Ausgabe 
30.8.1848
 
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*. 280.

ſeine Perſon als Einſatz d'ran geſetzt, wenn man es ver langt hätte. Merkwuͤrdiger Weiſe ſpielte er mehrere Jahre lang mit Glück ſo lange, daß das Spiel bei ihm zur herr⸗ ſchenden Leidenſchaft wurde, neben welcher gar keine anderen Rückſichten mehr Raum hatten. Da, als die Leidenſchaft übermächtig, gewaltig war, kam endlich ein Wendepunkt ſeines Glückes, er ſpielte einen ganzen Sommer hindurch und verlor bedeutende Summen, ohne deßhalb das Spiel aufzugeben, weil ihn ſtets die Hoffnung lockte, die heutigen Verluſte durch den morgenden Gewinn zu erſetzen. Er kam endlich zu dem Ziele, dem kein Spieler entgeht, wenn das Verhängniß ihn ereilt: in wenigen Tagen verlor er Alles was er beſaß, was er in ſo vielen Jahren gewonnen hatte; er veräußerte Alles, was er Sein nennen konnte und häufte noch Schulden auf Schulden, um ſeinen Verluſt zu erſetzen, um ſich immer tiefer in den Abgrund zu ſturzen. Seine Lage wurde verzweiflungsvoll, ſein armes Weib, an alle Genüſſe und Behaglichkeiten des Wohllebens gewöhnt, ſie, die einſt in prächtigen Zimmern gewohnt hatte, lag jetzt dem Tode nahe in einer armſeligen nackten Dachſtube von einem Fieber verzehrt, das in Folge namenloſer Sorgen und Entbehrungen ſchon ſeit Wochen ihre Lebenskraft unter wühlte. Verlaſſen von ihrem Gatten, den ſeine verhäng⸗ nißvolle Leidenſchaft ſtets an die Spielbank bannte, ohne Hülfe und Pflege, ſah die Arme ihren Tod herannahen und hatte nicht einmal den Troſt, daß eine befreundete Hand ihren lechzenden Gaumen erquickte, oder ihr durch herzlichen Zuſpruch und die Tröſtungen der Religion die letzten Stun den verſüßte.

(Schluß folgt.)

Der Ludwigstag in Friedberg. (Eingeſendet.)

Wir konnen es nicht unterlaſſen, wenigſtens mit einigen Zeilen der Feier des Ludwigstages in Friedberg auch in dieſem Blatte zu erwähnen, weil dieſelbe einen neuen Beleg für die Wahrheit gibt, daß all das Wuͤhlen und Treiben einer bekannten Partei doch die Liebe des Volkes zu ſeinem er habenen Fuͤrſten noch nicht untergraben und vertrieben habe.

Schon Morgens in der Frühe rückte die Bürgergarde aus, vereinigte ſich auf ihrem gewöhnlichen Sammelplatze und brachte nachdem der Befehlshaber, Herr Bergrentmeiſter

Textor, eine der Bedeutung des Tages entſprechende Rede an die Mannſchaft gehalten hatte, Sr. K. H. dem Großherzog ein begeiſtertes dreifaches Hoch aus. Von da begab ſich die Bürgerwehr auf den nahen Schießplatz, wo zu Ehren des Tages ein feſtliches Schießen abgehalten wurde, bei welchem die Theil⸗ haber bis zum ſpäten Abend hin vergnügt beiſammen blieben.

Unabhängig von dieſer Feier der Bürgerwehr war im Trapp'ſchen Saale ein Feſteſſen angeordnet, an dem alle Offiziere des jetzt hier garniſonirenden 2. Bataillons des 2. Regiments, viele Beamten und auch mehrere Bür⸗ ger Antheil nahmen und an dem gewiß noch eine viel größere Anzahl von Bewohnern der Stadt und Umgegend Antheil genommen haben würde, wenn nicht in der letzten Zeit ähnliche Veranlaſſungen gar zu häufig ſich wiederholt hätten. Herr Major von Gehren brachte den Toaſt auf des Großherzogs K. H., Herr Pfarrer Matthias einen auf Ihre K. H. der Großherzogin aus, welche beide einen lebhaften Widerhall in der Geſellſchaft fanden. Je bekannter man ſich im Laufe des Nachmittags miteinander machte, deſto heiterer wurde die Stimmung der Anweſenden und man trennte ſich gegen Abend nur, um den Saal fuͤr ein, von den am Nachmittag verſammelten Herren unproviſirtes

Ballvergnuͤgen zu räumen, dem man dann bis ſpät in die

Nacht mit allem Eifer obgelegen hat.

Auch nach auswärts hin hatten ſich einzelne Stadt bewohner gewendet, um den Tag, den wir Heſſen ſo lange ſchon als einen Feſttag begehen, nicht ohne irgend eine Feier von ihrer Seite vorübergehen zu laſſen.

Hoffentlich wird ſich die Liebe zu unſerm erlauchten Großherzoge, zu der wir ſo gegründete Urſache haben, auch ferner bei uns erhalten und wenn es auch die Verhältniſſe nicht Jedem geſtatten, daß er ſich bei koſtſpieligen Feierlich⸗ keiten betheiligt, um dadurch jene Liebe an den Tag zu legen, ſo werden doch gewiß Alle, die die erhabenen Herrſchertugenden unſeres Fürſten, den ganz Deutſchland mit Stolz ſeinen Sohn nennt, kennen, an dem Tage, der Ihm zu Ehren be⸗ gangen wird, auch künftig einen Ihn ſegnenden, einen Ihm Glück wünſchenden Gedanken haben.

Bekanntmachungen von Be⸗ hörden.

a ιι e ν N

Oeffentliche Bekanntmachung.

(1170) ueber das Vermögen des Jacob Spettel zu Rockenberg iſt Coneurs erkannt wor⸗ 7 n an denſelben find deßhalb in em au

Freitag den 13. Oktober l. J., Vormittags um 9 Uhr, anberaumten Liquidationstermine, bei Vermei⸗ dung ſtillſchweigenden Ausſchluſſes, von der Maſſe anzuzeigen und zu begründen.

In dieſem Termine ſoll zugleich ein gütliches Abkommen verſucht werden und ſind deßhalb Vollmachten auch auf den Abſchluß eines Arran⸗ gements auszudehnen.

Butzbach den 11. Auguſt 1848.

Großh. Heſſ. Landgericht daſ. Ebel. Dr. Stockhauſen.

Edictalla dung. (1217) Anſprüche aller Art an den über⸗

ſchuldeten Nachlaß des Friedrich Chriſtian

Sieck dahier, über welchen Concurs erkannt worden iſt, find Freitag den 15. k. M., Vormittags 10 Uhr, bei Meidung des Ausſchluſſes von der Maſſe, anzuzeigen und zu begründen. Friedberg den 15. Auguſt 1848.

Großh. Heſſ. Landgericht

Gilmer. Zeitz.

Bekanntmachung.

(12210) Die Lieferung von 50 Malter Kar⸗ toffeln für die hieſige Anſtalt, ſoll Freitag den 1. September l. J., Vormittags 10 Uhr, auf dem Directorial⸗Büreau dahier, und zwar in 10 gleichen Abtheilungen, einer öffentlichen Ver⸗ ſteigerung an die Wenigſtfordernden ausgeſetzt werden.

Ferner ſoll die Lieferung des Bedarfs an Hammelwolle auf ein Jahr im Soumiſſions⸗ wege vergeben werden, wozu Luſttragende ihre

Soumiſſionen ebenfalls bis zu dem oben be⸗ zeichneten Termine verſiegelt einreichen wollen. Marienſchloß am 23. Auguſt 1848. 9

J. 2 Der Verwalter Bauer. Hofraithe-Verſteigerung. (122) Freitag den 1. September d. J., Vormittags 10 Uhr, ſoll die dem Chr iſtoph Stier zu Vilbel zuſtehende Hofraithe dahier, einer öffentlichen Verſteigerung ausgeſeßt werden. Södel am 17. Auguſt 1848..

Der Großh. daf, 5

at h.

400 Gulden,

(1226) werden gegen hypothekariſche Sicher⸗

heit, von hieſiger Kirche ausgeliehen. f Höchſt an der Nidder den 21. Auguſt 1848. Bingmann, Pfarrvicar.

Garten Verpachtung.

(1242) Montag den 4. September l. J., Vormittags um 11 Uhr, wird auf hiefigem

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