Ausgabe 
10.10.1849
 
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. 331 n i Der Alte ſah voll Dafkes den Herrn an, der mit%%

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in Praun zu * eine ſchr Oaume, und der Wiener u, Vornehn d kamen auc freuten. W) Ae zu hoffen, Numenſchen

tler, Orgel, Azer zu ver,

n ſeine kleine etteln mochte er von ſeinen at. Er ſpielte seinen treuen im ſaß und eute die paar

ud der Pudel ingen vorüber ate nur, mul haben müſſen. del; ein altet/ Gar manche hatte ihm in dem für das i Finger an Kartatſchen⸗ und faſt zu 8 Bein weg. auf ihn, und ziten auf ſeine t ſeine allen

die wogende auf die ſtolſe g em Stach bungern auf pudel war un uf dem Heim an dem el

ſie glockenrein, validen und ſagte; und ich ſpiele! 10

Der fing denn nun an zu ſpielen, daß der Alte ſeine

Geige neugierig betrachtete und meinte, es ſei ſie gar nicht

mehr; denn der Ton ging wunderbar in die Seele und die Manchmal war's, als

Töne rollten wie Perlen dahin. jubilirten Engelſtimmen in der Geige und dann wieder, als klagten Töne ſchweren Leids aus ihr heraus, die das Herz ſo bewegten, daß die Augen feucht wurden.

Jetzt blieben die Leute ſtehen und ſahen den ſtattlichen Herzen an und horchten auf die wundervollen Töne. Jeder⸗

mann ſah's, der Herr geigte für den Armen, aber Nie- mand kannte ihn. Immer größer wurde der Kreis der Zu⸗

hörer. Selbſt die Kutſchen der Vornehmen hielten an. Und was die Hauptſache war, Jedermann ſah ein, was der kunſt⸗ reiche Fremde beabſichtigte, und gab reichlich. Da, fiel Gold

und. Silber in den Hut und auch Kupfer, je nachdem's die

Leute hatten und je nachdem das Herz war. Der Pudel knurrte. nicht mehr halten, ſo ſchwer war er geworden.Macht ihn leer, Alter, riefen die Leute dem Invaliden zu,er wird noch einmal voll! Der Alte that's und richtig! er mußte ihn noch einmal leeren in ſeinen Sack, in den er

die Violine zu ſtecken pflegte. Der Fremde ſtand da mit

leuchtenden Augen und ſpielte, daß ein Bravo! über das andere erſchallte. Alle Welt war entzückt. Endlich ging

der Geiger in die prächtige Melodie des Liedes:Gott

erhalte Franz, den Kaiſer! u. ſ. w. über. Alle Hüte und Mützen flogen von den Köpfen; denn die Oeſtreicher liebten

ihren edlen Kaiſer Franz von ganzem Herzen, und er ver⸗

diente es auch; allgemach wurde der Volksjubel ſo groß, daß plötzlich alle Leute das Lied ſangen. Der Geiger ſpielte in der größten Begeiſterung, dann legte er raſch die Geige in des glücklichen Invaliden Schooß, und ehe der alte Mann ein Wort des Dankes ſagen konnte, war er fort.

Wer war das?/ rief das Volk.

Da trat ein Herr vor und ſagte:Ich kenne ihn ſehr wohl, es war der ausgezeichnete Geiger Alexander Boucher,(ſprich: Buſcheer), welcher hier ſeine große Kunſt im Dienſte der Barmherzigkeit übte. Laßt uns aber ſein edles Beiſpiel nicht vergeſſen!

Der Herr hielt ſeinen Hut hin, und aufs Neue flogen die Sechsbaͤtzner in den Hut des Herrn, der dießmal für

den Invaliden aufhob. Alles gab, und als dann der Herr

das Geld abermals in des Invaliden Sack geſchüttet, rief er:Boucher lebe hoch! 8 e Hoch! hoch! hoch! rief das Volk. Und der Invalide fältete ſeine Hände und betete: Herr, belohne Du's ihm reichlich!

Und ich glaube, es gab an dieſem Abende zwei Glück⸗ liche mehr in Wien. Der Eine war der Invalide, der nun weithin ſeiner Noth enthoben war; und der Andere war Boucher, dem ſein Herz ein Zeugniß gab, um das man ihn beneiden möchte.

Wir aber ſagen: Hut ab vor dem Boucher, und wenn er auch tauſendmal ein Franzoſe war!

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Geigen. Was er aber wollte, verſtand der Jnpalide doch l ie war nun ſo ſchlecht 0 nicht; nur der gewöhnliche Geiger kratzte ſo übel. Er ſtimmte

bis das Lied zu Ende war;

Ein Rettungshaus für Blinde.

Zwecke zu bringen, ſondern man berührt eine/ in jedem Augenblicke zum Aufſpringen bekeiteke Knos pe, als der

die herrliche Blüthe, Wohlthätigkeitsſinn genannt, aus

ihrer dünnen Hülle hervorbricht und reift zu der edelſten Frucht

Hülfe. Es kann hier nicht die Aufgabe ſein, all der

heilſamen Anſtalten zum Wohle der, leidenden Menſchheit zu gedenken, ſondern nur eine wollen, wir, deren man bis

jetzt, bei uns wenigſtens, noch nicht! gedacht, hervorheben, es iſt die in der Aufſchrift bezeichnete Anſkalt für Blinde. Dieſer armen unglücklichen unſerer Brüder, die zu lebens⸗

länglichem Dunkel und Finſterniß verürtheilt ind, hat man

nur dann gedacht, wenn man denſelben ein Almoſen im

azar's Plaſir oder Aerger 2 Er konnte den Hut Vorübergehen darreichte. Dieſe Gabe kann aber eher ſchä d⸗

lich als nützlich für die Empfänger werden, darum iſt es

nöthig ihnen eine andauernde, Unterſtützung angedeihen

zu laſſen. Das kann leicht geſchehen, wenn man ihnen ein Aſyl oder ein Verſorgungshaußs eröffnet, in dem ſig Erziehung, Unterricht, Beſchäftigung und hierdurch Lebens unterhalt finden. Der Unterzeichnete hat' es in Gottes Namen übernommen ein ſolches Haus zu gründen und ſchon liegen ſchöne Beiträge in ſeinen Händen. Auch ein paſſendes Local hat er und es bedürfte nur noch einen einzigen Groſchen von jeder

Seele unſers engern Vaterlandes und es, wäre vollſtän⸗

dig für alle Blinde unſeres Großherzogthums geſorgt. Er bittet daher Alle, die dieſes leſen und hören um ein ſolche kleine Liebesſteuer. Jeder Familienvater zähle nur ſeine Hausgenoſſen und er wird bald finden, daß es ein gar kleines Opfer iſt, wodurch er einen großen Zweck fördert. Jeden Monat wird ein Verzeichniß der eingegan⸗

genen Groſchen veröffentlicht werden und eine nicht ſehr

große Summe reicht hin den erſten Blinden aufzunehmen, was vorläufig bei dem Unterzeichneten geſchehen wird. 15

Blinde, von denen keiner das 22. Lebensjahr überſchritten

hat, ſind theils ſchriftlich theils mündlich angemeldet und ſehr dringend zur Aufnahme empfohlen. Eine Gemeinde (Staufenberg bei Gießen) hat ſich zu einem Beitrage von 30 fl. ſchriftlich erklärt. Nun wolle Gott viele Herzen er⸗ wecken, dieſes Liebeswerk zu fordern und ſein Segen ruhe auf demſelben. b

Friedberg Anfang October 1849.

J. P. Schäfer, Taubſtummen⸗Lehrer.