— 330—
entſchädigung; die Revlerförſterſtelle zu Altenlotheim mit der etatsmäßigen Beſoldungz concurrenzfähige Bewerber um letztere Stelle haben ſich inner⸗ halb 3 Wochen bei Gr. Ober⸗Forſt⸗ und Domänendirection zu melden.
Nr. 55 enthält: 1) Bekanntmachung des Miniſt. d. Inn. vom 4. Sept. d. J, die Wahlen der Abgeordneten zur erſten Kam⸗ mer der Stände des Großherzogthums betr.
2) Bekanntmachung, die veränderte Abgangszeit des Mainz⸗Hom⸗ burger Eilwagens betr.— Bekanntmachung der Umlagen der Hammeran⸗
Dammbau⸗Concurrenz zu Großrohrheim, im Reg⸗Bez. Heppenheim, für 1849 betr.— 7) Dienſtnachrichten. Am 16. Auguſt würde dem Gerichts⸗Acceſſiſten und ſeityerigen Ergänzungsrichter am Fr.⸗G. zu Op⸗ penheim, König, die Stelle eines Gerichtsſchreibers bei dem Fr.⸗G. zu Wörrſtadt übertragen. Am 20. wurde der vorläufig in den, Ruheſtand verſetzte Kreisrath des Landkreiſes Mainz, Reg.⸗Rath Schmitt zu Mainz zum Mitgliede der Reg.-Comm. des R.⸗B. Heppenheim ernannt und demſelben darin der Vörfitz übertragen. Am 24. wurde dem Lehrer an der 2. evang. Schule zu Allendorf a. d. L., R.⸗B. Gießen, Schmehl, die 1. evang. Schullehrerſtelle daſelbſt, und dem Schulvicar Völſing zu Allendorf a. d. L. die 2. evang. Schullehrerſtelle übertragen.— 8) Des Dienſtes entlaſſen wurde am 27. Juli der Lehrer an der 1. evang.
Schule zu Mörfelden, R.⸗B. Darmſtadt, Gütlich a. N.— Erledigt
iſt; die mit einem Theologen zu beſetzende Lehrerſtelle an der 2. evang. Stadtmädchenſchule 1. Abtheilung zu Darmftadt, int jäh freier Wohnüng, oder einer Wohnungsvergütung von 150 fl.— 10) Ge⸗ ſtorben ſind: am 31. Aug. der penſ. Schullehrer Katzenbach zu Bechenheim, R⸗-B. Mainz; am 6. Juni der penſ. Schullehrer Fritz zu Niederliebersbach, R. ⸗B. Heppenheim; am 11. Juli der Domanenbote Eberle zu Wimpfen; am 21. die evang., Lehrerin Sophie Faſſig zu Mainz; am 4. Aug der evang. Pfarrer Köſter zu Hauſen, R.⸗B. Gießen; am 6. der Landgerichtsdiener Glitſch. zu Schlitz; am 14. der penſ! Schullehrer Keller zu Friebertshauſen, R.⸗B. Biedenkopfz am 21. der evang. Decan und Pfarrer Conradi zu Dexheim, R.. B. Mainz; am 23. der penſe O. ⸗A.⸗Gl⸗Rath Horſt zu Darmſtadtz; am 26. der penſ. Steuereinnehmer Baumgartt zu Horchheim, R.⸗B. Mainz.
i Nr. 56 enthält: 1) Bekanntmachung des Gr. Staatsminiſteriums vom 13 Sept. 1849, Verſammlungen von Bezirksräthen betr. g 3) Promotion auf der Großh. Landes⸗Uniderſität Gießen. Am 20. Auguſt würde dem Candfdaten Maximilian Rieger von Darm⸗ ſtadt die Doctorwürde der Philoſophie verliehen.— 4) Dienſtnach⸗ richten. Am 18. Juli wurden dem Rechnungskammerath Elwert dahier, als Mitglied der Brandaſſecurations⸗Commiſſion, die Geſchäfte eines Spectal⸗Directors für die Achener und Münchener Feuer⸗Verſiche⸗ rungs⸗Geſellſchaft, hinſichtlich der Verſicherung für Mobilien im Großher⸗ zogthum übertragen. Am 31. Aug. wurde dem Schulvicar Franz Emich zu Pfirſchbach die evaug. Schullehrerſtelle zu Niederklingen, im Reg.⸗Bez. Erbach, und dem Schulvicar Wilhelm Meper zu Hainbach, im Reg.⸗ Bez. Alsfeld, die evang. Schullehrerſtelle daſelbſt übertragen. Am 10. Sept. wurde dem Pfarrer Chriſtian Ludwig Auguſt Wimmenauer zu Neſtarſteinach die evang. Pfarrſtelle zu Kirchbrombach, im Reg. Bez. Erbach, übertragen.— 5) In den Ruheſtand wurden verſetzt: am 22. Aug, in Folge der Aufhebung des ſtandesherrlichen Geſammt⸗Con⸗ ſtſtoriums in Offenbach vom 1. September 1848 an, der Fürſtlich Iſen⸗ burgiſche Kammerath Carl Weis daſelbſt in ſeiner Eigenſchaft als welt⸗ liches Mitglied und prov. Director dieſes Conſiſtoriums, der Landgerichts⸗ Aſſeſſor Dr. Chriſtian Metzler zu Offenbach in der Eigenſchaft als Aſſeſſor bei dem erwähnten Conſiſtorium, und Conſiſtorial⸗Secretär Friedrich Wilhelm Schweickhardt daſelbſt; am 23. Aug. der Amtsdiener Fried⸗ rich Eberhardt zu Kürnbach.— 6) Erledigt ſind: die evang. Pfarr⸗ ſtelle zu Derheim, im Reg.⸗Bez. Mainz, mit jährlich 1004 fl.; die Stelle eines Hospitalrentmeiſters zu Hofheim, mit welcher, einſchließlich der zu 100 fl. angeſchlagenen Wohnung nebſt Garten, ein jährl. Gehalt von 1200 fl. perbunden und für welche eine Caution von 3000 fl. zu ſtellen iſt.
Der arme Muſtkant und ſein College. (Erzählung aus der Spinnſtube.)
b Ich habe mich immer recht in die Seele hinein ge⸗ aͤrgert, wenn ich das Wort hören muß:„Man hört in unſern Tagen nichts Gutes mehr!“ Da ſollte man doch wahrlich denken, unſere Zeit ſei die allerſchlechteſte ſeit Adam's Tagen und die Menſchen ſeien alleſammt Spitz⸗ buben, Unmenſchen und Hallunken. Ich ſag's Jedem ins Geſicht, es iſt nicht wahr, wenn's auch genug Schufte gibt. Eine ſchlechte That wird uberall erzählt, aber wenn'mal eine gute geſchieht, ſchweigt man davon. Die guten Menſchen legen ſich damit nicht an den Laden und laſſen's nicht aus⸗ trompeten, wie es die Phariſäer machten.
600 fl. nebft
Drum will ich auch nicht ſtille ſchweigen, wenn ich eine gute That hier oder dort höre, und will mal gleich
N 1
wieder eine erzählen, die noch nicht alt iſt. ö
An einem ſchönen Sommertage war im Prater zu
Wien ein großes Volksfeſt. Der Prater iſt eben eine ſehr große öffentliche Gartenanlage, voll herrlicher Bäume, und iſt der Hauptſparziergang und Beluſtigungsort der Wiener. Viel Volks ſtrömte hinaus, und Jung und Alt, Vornehm und Gering freuten ſich dort ihres Lebens, und kamen auch viele Fremde, die ſich an der Volksluſt erfreuten. Wo fröhliche Menſchen ſind, da hat auch der etwas zu hoffen, der an die Barmherzigkeit ſeiner glücklicheren Mitmenſchen
gewieſen ist.
1
So waren denn hier eine Menge Bettler, Orgel⸗ männer, Harfenmädchen, die ſich ihren Kreuzer zu ver—
dienen ſuchten. In Wien lebte damals ein Invalide, dem ſeine kleine
Penſion zum Unterhalte nicht ausreichte. Betteln mochte
er nicht. Er griff daher zur Violine, die er von 115 Vater erlernt hatte, der ein Böhme geweſen war. Er ſpielte unter einem alten Baume im Prater, und ſeinen treuen Pudel hatte er ſo abgerichtet, daß der vor ihm ſaß und den alten Hut im Munde hielt, in den die Leute die paar Kreuzer warfen, die ſie ihm geben wollten.
Heute ſtand er auch da und fiedelte, und der Pudel ſaß vor ihm mit dem Hute; aber die Leute gingen vorüber und der Hut blieb leer. Hätten ihn die Leute nur'mal angeſehen, ſie hatten Barmherzigkeit mit ihm haben müſſen. Duͤnnes weißes Haar deckte kaum ſeinen Schädel; ein alter, fadenſcheiniger Soldatenmantel war ſein Kleid. Gar manche Schlacht hatte er mitgekämpft und faſt jede hatte ihm in einer Narbe einen Denkzettel angehängt, bei dem für das Verlieren keine Sorge nöthig war. Nur drei Finger an der rechten Hand hielten den Bogen. Eine Kartaͤtſchen⸗ kugel hatte die andern bei Aspern mitgenommen, und faſt zu gleicher Zeit nahm ihm eine größere Kugel das Bein weg. Und doch ſahen heute die fröhlichen Leute nicht auf ihn, und er hatte doch für den letzten Kreuzer neue Saiten auf ſeine Violine gekauft und ſpielte mit aller Kraft ſeine alten Märſche und Tänze. 2591129 158 22
Trübe und traurig ſah der alte Mann auf die wogende Menſchenmaſſe, auf die fröhlichen Geſichter, auf die ſtolze Pracht ihres Putzes. Bei ihrem Lachen drang ein Stachel in ſeine Seele— heute Abend mußte er hungern auf ſeinem Strohlager im Dachſtübchen. Sein Pudel war in der That beſſer dran; er fand doch vielleicht auf dem Heim⸗ wege einen Knochen unter einem Gußſteine, an dem er ſeinen Hunger ſtillen konnte. 5
Schon war's ziemlich ſpät am Nachmittage. Seine Hoffnung war ſo nahe am Untergehen, wie die Sonne; denn ſchon kehrten die Luſtwandler zurück, Da legte ſich ein recht tiefes Leid auf das wetterharte, vernarbte Geſicht.
Er ahnte nicht, daß nicht weit von ihm ein ſtattlich gekleideter Herr ſtand, der ihm lange zuhoͤrte und ihn mit dem Ausdrucke tief empfundenen Mitleids betrachtete. 110
Als endlich Alles fruchtlos blieb und die müde Hand den Bogen nicht mehr führen konnte, auch ſein Bein ihn kaum mehr trug, ſetzte er ſich auf einen Stein und ſtützte die Stirne in die hohle Hand, und die Erde ſaugte einige heimliche Thränen ein, und die ſagt's nicht weiter.
Der Herr aber, der dort neben am Stamme der alten Linde lehnte, hatte geſehen, wie die verſtümmelte Hand die Thränen abwiſchte, damit das Auge der Welt die Spuren nicht ſähe. Es war, als ob die Thränen wie ſiedheiße Tropfen dem Herrn auf das Herz gefallen wären, ſo raſch trat er herzu, reichte dem Alten ein Goldſtück und ſagte:„Leihet mir Eure Geige ein Stündchen!“ f


