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auf einem Blocke gemächlich nieder und langte aus dem Teppich, den er am Riemen über die Schulter trug, ein Stück Büffelleber, welches Beide mit beſtem Appetit roh verzehrten, ſammt etlichen Streifen getrockneten Büffel— fleiſches, das die Stelle von Brod verſehen mußte. Es wäre gefährlich geweſen, hier ein Feuer anzuzünden, weil der Fall denkbar war, daß etliche Indianer das Lager ver— laſſen hatten, um zu jagen, denen dann der Rauch alsbald die Nähe ihrer Feinde verrathen haben würde. Sie ſchlu— gen nur Feuer, nm ein wenig zu rauchen, wickelten ſich alsdann, nachdem ſie ſich dieſen Genuß eine Weile gegönnt, in ihre Teppiche und lagen bald neben einander im ge— ſündeſten Schlafe. a
Wäre Killbuck ein Zauberer oder Prophet geweſen, er hätte den Plan der Indianer nicht treffender errathen haben können. Etwa drei Stunden vor Sonnenuntergang erhob und ſchüttelte er ſich, was hinreichte, um ſeinen Ge— fährten zu wecken. Er hieß aber La Bonté nur wieder hinliegen und ruhig weiter ſchlafen, weil er nur das feind⸗ liche Lager recognosciren wolle. Nachdem er noch ſorgſam nach ſeiner Büchſe geſehen und ſeinen Leibgurt etwas feſter geſchnallt, machte er ſich auf ſeinen gefährlichen Weg. Von derſelben Anhöhe aus, von wo ſie am Mittage zuerſt das indianiſche Lager entdeckt hatten, überſchaute er ſich nochmals dieſes und die ganze Umgegend, und beſonders eine Schlucht, durch welche er ohne Gefahr, entdeckt zu werden, ſich dem Lager noch um ein Namhaftes mehr nähern konnte. Dieſe hatte er auch bald erreicht, und nach Verfluß von einer halben Stunde lag der alte Trap⸗ per auf einer foͤhrenbewachſenen Anhöhe hart am Boden, kaum auf Büchſenſchußweite vom Lager entfernt und von dem niederhängenden Gezweige der Zedern und Lebens— bäume ſo dicht verſteckt, daß keine Handbreite von ihm zu ſehen war. Auch hatte er nicht zu befürchten, daß ſie ſeine Fährte entdecken würden, denn er hatte unterwegs immer Sorge getragen, ſeinen Fuß nur auf das nackte Geſtein zu ſetzen, ſo daß auch nicht die mindeſte Spur ſeiner Mocaſſinen ſich abdrücken konnte. Hier lag er nun wie ein auf Beute lauernder Luchs und lachte nur hie und da in ſich hinein, wenn irgend eine Bewegung im indianiſchen Lager ihn über ſeine vortheilhafte Nahe erfreut machte. Zu ſeiner Verwunderung entdeckte er, daß die feindliche Schaar weit geringer war als er vermuthet hatte, denn ſie zählte nur etwa vierzig Krieger, woraus er mit Zuverſicht ſchloß, daß ſich die Truppe getheilt haben müſſe und die eine Hälfte der Fährte der Yutas am Boiling Springs River folgte, während die andere(nämlich die vor ihm) einen längeren Umweg machte, um das Bayou zu erreichen und die Nutas von einer anderen Seite her zu überfallen.
Die Indianer hielten in dieſem Augenblicke Kriegs rath; in weitem Kreiſe ſaſſen ſie um ein ſehr kleines Feuer“) her, deſſen Rauch in einer feinen geraden Säule aufſtieg, und rauchten um die Wette und nach einander aus drei oder vier Pfeifen mit langen Kirſchbaumholzröhren, die in die Runde gingen. Jeder Krieger berührte den Boden mit dem Untertheil des Pfeifenkopfes und kehrte das Rohr von ſich abgewandt nach oben, als eine Art Rauchopfer
) Es beſteht ein großer Unterſchied zwischen den Feuern der Weißen und denen der Indianer. Während der Weiße grüne Aeſte und gewaltige Klötze in das Feuer rollt, und eine Glut anfacht, an welcher man einen ganzen Büffel röſten könnte, beſchränkt ſich die Rothhaut nur auf ein kleines Feuer aus dem dürrſten Holze und gräbt dazu noch eine kleine Feuerſtelle in die Erde, um ja recht wenig Rauch zu machen und die Spur ſeines Feuers wieder leicht verwiſchen zu können.
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oder„Mediein“ für den großen Geiſt, bevor er ſelbſt den duftigen Kinnik⸗kinnik(Tabaksrauch) einſaugte. Der
Kriegsrath war jedoch kein allgemeiner, denn es nahmen
nur etwa 15 ältere Krieger daran Antheil, während die anderen in einem größeren Kreiſe weiter außen ſaßen. Hinter Jedem waren ſeine Waffen: Kocher und Bogen, welche ſammt dem Schild von dem in die Erde gegrabenen Speer herabhingen; nur an einigen Speeren hingen Feuer⸗ gewehre in verzierten Büchſenſtrümpfen aus Hirſchhaut. — Neben dem Feuer, im Mittelpunkte des inneren Krei— ſes ſteckte ein Speer aufrecht im Boden, an welchem die vier Kopfhäute der in der vergangenen Nacht erſchlagenen Trapper baumelten, und unter dieſen, am ſelben Speer, die geheimnißvolle„Medieintaſche,, an welcher Killbuck ſah, daß die Truppe vor ihm unter dem Befehl des vor— nehmſten Stammeshäuptlings ſtand. Die Krieger deuteten während der Berathung häufig auf dieſe blutigen Tro— phäen, wenn ſie das Wort ergriffen, und mehrere von ihnen machten dabei mit der rechten Hand und Vorder— arm jene wirbelnde Bewegung, womit ſis ſagen wollen, daß ſie durch Liſt oder Geſchicklichkeit einen Vortheil uber ihre Feinde erreicht haben. Dann wies der Redner weſt— wärts, ſtreckte den Arm aus und ebenſo mehrmals die Finger ſeiner rechten Hand und deutete auf den Medicin⸗ peer, als wollt' er damit ſagen: wiewohl ſchon vier Scalpe an dem Pfahle hingen ſo ſeie dies doch noch gar Nichts gegen die Menge von Kopfhäuten, welche ſie noch zu erbeuten hofften, wenn ſie ihre Erb- und Todfeinde, die Putas, im Salzthale finden würden; und Einer um den Anderen ſchien ſich in jenen Prahlereien zu ergehen, womit die älteren Krieger auf dem Kriegspfade den Muth und Ehrgeiz der Jüngeren und Ungeuͤbten zu befeuern ſuchen. (Fortſetzung folgt.)
Bericht des Ausſchuſſes des Armen⸗Vereins dahier für den Monat April 1849.
Unterſtützt wurden von dem Vereine 536 Arme der Umgegend und Reiſende, beſonders Handwerker. Für dieſe Unterſtützungen wurde die Summe von 50 fl. 29 kr. ver⸗ ausgabt.
Für diejenigen Armen der Umgegend, für welche die ordnungsmäßige Beſcheinigungen eingelaufen ſind, iſt Ent— ſchließung gefaßt worden und hat man aus Rückſicht für die alten oder gebrechlichen Armen ſelbſt und für das Publi⸗ kum dahin Einleitung getroffen, daß dieſen Armen die Un- terſtützungen durch Vermittelung der Herren Geiſtlichen zukommen. f
Indem dieſer Bericht zur Kenntniß des Publikums gebracht wird, hält man es an der Zeit diejenigen Bewoh- ner hieſiger Stadt, welche dem Vereine nur deßhalb nicht
beigetreten ſind, weil ſie deſſen günſtigen Erfolg bezweifel-
ten, aufzufordern, ſich nunmehr dem Verein anzuſchließen.
Man erwartet auch um ſo zuverſichtlicher dieſen Beitritt,
da es gewiß der Wille der Nichtmitglieder des Vereins
nicht ſeyn kann, ſich auf Koſten ihrer Mitbürger einer faſt
unerträglichen Bürde enthoben zu ſehen. i Friedberg den 6. Mai 1849.
f Der Ausſchuß des Armen-⸗Vereins. Boutemy, Peter. Buß, Domainenrath, Decher, Heinr. Dieffenbach, Profeſſor. Falck, Johs. Groß, Carl. Hirſch, Mayer. Krach. Pfeffer, Jacob. Reuß, F. W. Steinhäuſer, Johs. Stelz, Conrad.
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