlichen Feuer, mit deuen ſie, ſoweit zurück die Uebertragungen reichen, regelmäßig heimgeſucht ſind. An den Ufern der Ströme und an anderen ſolchen Stellen, wo das Land fruchtbar genug iſt, dem Brande zu wider⸗
ſtehen, exiſtirt keine Prairie, und dichte Holzung erhalt
dort nicht allein ihre Stellung, ſondern ſcheint auch jähr⸗ lich immer mehr die Prairien zurückzudrängen. Sobald dieſe gepflügt ſind, zeigen ſich ebenfalls junge Baumkeime.
Die Jäger und Indianer zünden dieſe Steppen näm⸗ lich alljährlich an, was einem doppelten Zwecke entſpricht: erſtlich ſuchen ſie das Wild aufzutreiben und zum Schuſſe zu bekommen, und dann fordern ſie auch das Wachsthum des Graſes, das an ſolchen Brandſtellen noch einmal ſo üppig emporſchießt. Einen großartigen Anblick gewährt! eine brennende Prairie, und iſt das Gras recht hoch, trocken und holzig, ſo tobt die Gluth mit donnerähnlichem Ziſchen und Brauſen über die weite ungeheure Fläche dahin. Mächtige Rauchſäulen wirbeln empor und bei Nacht ſcheint es faſt, als ob der ganze Himmel im Feuer ſtände; nichts aber ſieht trauriger aus, als eine ſolche Prairie nach dem Brande,— eine öde, ſchwarze Fläche, ein ungeheures Holzkohlenlager. Werden Reiſende oder Jäger von einem ſolchen Feuer in der Prairie. überraſcht, ſo iſt allerdings Gefahr, beſonders wenn ſie ſich auf einer mit hohem Graſe bedeckten Stelle befinden, daß ſie von der reißend ſchnell, weiter freſſenden Flamme erreicht werden, wonach an keine, Rettung zu denken wäre. Das beſte Mittel iſt dann, das Element mit dem Elemente ſelbſt zu bekämpfen. Ein ziem⸗ lich großer Raum ſchnell abgeſengt, gewährt dem alſo Be⸗ drängten Schutz, denn ſobald die Gluth den Rand dieſes neuen Brandflecks erreicht, findet ſie natürlich keine Nah⸗ rung weiter und muß ſich ſelbſt verzehren.
Einige Theile dieſer Praſrien ſind geſund, einige naß, und einige trocken und wellenförmig; auf den erſteren ent⸗ ſpringen hie und da Quellen und ſind dann mit kleinem Gebuͤſche von Haſelſträͤuchen, Stechginſter und Saſſafras bedeckt, zwiſchen denen ſich hie und da wilde Weinreben durchſchlingen. Anfangs März blühen die Waͤlder und der prächtige Judaskirſchbaum(Cerus Canadensis), die Lonicera flava und der gelbe Jasmin verleihen dabei der Landſchaft einen eigenthümlichen Reiz und durchhauchen ſie mit ihrem Gewürzdufte.
Die naſſen Prairien liegen gewöhnlich an den Ufern großer Ströme oder wenigſtens in der Nähe derſelben, ſind mit Schlammerde überzogen und ungemein fruchtbar. Vom Mai bis Oktober decken Gras und Blumen die ſe herrliche Fläche.
Die trockenen oder wellenförmigen Prairien entbehren faſt aller Quellen und jeder Vegetation, Gras ausgenom⸗ men; größtentheils haben ſich aber Teiche auf ihnen ge⸗ ſammelt, die entweder von ſtarken Regengüſſen oder von dem im Frühjahr geſchmolzenen Schnee zurückgeblieben ſind. In dieſen findet man faſt alle die Fiſche, die in Strömen vorkommen, und die benachbarten Anſiedler holen ſich oft Wagenladungen davon. Trocknen ſie aber aus und laſſen ſie ihre unglücklichen Bewohner auf dem feſten Lande zu⸗ rück, dann werden durch deren Verweſungsgeruch Tauſende
*
von Buſſards angezogen, die ſich von ihnen ernähren.
Dieſer Vogel, auch gewöhnlich Turkey-Buſſards oder Truthahn⸗Buſſard genannt, wegen ſeiner Aehnlichkeit mit dem Truthahn, lebt nur von Aas oder verweſendem Fleiſche und wird dadurch ſo nützlich, daß man ihn, beſonders in den ſüdlichen Städten der Vereinigten Staaten, durch das Geſetz ſchützt. Auf ſeine Erlegung ſind fünf Dollars Strafe geſetzt. Es iſt aber ein entſetzlich eckelhafter Vogel und ſtopft ſich in Gier und Gefräßigkeit nicht ſelten ſo voll, daß er gar nicht mehr fliegen kann. Er brütet in einſamen Sümpfen und macht ſein Neſt in alten Baumſtämmen und ausgeriſſenen Wurzeln. Man ſagt auch, daß, wenn Men⸗ ſchen ein ſolches Neſt finden und einen der jungen Vögel in die Hand nehmen, dieſer eine ſolche Maſſe eckelhaften Stoffes von ſich gebe, daß man gern froh iſt, wenn man ſo ſchnell als möglich ihrer Nachbarſchaft entfliehen kann; die Alten ſollen ſich ihrer Feinde auf ähnliche Art entledigen.
Wenn das Gras auf einer Ebene erſt einmal über⸗ hand genommen hat, ſo kommt der Baumwuchs nicht mehr durch; iſt dieß aber durch den Pflug zerſtört, ſo verwan⸗ delt ſich das offene Land bald in Waldung. Jene Flaͤchen, welche die Farmer in alten Zeiten abmähten, um Heu zu machen, ſind jetzt mit üppigem Baumwuchſe bedeckt.
In Illinois gibt es auch Länderſtrecken, die„Barrens/ jenannt werden z es iſt offener Wald oder, beſſer geſagt, Pralſie mit Eichen ohne Unterholz. Die Oberfläche der⸗ ſelben iſt gewöhnlich trocken und einzelne Fichten und Hickorys miſchen ſich mit den übrigen Waldbäumen; keine Gattung erreicht aber einen hohen Wuchs; das einzige Buſchwerk, was einige Höhe darin erreicht, iſt der pur⸗ purblühende Sumach. In dieſen offenen Eichenwäldern findet man aber auch nicht ſelten die herrlichſten Scenerien der vereinigten Staaten. Unabſehbare Strecken dehnen. ſich wie ein üngeheuerer Park vor dem entzückten Wan⸗ derer aus, Hügel und Thäler wechſeln ab; hier ſtehen Bäume in einzelnen Gruppen und Dickichten, dort dehnen ſſe ſich in langen, wie von Menſchenhänden angelegten Alleen aus, und zwiſchen dieſen, wie ein mit den herrlichſten Muſtern durchwirkter Teppich, ſchwankt und wogt das blüthendurchwobene Gras der Prairie. Oft ſogar unter⸗ bricht ein ſpiegelglatter See die weite Landſchaft und gibt dann dem Ganzen etwas eigenthümlich Friſches, Lebendiges; die jährlichen Feuer halten aber auch den Wachsthum dieſer Barren zurück, und könnte dem Einhalt gethan werden, ſo würde bald dichte Waldung Hügel und Thäler bedecken.
Der Büffel hat dieſe Ebenen gänzlich verlaſſen und findet ſich nur noch an den Quellen des Miſſiſſippi oder an deſſen weſtlichen Ufern. Früher waren freilich die Prairien von Illinois mit Tauſenden derſelben bedeckt, und noch jetzt verrathen unzählige, das Land nach allen Richtungen hinkreuzende, ausgetretene Pfade die Weideplätze, von denen ſie, den Indianern gleich, vertrieben wurden. Dieſe Pfade benutzten ſie, wenn ſie mit dem Wechſel der Jahreszeiten ihren Weidegrund änderten und aus Niederungen in das trockene, hügelige Land oder wieder zurückzogen. Die Pfade ſind ſchmal, folgen aber einer ungemein geraden Richtung durch den Wald und zeigen, wie die Thiere in ſogenannter indianiſcher Linie, wilden Waſſervögeln gleich ihre Bahn zogen. f 5 8—
Hirſche ſind ſehr zahlreich und ſcheinen mit der Be⸗ völkerung eher zu- als abgenommen zu haben, da die Weißen ihren gefährlichſten Feinden, den Wölfen beſonders, nach⸗ ſtellten. Die Ilinols⸗Jäger verſichern dabei, daß ſich der Hirſch mit ſeiner Aeſung ganz vorzüglich nach dem Monde richte und ſein Lager verlaſſe, ſobald dieſer aufgehe. Der Jäger reitet dann um dieſe Zeit pirſchen und gleitet, wenn er das Wild bemerkt, leiſe aus dem Sattel, wonach ſein Pferd ruhig ſtehen bleibt. Der Hirſch nun, der ſeine Auf⸗
—


