Negierungsblatt⸗Auszüge.
Nr. 28 enthält die Verfaſſung des deutſchen Reichs vom 28. April. ö Nr. 29. Bekanntmachung, die der Staatsregierung zugekommenen
Adreſſen betreffend.
Nr. 30 Geſetz vom 7. Mai, den Umfang, die Aufhebung, Verwand⸗ g lung und Ablöſung der Weideberechtigungen auf landwirthſchaftlichem Boden
in den Provinzen Starkenburg und Oberheſſen betr.— 2) Bekannt⸗ machung, die Niederſchlagung von Umlagen zweiter Klaſſe in der Gemeinde Wahlen, Regierungsbezirks Alsfeld, für 1848 betr.— 3) Bekanntma⸗ chung, die Nichterhebung des dritten Ziels der Umlagen zur Beſtreitung der Bedürfniſſe der israelitiſchen Religionsgemeinde zu Gedern, im Regie⸗ rungsbezirke Nidda, für 1848 betr.— 4) Umlagen zur Beſtreitung von
Bedürfniſſen in den israelitiſchen Religionsgemeinden des Regierungsbezirks
Gießen für 1849.. 1
Nr. 31: 1) Verordnung der proviſoriſchen Centralgewalt(verkündigt im 17. Stück des Reſchsgeſetzblattes vom 5. Maj) betreffend die Disciplinare beſtrafung in der Marine des Reiches.— 2) Bekanntmachung, die Wahl der Geſchwornen in der Provinz Oberheſſen für das Jahr 1850 betr.
Nr. 32: 1) Inſtruktion die Aufſtellung der Normaleinqugrtlerungs⸗ rollen wegen Einquartierung der gr. Truppen betr.— 2) Bekanntmachung,
die Ergebniſſe der Rechnung der Einſtands⸗Kaſſe auf die Periode vom 1.
April 1847 bis zum 11. April 1848 betr.— 3) Sterbfälle.
Nr. 33:1) Bekanntmachung, die Niederſchlagung der Umlagen 2. Cl.
der Gemeinde Dreieichenhain für 1848 betr.— 2) Berichtigung.— 3) Um⸗ lagen zur Beſtreitung der Communalbedürfniſſe in den Gemeinden des Regierungsbezirks Dieburg für 1849.
Nr. 34 enthält Bekanntmachung, die Reichsverfaſſung betreffend.
Ein Kampf um Leben und Tod. I.
Eine Krankheit, die ſich in deinem Leibe feſtſetzt, merkſt du ſelten in dem- Augenblicke, da ſie in dir ent⸗ ſteht, du gehſt da oft noch Wochen⸗ und Monatelang friſch und wohlauf einher; erſt wenn dein Leib den Krankheitsſtoff ausſcheiden will, wenn die Geſundheit in dir mit aller Macht arbeitet, da wirſt du inne, wie es mit dir ſteht. Du biſt niedergeworfen und die ganze Welt iſt dir wie mit Nacht zugedeckt, du weißt und willſt nichts mehr von allem da draußen, wenn nur erſt das Wehe von dir genommen wäre. Aber der Augenblick der Erkrankung(wenn dieſe nur eine vorübergehende) iſt zugleich auch der Beginn der Geſundung; denn jetzt, da du des Fremden und Storenden in dir inne wirſt, arbeitet dein Leben, ſich wieder frei zu machen. 5
Und wie mit der Krankheit des Leibes ſo ſteht es auch mit der Krankheit der Seele. Da geht der Straßen⸗ knecht Stephan das Dorf hinaus und pfeift einen luſtigen Parademarſch; einen zweiklöppeligen Steinhammer am langen Stiele, ein ſtrohgefülltes Kiſſen und eine hölzerne Sohle mit Schnüren trägt er am Arm. Wie du ihn ſo dahinſchreiten ſiehſt, merkſt du nicht, daß ihm ein Wurm in der Seele ſitzt; und wenn du ihn ſelber auf's Gewiſſen frügeſt, könnte er Dir auch Nichts davon ſagen, denn der Wurm ſchläft noch. N a
Jetzt iſt Stephan an einem wohlgeſchichteten Stein⸗ haufen angelangt. Er ſpäht nochmals von wannen der Wind kommt, denn es iſt Spätherbſt und er weht mit mächtigem Zuge. Stephan hebt die Mütze, gleich als grüßte er ſein Tagewerk. Dann ſpringt er in den Graben, wo er das ſtrohüberflochtene Gitter verborgen, und ſtellt es als Schutzwehr nach der Windſeite auf. Es iſt eine luftige Hütte, aber das Herz Stephans ſteckt in einem wohlgezimmerten Haus. Er ſchnallt ſich nun die hölzerne Sohle unter und beginnt rüſtig zu arbeiten; denn aus dem Steine ſpringt ihm ſein Brod hervor, wenn auch nur ein kümmerliches. g
Gute zwei Stunden hat Stephan ſo gearbeitet und ſich nur ſelten einen Augenblick zum Ausſchnaufen gegönnt; jetzt macht er Halt, legt das Kiſſen auf den Steinhaufen, ſtopft ſich eine Pfeife als Lohn für ſeine bisherige Arbeit, zieht einen gepolſterten Daumenhandſchuh an, und beginnt nun ſitzend die grobgeſpaltenen Steine in kleine zu zer—
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ſchellen. Als es 11 Uhr läutet kommt ein Knabe barfuß aus dem Dorfe mit einem tuchumwickelten Topfe. Er bringt dem Vater Brod und eine warme Suppe. Es ſchmeckt Stephan wohl und er arbeitet wieder bis der Abend hereinſinkt; dann nimmt er ſein Werkzeug auf und
wandert heim.
Stephan bewohnt ein kleines Häuschen abſeits der Straße, ſein dreijähriges Töchterchen ſteht hinter der blin— den Scheibe, und ruft ſich ſelber zu: der Vater kommt! Es liefe ihm gerne entgegen, aber es hat nur ein Hemd—
chen und kein Kleid.
Stephan tritt in die Hausflur, die zugleich als Küche dient; er grüßt die Frau, die hier am Heerde ſteht, nur mit ſtummem Kopfnicken und geht in die Stube, nimmt
ſein Töchterchen auf den Arm, das ihn am Schnurbarte
zupft, ſieht nach der Wiege, wo ein dicker Knabe einen Bettzipfel in den Mund ſteckt und dem Vater mit den Füßen entgegenſtrampelt. Dann geht er nach der Kammer
und fragt:„wie geht's Euch Großmutter?“ Eine klagende
Stimme antwortet:„Die Kinder ſind ſo wild und larmig und der Peter hat mir meine Bohnen genommen, ich ſag's dem Lehrer wenn ich wieder geſund bin und in die Schule gehen kann.“ 145
„Ich bring' Euch andre Bohnen, entgegnete Stephan.
„Ja, ſchöne lange braune, und auch runde weiße.“
„alles, Alles,“ ſagte Stephan und ging wieder nach der Stube. f
Man konnte nicht lange mit der Großmutter reden, ſie war wieder ganz kindiſch geworden, ſpielte immer mit der Katze oder mit Bohnen; auch wollte ſie immer, daß man ſie den Geſangbuchvers abhöre, damit ſie in der Schule nicht zu Schande werde. Heute war Stephan nicht dazu aufgelegt; er ſetzte ſich hinter den Tiſch unter ein großes eingerahmtes Bild mit einem großen Siegel und wartete bis Licht und das Abendeſſen käme.
Du ſagſt, lieber Leſer, ſolche Dinge kann ich täglich ſehen wenn ich nur zwei Schritte weit gehe, und das iſt 10 88 einmal das größte Elend, ich kenne noch Schreck— icheres.
8 Gib nur Acht, ob hier nicht etwas vorgeht, was du nicht ſo leicht ſiehſt; ob hier in dieſer kleinen Hütte nicht der größte Kampf der Menſchheit gekämpft wird; ob hier nicht Heldenthaten vollbracht werden, ſchwerer und tapferer als die Feldzuge der Könige, die für ewige Zeiten im Buche der Geſchichte verzeichnet ſind. 5
Da das Eſſen ſo lange nicht kam, hoͤlte ſich Stephan Licht, und jetzt können wir ſehen, was das große einge— rahmte Bild dort bedeutet. Es iſt der ehrenvolle Abſchied des Schützen Stephan Huber, der elf Jahre im fünften Regiment gedient. Die Tinte iſt gelb geworden, das Wap pen am Siegel iſt zerfloſſen und die Fliegen halten ihre letzten Herbſtmanöbver auf der glatten Glasfläche.
Stephan ſitzt da und ſtarrt in das Licht, das Kind auf ſeinem Schooße ſitzt gleichfalls ruhig, unverwandten Blickes da, als verlöre es ſich in allerlei Gedanken gleich
dem Vater. Denn dieſer ſieht Nichts von Allem um ihn
her, wie im Traume ſchattengleich zieht ſein vergangenes Leben an ihm vorüber.
Das war ein luſtiger Tag als er zum Soldatendienſt abzog, denn ihm weinten nicht Vater nicht Mutter nach, er war ſchon frühe verwaiſ't. Aus dem Dienſte des ein⸗ zelnen Brodherrn trat er in das Regiment, wo Alle gleich ihm dienten. Die Jahre ſchwanden dahin, er wußte ſelbſt nicht wie, und als die pflichtmäßige Dienſtzeit um war, nahm er Handgeld und blieb als Einſteher noch weitere funf Jahre. Die aufgenähte Borde an ſeinem linken Aer⸗
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