Ausgabe 
2.6.1849
 
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beugte, u e ar geſchaut, um zu ſehen, woher der Schuß kam, als bereits ein anderer Pfeil ſchwirrte und ſich tief in ſeine rechte Schulter grub. Ehe die Rothhaut aber einen dritten Pfeil auf den Bogen legen konnte, hatte der Jäger ihn um die Mitte des Leibes erfaßt, ſchwang ihn ſo leicht um ſeinen Kopf als einen Tomahawk und ſchleuderte ihn mit furcht⸗ barer Gewalt an den Boden, vor einen ſeiner Gefährten hin, der ſich kaltblütig nach ihm niederbeugte⸗ dem Alken das Meſſer in die Bruſt ſtieß und ihm den Skalp abzog.

Als die Schlächterei vorüber war, durchſuchten die Trapper nun, ohne die gefangenen Spuaws eines Blicks zu würdigen, das ganze Dorf n Nahrung Deren ſie ſehr bedurften; ſie fanden indeß nichts als einige Säcke voll gedörrter Ameiſen, die ſie haſtig verſchlangen, dann

f 12 182 3 m ihn zu ſcalpiren. Kaum hatte La Bonſtz auf⸗

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dichter mit!

ein ſchien z da ſie! aſſer ſchloſſen, ver gen ſie

auf das Vorhan

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die eingeſchlagene Richtung, und wanderten dem Berge zu, der noch acht bis zehn Meilen entfernt zu ſein ſchien. b

Als ſie endlich ſeinen Fuß erreichten, führte auch die ſorg⸗

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fältigſte Nachforſchung, nicht auf die mindeſte Spur von Waſſer und die Vegetation beſtand abermals aus bloßen Fohren und Eedern. Die Anſtrengung, welche ſie gehabt um den Berg zu erreichen, hatte ihre Leiden noch ver⸗

größert) und ſie verfolgten jezt aufs Neue bie Richtung

der ſie zuvor gefolgt waren; aber bei jedem Schritt wurden 15 des Schwindens ihrer, kräfte mehr inne. Die Sonne r

aunte glühend heiß auf ſie herab, der Sand, der die Ebene bedeckte, war tief und leicht, und zur Vermehrung ihrer Qual

aber mit Eckel und verzerrten Mäulern wieder ausſpuck⸗ bließ ihnen ein ſtarker Wind denſelben immer in's Geſicht,

ten, weil das Zeug doch gar zu abſcheulich ſchmeckte. Sie fanden ſodann die ihnen geſtohlenen Pferde nebſt 150 anderen ärmlich ausſehenden und halb verhungerten Thièren. Auf dieſe luden ſie nun die drei gefangenen Weiber und ritten eilends von dannen, dem Flüßchen zu, wo ſie ihre

und erfüllte ihnen Mund und Naſe mit dem heißen Staub. Mit münnlicher Faſſung zogen ſie indeſſen weiter,

Jund kein Murmeln ward gehört, bis ihr Hunger in's zweite Stadium des Hungertodtes getreten war. Sie hatten nun

beiden Gefährten treffen wollten, und das nach ihrer

Schätzung etwa drei Tagereiſen von dem Oxte entfernt ſein mochte, wo ſie ſich eben befanden. Sie hofften übrigens dadurch, daß ſie einen anderen Weg einſchlugen als den⸗ jenigen, auf welchem ſie hergekommen waren, Waſſer und beſſere Weide für ihre Pferde zu finden und den Weg um eine gute Tagereiſe abzukürzen. Hierin ſchienen ſie ſich übrigens getäuſcht zu haben, und erkannten die Wahrheit des alten Sprüchworts, daß der kürzeſte Umweg immer weiter iſt als der laͤngſte gerade, zu ihrem großen Schaden. 5 Schon oben erwähnten wir, daß vom ſüdweſtlichen Ende des großen Salzſees ſich eine ungeheure Wüſte auf Hunderte von Meilen hindehnt, wo ſich auch nicht die mindeſte Vegetation, keine Spur von Wildpret und MWaſ⸗ ſer vorfindet, und die eine troſtlos öde Sandfläche oder ein kahles Bergland bildet, welches nur verkrüppelte Zwerg⸗ ſichten oder Cedern als einzige Zeugniſſe von Pflanzenwuchs aufweiſt. In dieſe Müſte nun geriethen unſre Jäger, weil ſie mit der Gegend ganz unbekannt waren, als ſie den Heimweg abkürzen wollten. Nachdem ſie den ganzen Tag geritten waren, mußten ſie endlich am Abend Halt machen, vor Hunger und Durſt beinahe erſchöpft, ohne Waſſer und Gras für ihre zuſammengerittenen Thiere. Am zwei⸗ ten Tage verendeten drei von ihren Pferden, die ſie nun gerne zurückließen; da ſie aber bald einem Fluß zu begeg⸗ nen hofften, ritten ſie noch bis zum Mittag weiter und verſäumten thörichterweiſe, etwas Fleiſch von den drei zu⸗ rückgelaſſenen Pferden mitzunehmen; aber noch immer fan⸗ den ſie kein Waſſer noch irgend eine Spur von Wildpret. Die Thiere waren faſt ganz erſchöͤpft, und eines, das mit dem langſamen Gange der anderen nicht mehr Schritt halten konnte, ward geſchlachtet, ſein Blut mit Gier ge⸗ trunken, ein Theil ſeines Fleiſches roh verzehrt, und ein anderer für künftige Nothfälle mitgenommen. J 1 Am Morgen des dritten Tages lagen. zwei Pferde todt an ihren Pfählen, und das einzige übrig gebliebene war in ſolch elendem Zuſtande, daß es ebenfalls geſchlach⸗ tet werden mußte, denn es hätte keine ſechs Meilen mehr zurücklegen können. Auch von dieſem ward das Blut ge⸗ trunken, was jedoch die gefangenen Squaws verſchmähten. Gegen Abend begannen die Männer bereits die Wirkungen ihres verzehrenden Durſtes zu verſpüren, den das genoſſene Pferdeblut nur noch geſteigert hatte. Ihre Lippen wurden dürr und geſchwollen, ihre Augen mit Blut unterlaufen, und Uebelſein und Schwindel warfen die abgehärteten Männer von Zeit zu Zeit darnieder. Etwa um Mittag

drei Tage ohne Nahrung, vier ohne Waſſer zugebracht, und befanden ſich in jenem Zuſtand, wo der Körper ihrer nicht mehr länger entbehren kann. Am vierten Morgen waren die Männer mehr Wolfen als Menſchen ähnlich, ihre Gefangenen folgten ihnen verdroſſen und mit vollſtem ſtumpfem Gleichmuthe, und bückten ſich nur zuweilen herab, um einen Käfer aufzuheben, wenn ſie einen ſolchen fanden, den ſie dann immer gierig verſchlangen⸗ Ein Mann, Na⸗ mens Forey, von kanadiſcher Halbzucht(d. h. von weißen und indianiſchen Eltern), war der Erſte der ſich beklagte. Wenn es noch einen Tag daure, ſagte er, ſo müßten fehlbar Einige von ihnen aufgerieben werden; man müſſe ſich um jeden Preis Fleiſch verſchaffen, ſetzte ex mit einem bedeutſamen Blick auf die gefangenen Squaws hinzu, und wenn bis zum morgenden Tage kein anderes Fleiſch ihnen aufſtoße, ſo werde er ſich ſchon zu helfen wiſſen, denn Fleiſch ſei Fleiſch, gleich viel von was für einem Geſchöpfe.

Seine Gefährten verſtanden recht gut, was er damit ſagen

wollte, gaben ihm aber keine Antwort darauf; ihre Na⸗ turen empörten ſich noch gegen dieſes letzte, Hülfsmittel. Die drei Squaws ihrerſeits, lauter junge Mädchen, folg⸗ ten ihren Herren ohne ein Wort der Klage, und mit jener ſtoiſchen Gleichgültigkeit gegen Schmerz und Leiden, welche allen Indianerinnen ſo eigenthümlich iſt, von den Töch⸗ tern der kühnen, ſtolzen Delawaren, bis herunter zu den zwerghaften Kindern der verbutteten Diggers in den Wüſten des fernen Weſtens. Am Morgen des fünften Tages ſaſſen alle um ein kleines Feuer von Pinienholz, kaum im Stande aufzuſtehen und ihre Wanderung wieder anzutreten; Forey kam nun wieder auf ſein gräßliches Auskunftsmittel zurück, einen von ihnen zu erſchlagen, wenn ſie nicht Alle Hungers ſterben wollten. Sein Vor⸗ ſchlag ward aber von den Andern mit mißfälligem Murren aufgenommen, und man kam überein, es ſollten ſich nun Alle aufmachen und jagen, da man in det Nähe des Lagers eine Hirſchfährte entdeckt hatte, die, wenn ſie auch nicht friſch war, doch wenigſtens die Nähe von Wildpret bewies. Schwach und erſchöpft wie ſie waren, nahmen doch Alle zihre Büchſen und pertheilten ſich in verſchiedenen Richtun⸗ gen, um die umgebenden Höhen zu durchpürſchen.

an,, Es war beinghe Sonnenuntergang, als La Bonteé in's Lager zurückkehrte, wo er. bereits einen ſeiner Gefähr⸗ ten bemerkt hatte, der etwas kochte. Er beeilte ſich hin⸗ zukommen, über die Maaßen erfreut durch die Ausſicht auf eine Mahlzeit; allein an Ort und Stelle angelangt, fiel ihm auf, daß die Squaws nicht mehr da waren. Er trat zum Feuer und ſah, daß Forey etwas auf der Glut