Ausgabe 
8.9.1849
 
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Ich kam in ein Haus, das einem wohlhabenden

Manne zu gehören ſchien. Das ganze Haus wan leer. In der Küche ſtand eine Art Schrank wider der in dem aber nichts war. Je mehr ich aber das Ding mir anſah, deſto feſter wurde meine Meinung, daß dahinter etwas ſein müſſe. Ich ſetzte mich ruhig auf den Herd und dachte: Laß mal ſehen, ob ſich's dahinter nicht rührt? Ich hatte ſeit

zwei Tagen keinen Biſſen gegeſſen, daher einen Hunger,

der kaum zu ertragen war. Die Thüre des Schrankes ſtand auf. 5 f 5

Vielleicht zehn Minuten war's ſtille. Da hörte ich aber flüſtern hinter der Schrankwand und bald wurde ſie weggeſchoben von einem kleinen, ſchönen Händchen. Nicht lange ſo guckte ein Mädchenkopf heraus, ſo ſchön, als er vielleicht in ganz Spanien war.

Als ſie mich ſah, ſtieß ſie einen Angſtſchrei aus und wurde todtbleich. Sie wollte raſch wieder die Wand vor⸗ ſchieben, aber ich faßte ihre Hand und ſagte ſo gut es ging, ich ſei ein Deutſcher und verlange nur Brod; ich wolle ihnen kein Böſes zufügen.

Sie ſah mich mit den durchdringenden Schwarzaugen an, als wolle ſie mich recht prüfen, und als mein Geſicht ſie beruhigt, ſchob ſie die Schrankwand ganz weg und ich ſah in ein Kämmerlein, wo eine alte Frau ſaß und Lebens⸗ mittel genug aufgeſchichtet lagen.

Das bildhübſche ſpaniſche Mädchen ſah mich ſo freund⸗ lich an und welſchte mir Allerlei vor, was ich durchaus nicht verſtand. Als ſie aber auf die Brode deutete, nickte ich. Sie reichte mir auch einen Krug Wein, wie ich ihn nie getrunken.

Die Alte wollte nicht ſo freundlich werden; aber als ſie meinen Hunger ſahen, traten in des Mädchens Augen Thränen. Sie reichte mir nun Früchte und was ſie hatte.

Wie es zuging, weiß ich nicht; aber wir waren ſchnell gute Freunde. Deutſcher! wiederholte ſie Hundert⸗ mal. Sie kannten uns und wußten wohl, daß wir ge zwungen gegen Spanien fochten. Als ich mich gelabt, gab ſie mir ein Brod, faltete dann ihre Hände und ſah mich flehend an. 5

Ich legte die Hand auf das Herz, erhob ſie dann zum Himmel, wie wenn ich ſchwören wollte. Das beruhigte

ſie. Sie ſtieg wieder in ihr Verſteck, mal zu und ſchob die Wand vor.

Wand,

erbrochen und Vorräthe entdeckt hatten.

nickte mir noch ein⸗ Gott ſchütze Euch! ſagte ich, ging raſch weg, verbarg

mein Brod, das ich in mehrere Stücke ſchnitt und ſuchte

meine Kameraden auf, die einen Keller gefunden, ihn Wir nahmen mit, was mir konnten und jagten in raſchem Fluge gen Saragoſſa. 0(Fortſetzung folgt.)

Kirchenbuchs⸗Auszug vom Monat Juli. Butzbach. . Getraute: 15. Der Bürger, Schuhmachermeiſter und Wittwer Johann Heinrich Möhlich und Eva Katharina, des Bürgers ö 5 Leinwbers Chriſtoph Lenz zu Münzenberg eheliche ochter.

Getaufte: 5 1. Dem Bürger und Schmiedmeiſter Johann Caspar Frank ein Sohn, Karl, geb. den 14. Juni.

29. Dem Königl. Preuß. Poſtconducteur Conrad Görg

eine Tochter, Henriette, geb. den 21. Juni. 1

Beerdigte: 5

6. Anna Maria, des zweiten Elementarlehrers Adam

Wirthwein zweite Ehefrau, alt 40 Jahre, 2 Monate und 19 Tage, 1 den 4. Jul.

Johann Heinrich, des Bürgers und Küfermeiſters Jo⸗ hannes Wendel ehelicher Sohn, alt 20 Jahre, 3 Mo⸗

nate und 3 Tage, 1 den 15. Juli. 1

Markt⸗ Bericht. Friedberg, am 5. September 1849. 4

17.

Aufgefahren] Verkauft. 7464

Gattung. wurden wurden Ritt ei (Mltr.)(Mltr.) 8 N kr.

7 0 20 0 7 Won 10 6 4 45 Gerſte, 1%. 2 3 3 30 Hafer 12 12 2 40 Erbſen. 5 2 Kartoffeln 10 5 1 18

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Bekanntmachungen von Be⸗ hoͤrden.

W

Aufforderung.

(138) Forderungen an den Nachlaß des Chirurgen und vorhinigen Stadthauptmanns Renneberg ſind, bei Strafe ſtillſchweigenden Ausſchluſſes, Donnerſtag den 27. September, Vormittags Uhr, anzumelden. g Friedberg den 30. Auguſt 1849. Großh. Heſſ. Landgericht Hofmann. Dr. Gilmer. Immobilien-Verſteigerung. (1287) Montag den 24. September l. J., Morgens um 10 Uhr, werden in hiefigem Rath⸗ hauſe die Immobilien der Balthaſar Schmidt'ſchen Eheleute, meiſtbietend verſteigert, als: 1) Hofraithe, beſtehend in Wohnhaus, Holz⸗ ſchoppen und Stall, an Chriſtian Müller; 2) 90,[◻OKlafter, 46 Ruthen Garten in der 2. Gewann, an Karl Heinrich Friedrich; 3) 118,0 Klafter, 60 Rutben in der 7. Ge⸗ wann, an Chriſtian Joſt;

4) 53,0 Klafter, 27½ Ruthen in der Burg- Gemarkung, zwiſchen dem Riedgraben, an Rudolph Weis.

Friedberg am 21. Auguſt 1849. 5 In Auftrag: Groß. Heſſ. Landgerichts Der Großh. Heſſ. Burgermeiſter Bender.

Main ⸗Weſer⸗Eiſenbahn.

(1350) Dienſtag den 11. September d. J. Vormittags 11 Uhr wird auf dem Rathhauſe zu Bleichenbach die Herbeifuhr von 25 Kubik⸗ klafter Schichtenmauerſteinen aus dem Stein⸗ bruche bei Bleichenbach in das Roſenthal bei Friedberg, jede Kubikklafter zu 70 Gulden ver⸗ anſchlagt, an die Wenigſtnehmenden öffentlich in einzelnen Looſen verſteigert werden.

Friedberg den 31. Auguſt 1849.

Der Großh. Heſſ. Sections⸗Ingenieur der Section Friedberg Hochgeſand.

Main ⸗Weſer⸗Eiſenbahn. (1351) Mittwoch den 12. September d. J. Vormittags 11 Uhr werden auf dem hieſigen Rathhauſe Steinhauerarbeiten zur Erbauung eines Viaduktes über das Roſenthal bei Fried⸗ berg im Betrage von 10481 fl. 36 kr. in zwei

Looſen an die Wenigſtnehmenden öffentlich ver⸗ ſteigert werden. Friedberg den 31. Auguſt 1849. Der Großh. Heſſ. Sections⸗Ingenieur der Seetion Friedberg Hochgeſand. Main⸗Weſer⸗Eiſenbahn. (1352) Mittwoch den 12. September d. J. Vormittags 10 Uhr werden auf dem Rathhauſe dahier nachgenannte Arbeiten zur Erbauung von Abtritten und Holzſtällen in dem Bahnhofe zu Friedberg, nämlich: 1) Maurerarbeiten, veranſchl. zu 92 fl. 34 kr. 2) Steinhauerarbeiten 60 17

3) Zimmerarbeiten 73 57 4) Dachdeckerarbeiten= 120 04 5) Lieferung von 8 Tauſend gut

gebrannten Backſteinen 96

unter den, bei der Verſteigerung bekannt gemacht werdenden Bedingungen an die Wenigſtnehmen⸗ den öffentlich in Akkord gegeben werden. 0 Friedberg den 3 Auguſt 1849. Der Großh. Heſſ. Sections Ingenieur der Section Friedberg Hochgeſand.

Verſtei gerung.

(1362) Dienſtag den 25. September, Mor⸗

gens um 9 Uhr, werden in hieſigem Rathhauſe

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