Ausgabe 
9.6.1849
 
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Stillſtandes der Geſchäfte ſcheinen indeſſen alle Lebens⸗ bedürfniſſe eine ſolche Theuerung erfahren zu haben, daß kein Regierungsbeamter mehr von ſeinem Gehalte leben kann. i

Wie ſich erwarten läßt, haben dieſe Nachrichten in den Vereinigten Staaten ungeheures Aufſehen erregt, und eine ſtromweiſe Auswanderung dorthin hervorgerufen. Alle Schiffe, welche dorthin ſegeln, finden Matroſen genug, welche zu einem Dollars Lohn per Monat an Bord dienen wollen, nur um dorthin zu kommen. Bereits ſind regel⸗ mäßige Fahrten von New⸗Nork und New⸗Orleans bis nach Rio Chagres(dieſſeits der Landenge von Panama) einge⸗ richtet. Dieſe Entfernung beträgt 2500 engl. Meilen. Von Chagres aus fährt man mit Dampfbooten den Chag⸗ resfluß hinauf bis nach Cruces, und von hier aus auf Maulthieren noch 25 m engl. Meilen weiter nach Panama, wo man ſich zum zweiten Male einſchifft, um auf dem Stillen Ocean die 3500 engl. Meilen lange Reiſe nach San Franzisco zu machen. Auf dieſer letzteren Station ſoll nun eine regelmäßige Fahrt mit Dampfpaketbooten arrangirt werden.

Californiens Goldreichthum war übrigens ſchon vor 280 Jahren den ſpaniſchen Jeſuiten genau bekannt, und einige ihrer geographiſchen Schriftſteller und Memoiren⸗ ſchreiber erwähnen ganz deutlich und genau des jetzigen Golddiſtrikts. Die Oede dieſes Kuſtenſtrichs, die Uner⸗ giebigkeit des Bodens und der Mangel an hier anſäßigen Indianerſtämmen mag damals die Veranlaſſung gegeben haben, daß ſo wenig für die Ausbeutung deſſelben geſchah. Man hatte die mexikaniſchen Bergwerke und Flüſſe näher. Uebrigens führen die ſämmtlichen Gebirge, welche das große Felsgerippe Amerika's bilden: die Cordilleren der Anden und ihre Fortſetzung in Nordamerika auf ihrem weſtlichen Abhange Gold. Auch im Oregon-Gebiet hat man ſolches neuerdings gefunden. Das goldreichſte Land iſt übrigens die mexicauiſche Provinz Sonora, ſuͤdlich von Californien, deſſen nördliche öde Gebirge und Steppen beinahe nur von den Goldſuchern oder Gambuſinos be

völkert ſind. In den Jahren 18351836 zog auch dort⸗ hin aus den ſüdlicheren Provinzen von Mexico Alles was ſich von der heimathlichen Scholle losreißen konnte, aber unendlich Wenige kehrten mit dem errungenen Golde wieder zurück. Mord und Raub riſſen unter den Goldſuchern ein, als die Ergiebigkeit nachließ; Raubthiere und Indianer zerfleiſchten die, welche der räuberiſchen Hand entgingen. Und dieß wird auch das Schickſal derer ſein, welche die

Goldhabgier nach Californien treibt. Niemand wird dabei

gewinnen als die Union, denn der Strom der auswandern den Goldſuchenden wird ein Land bevölkern helfen, deſſen Küſte zu den ödeſten und wildeſten gehört, und die Preſſe der Vereinigten Staaten wird aus dieſem Grunde auch die verlockendſten Berichte über dieſes Land fortſetzen, wenn längſt alle ergiebigen Adern von Gold verſiegt ſind. (Erheit.)

Bericht des Ausſchuſſes des Armen⸗ Vereins dahier für den Monat Mai 1849.

Es wurden unterſtuͤtzt 474 Arme der Umgegend und Reiſende, beſonders Handwerker. Hierfür wurden 47 fl. 5 kr. verausgabt. 1

Indem wir dieſen Bericht veröffentlichen, dürfen wir hinzufügen, daß ſich die Wirkſamkeit des Vereines ſchon jetzt erprobt hat und daß hoffentlich ein Gleiches für die Zukunft ſtattfinden werde.

Zugleich bemerken wir, daß die unſerem Bericht vom vorigen Monat angefügte Aufforderung verſchiedene unſerer Mitbürger veranlaßte, dem Vereine bei zu treten und daß wir erwarten die Zahl der Mitglieder unſeres Vereins durch neue Anmeldungen wachſen zu ſehen. a

Friedberg am 3. Juni 1849.

Boutemy, Peter. Buß, G. Dechex, Heinr. Dieffenbach, Ph. Falck, Johs. Groß, Carl. Hirſch, Mayer. Krach, J. V. Pfeffer, Jacob. Reuß, F. W. Steinhäuſer, Johs. Stelz, Conr.

Bekanntmachungen von Be⸗ hoͤrden.

. Hofraithe⸗Verſteigerung.

(167) Dienſtag den 12. Juni, Morgens um 10 Uhr, wird in hieſigem Rathbauſe die zum Nachlaß des Herz Kaſſel gehörende Hofralthe, beſtehend in einem Wohnhauſe, meiſtbietend ver⸗ ſteigert. Zins der pia corpora 20½ kr. Friedberg den 10. Mai 1849. Ju Auftrag: Groß. Heſſ. Landgerichts Der Großh. Heſſ. Bürgermeiſter Bender.

Heugras⸗ Verſteigerungen.

(865) An nachgenannten Orten wird von den dabei angegebenen fiskaliſchen Wieſen das diesjährige Heugras öffentlich verſteigert:

1) zu Lindßeim, bei Gaſtwirth Hrn. Bechtold, Dienſtag den 12. Juni, Vormittags 11 Uhr, von ungefähr 50 Morgen;

2) zu Stammheim, an Ort und Stelle, Frei⸗ tag den 15. Juni, Vormittags 10 Uhr, das Heu⸗ und Grummetgras, von unge⸗ fähr 10 Morgen, der See genannt;

3) zu Okarben, an dem Mineralbrunnen, Freitag den 22. Juni, Nachmittags 2 Uhr, von der ungefähr 50 Morgen haltenden ſog. Burgwaldswieſe;

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4) zu Bauernheim, bei Gaſtwirth Hrn. Höres, Dienſtag den 26. Juni, Vormittags 11 Uhr, von der ungefähr 300 Morgen hal⸗ tenden ſog. Markwieſe.

Friedberg den 23. Mai 1849.

Der Gr. Rentamtmann des Rentamts Friedberg Domänenrath Bau ß.

Verſteigerung auf den Abbruch.

(867) Der von Holz aufgeführte Zwiſchenbau zwiſchen dem Hauptgebäude und dem Secretariats⸗ bau im Burggrafiatshof dahier, ſoll Montag den 11. Juni l. J., Vormittags um 9 Uhr, an Ort und Stelle öffentlich an die Meiſtbietenden auf den Abbruch verſteigert werden. Bemerkt wird noch, daß ſich an dem abzubrechenden Gebäude ſehr gutes Holz befindet, und daß daſſelbe eine Länge von 587 und eine Breite von 27 hat. Friedberg den 3. Juni 1849. Der Gr. Heſſ. Kreisbaumeiſter des Baubezirks Friedberg Stockhauſen.

Arbeitsverſteigerung.

(868) Montag den 11. Juni l. J., Vormit⸗ tags um 10 Uhr, werden in dem Burggrafiats⸗ hof dahier folgende Arbeiten öffentlich an die Wenigſtnehmenden verſteigert: 1) Maurerarbeit, veranſchl. zu 124 fl. 7 kr. 2) Steinhauerarbeit21658

3) Schloſſerarbeit 56 4) Glaſerarbeit 1 77 24% 5) Weißbinderarbeit 18/ 12

6) Die Anlieferung von 1,2 Cubikklafter Mauerſteine, 3000 Backſteine, 24 Bütten Kalt und 0,7 Cubikklafter Sand, im Gan⸗ zen zu 134 fl. veranſchlagt. 15 Voranſchläge und Riſſe liegen auf dem Bü⸗ reau des Unterzeichneten zur Einſicht offen. Friedberg den 3. Juni 1849. Der Gr. Heſſ. Kreisbaumeiſter des Baubezirks Friedberg Stockhauſen.

Kirſchenverſteigerung. (869) Dienſtag den 12. Juni l. J., Vor⸗ mittags um 9 Uhr, ſollen auf dem Ilbenſtädter Chauſſeehaus die an der Staatsſtraße von Nie⸗ derwöllſtadt über Ilbenſtadt in der Richtung nach Kaichen befindlichen Kirſchen, öffentlich an die Meiſtbietenden verſteigert werden.

Friedberg den 3. Juni 1849. 93 Der Gr. Heſſ. Kreisbaumeiſter des Baubezirks Friedberg Stockhauſen.

Arbeits⸗Verſteigerung.

(870) Dienſtag den 12. Juni l. J., Vor⸗ mittags um 10 Uhr, ſollen auf dem Ildenſtädter Chauſſeehaus folgende Arbeiten öffentlich an die Wenigſtnehmenden verſteigert werden: 1) Die Verfertigung des Goſſenpflaſters auf die Fluthcanal⸗ und Niddabrücke bei Ilbenſtadt. 2) Die Anlieferung des hierzu nöthigen Sandes. 3) Die Verfertigung von Goſſen⸗ und Ban⸗ quetpflaſter vor die Revierförſterswohnung zu Heldenbergen.