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. Uegierungsbezirk Friedberg
im Beſonderen.
Sonnabend den a 6. Januar
1845.
i Friſch auf, in's neue Jahr!
Was wird das neue Jahr uns bringen? Wird es die Schaden heilen, die das letzte Jahr verürſacht hat? Es hatte 1 angefangen. Gleich in den erſten Tagen des hetvorkeimenden Frühlings eine Bewegung durch Europa, wie ſie die Weltgeſchichte noch nicht geſehen, ſo umfaſſend, ſo friedlich(trotz der Opfer, die ſie foſtete, kann man ſie im Verhältniß zu andern Revolutionen friedlich nennen), o, ſegenverheißend. Aber wie findet der Schluß des Jahres eine am Anfang gemachten Verheißungen? Als Träume und als ſolche verflogen. Wir wollten ein einiges Deutſch⸗ land und ſind zerſplitterter, als je; wir wollten ein freies und mächtiges Volk, und ſind ſo ohnmächtig, wie wir noch nie geweſenz wir wollten Befriedigung der materiellen Bes dürfniſſe des Volks, und Gewerb und Verkehr ſtockten noch niemals ſo ſehr, als eben. Daneben erſttebten wir auch tine freie Kirche, Zuſicherungen wurden in dieſer Hinſicht gegeben, und— am Ende des Jahres erleben wir Reſcripte, wie ſie das du Thil- von Lindeſche Zeitalter nicht aufzu⸗ weiſen hatte. So iſt die Freiheit zu Grabe gegangen, die im März ſo herrlich erblüht war, ſo ſind die Träume zer⸗ tonnen, die nicht ein Volk, Deutſchland allein, nein, die die Völker Europa's in Taumel verſetzt hatten.— Was iſt die Urſache davon? ſo fragen wir uns billig beim Rück⸗ blick auf das verfloſſene Jahr, das ſoviel verſprochen und ſo wenig erfüllt hat. Jedes Volk, ſagte einmal ein großer Mann, hat ſo viel Freiheit als ihm gebührt. So iſt es auch mit Deutſchland, mit Europa. Sie haben ſo viel Freiheit, als ihnen gebührt. Würde ihnen mehr gebühren, als ſie beſitzen, ſo würden ſie die gewordene ſich nicht haben in Frage ſtellen, oder die nicht gewordene ſich nicht haben vorenthalten laſſen. Alſo nicht außer, ſondern in dem Volke liegt die Urſache ſeines materiellen und gei⸗ ſtigen Elends, in deſſen eigener Unſelbſtſtändigkeit und Be⸗ fangenheit. Und ſo lange hierin keine Abhülfe geſchieht, iſt kein Heil zu hoffen. Predigt deßhalb und wirkt ihr, ihr Freunde des Volks, die ihr euch vorzugsweiſe ſo nennt, ſo viel ihr wollt, fuͤr freie politiſche Formen und Geſtal⸗ tungen: ſo lange der Geiſt nicht da iſt, der dieſe Form beleben, ſie ſchaffen ſoll, werden ſie dem Volke nimmer zu Theil werden, weil es, wenn ſie ihm zu Theil wurden, nicht im Stande wäre, ſie zu bewahren.— Worauf haben wir alſo vor allen Dingen zu ſehen? Auf den Geiſt, der geweckt, der genährt, der gebildet werden muß. Macht das Volk gebildet und ihr macht das Volk frei, wahrhaft frei, weil ſittlich und ſelbſtbewußt.—
Deßwegen ſehen wir auch mit groͤßerer Ruhe und
Zuverſicht, als dies möglich wäre, der Zukunft entgegen. Iſt guch vieles des im Anfang des Jahres uns zu Theil ewordenen wieder zweifelhaft geworden— die Lehre, die ſch bas deutſche Volk aus ſeiner vorjährigen Erfahrung ge⸗ zogen: daß ein Volk nicht frei werden kann, ohne ſittlich und ſelbſtbewußt zu ſein, ſie iſt die wahre Errungenſchaft, die gicht entzogen werden kann. Und wenn man klug iſt, i men dei Lohr benutzen. Man wird vor Allem dahin ſtreben, daß es Licht in den Köpfen der Menſchen, lebendig in 0 zen werde. Dann werden auch Arme und Bein regſam and ſelbſtſtändig werden. l
Tann an a ene. edi Schulen eruſe
n und wir erachten die Schulſtuben für einen wich⸗ tigeren Entſcheidungspunkt für die Zukunft Deutſchlands, Europa's als die Paulskirche in Frankfurt. Das fühlen auch die Dunkelmänner. Sie fuͤhlen, wenn ihnen die Schulen entzogen werden, daß damit der Boden unter ihren Fuͤßen ihnen weggenommen wird. Darum ihre Anſtren⸗ gungen, ſie überall in dem Schutz und dem Schooß der alten Zuſtände zu erhalten. Darum, deutſches Volk, aber auch darüber gewacht, daß die Pflanzſtätte der Freiheit und Sitte nicht zu einer Pflanzſtätte der Knechtſchaft und Un⸗ ſittlichkeit, daß nicht die Traͤger der Wahrheit und des Lichtes zu Werkzeugen der Unwahrheit und der Finſterniß entwür⸗ digt werden. Wache, wie ein Adler über ſeinem Neſt, über deinen Schulen! Schütze ſie mit deinem Herzblut! Ver- theidige ſie bis auf den letzten Mann. Sie ſind das Siegel deiner Größe, die Frucht deiner Schmerzen und Entwicke⸗ lung. Laſſe ſie nicht aus der Hand! Was einſt die Kälte der Diplomaten trennte, wird die Schule wieder vereinigen, was ſchwach iſt, wird ſie ſtark machen, was leidend iſt, getroͤſtet, was roh und unmenſchlich iſt, gebildet und edel. Und ſo werden ſie dazu dienen, den Voͤlkern des Vater⸗ landes, den Völkern Europa's die Freiheit wieder zu geben, die ſie einmal erſtrebt, nach kurzem Ringen aber an ihrer eigenen Unſelbſtſtändigkeit, ihrer eigenen Unfähigkeit, die Freiheit würdig zu genießen, wieder verloren haben. Und mit dieſem Glauben, mit dieſer Liebe, mit dieſer Hoffnung, — friſch auf, in's neue Jahr!„Lucifer.“
) Die Zeitſchrift aus welcher wir obigen Artikel entnommen haben, erſcheint unter dem Titel„Lucifer“, in Frankfurt, redigirt von Karl Schäffer. Sie erſtrebt Kirchen- und Schul ⸗Neform und kann allen, die auch auf religiöſem Gebiet den Fortſchritt wollen, nicht genug empfohlen werden. Ihr genialer Redacteur hat ſchon vor den Märztagen durch ſeine Kampfſchriften mit dem heſſiſchen Exkanzler von Linde hinreichend bewteſen, daß er die Wahrbeit zu reden auch den Lenkern des Staats gegenüber kein Bedenken trägt.— Es erſcheint von dieſer Zeitſchrift wöchentlich ein Bogen, der viertel⸗ jährig durch die Poſt bezogen nur 38 Kreuzer koſtet. D. R.


