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1798 die erſte Anſtellung erhielt und ſeit 11 Jahren die erſte Pfarrſtelle in Oberrosbach bekleidet. Daß er in ſeinem Amte ſeiner Pflicht müſſe nachgekommen ſein, daß er ſich durch treue Pflichterfüllung die Liebe ſeiner Gemeinde in vollem Maße erworben hat, davon gab ein erhebendes Zeugniß eben die Feſtfeier, über welche wir berichten. Auf beſondere Einladung des zweiten Geiſtlichen und des Bür— germeiſters zu Oberrosbach, hatte ſich eine große Anzahl von Geiſtlichen aus dem Kreiſe Friedberg und weiterher eingefunden, um den Ehrentag eines ihrer Amtsgenoſſen verſchönern zu helfen, und auch an theilnehmenden Fremden andern Standes aus der Nähe und Ferne fehlte es nicht. Man verſammelte ſich in dem einen Saale des neugebauten Schulhauſes gegen 10 Uhr, und während nun hier der Jubilar, von mehreren Abgeſandten herbeigeführt, begrüßt, während ihm die Glückwunſchſchreiben der Geiſtlichen aus den Dekanaten Friedberg, Aſſenheim, Rodheim und des Gr. Heſſ. Ober⸗ conſiſtoriums überreicht wurden, ſangen die Schulkinder der obern Klaſſe im andern Saale, unter der Leitung des Leh— rers Herrn Werner, einige Choralverſe. Unterdeſſen hatte ſich wohl der größte Theil der Gemeinde im Feſtſchmuck vor dem Schulhauſe verſammelt und ſofort begab man ſich unter Glockengeläute, die Kinder an der Spitze und der Jubilar bei ſeinem Erſcheinen auf der Straße mit Freuden⸗ ſchüſſen und Lebehochruf empfangen, in geordnetem Zuge, bei welchem ſich namentlich auch alle Mitglieder des Ge meinderaths, des Kirchen- und Schulvorſtaͤndes befanden, zu der mit Blumen und Laubgewinden ſchön und geſchmack⸗ voll geſchmückten Kirche. Herr Pfarrer Strack verſah den Dienſt am Altare,— Herr Rahn ſelbſt hielt tiefbewegt die Jubelpredigt, die voller herrlicher Gedanken war und gewiß Jeden ergriffen hat, der ſie bei der ſchon ſchwach gewordenen Stimme des Predigers verſtehen konnte,— Herr Prof. Dr. Fertſch von Friedberg brachte, zu Folge der ihm vom Decane zu Friedberg übergebenen Befugniß, dem Jubilar die Glückwünſche ſeiner Amtsgenoſſen und ſeiner Behörden dar und verlas das oben ſchon berührte Schreiben des Oberconſiſtoriums, das in herzlichen Worten den Greis der Theilnahme dieſes Colleges verſicherte. Wir hatten in der Kirche eine wahrhafte Erhebung gefunden und dürfen es nicht unerwähnt laſſen, daß dazu weſentlich der gute Geſang der Gemeinde beigetragen hat. 8 Nach der kirchlichen Feier verſammelten ſich die an⸗ weſenden Fremden und die Ortsvorſtände im Rathhauſe zu einem, wie man angekündigt hatte, frugalen, daneben aber vortrefflichen Mittagsmahle, dem man wohl anmerkte, daß kunſtgewandte Hände bei der Bereitung mitgeholfen hatten, und bald belebte die Geſellſchaft eine recht heitere Stim— mung, die ebenſowohl durch den Geſang, den einige junge Männer vor dem Rathhauſe in Zwiſchenräumen ausführten, als auch durch die Trinkſprüche, welche ausgebracht wur⸗ den, gehoben und unterhalten wurde. Die Trinkſprüche galten dem Jubilar, ſeiner Familie, der Gemeinde Ober- rosbach, den männlichen und weiblichen Feſtordnern, dem ſittigenden Einfluß der chriſtlichen Kirche, Herrn Kreisrath Küchler, der gleichfalls an dem Feſte Theil genommen hatte u. ſ. w. Nach beendetem Mittagseſſen machten ſämmt⸗
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liche Tiſchgenoſſen, noch begleitet von einigen dazu getre⸗ tenen Damen, einen Spaziergang nach den reizenden An⸗ lagen am Walde, doch wurde das Waldvergnuͤgen durch einen ſanften Regen geſtört, wobei nichts weiter wäre zu wünſchen geweſen, als daß es nicht bei dem wenigen Trö⸗ pfeln geblieben wäre. Wieder in Roßbach angekommen, ſchickten ſich die Fremden zur Abreiſe an, aber am Abend wurde noch dem Jubilar Herrn Pfarrer Strack ꝛc., unter Fackelſchein ein Ständchen gebracht und damit der ſchöne Tag beſchloſſen.
Nur zwei Wünſche haben wir am Schluſſe dieſer Mit— theilung noch auszuſprechen; der eine gilt der Gemeinde Oberrosbach und der andere ihrem alten Pfarrer. Der Gemeinde Oberrosbach wünſchen wir, daß ſie ſich den guten und frommen Sinn, den ſie heute an den Tag gelegt, be⸗ wahren möge, bewahren möge trotz aller Laſterung des Guten und aller Aufreizung zum Böſen, an der unſere Zeit leider ſo reich iſt; und dem Hrn. Oberpfarrer Rahn wün⸗ ſchen wir, daß er die ihm noch vergönnten Tage in Ruhe und Friede hinbringen und recht bald einen jungen Mann finden möge, der ihm in ſeinem Amte eine treue, freundliche Stütze wird, denn, wenn die Herbſtwinde wehen, ziemt ſich's wohl, zu ſtützen was wanket, damit es um ſo länger erhalten werde.
Friedberg, 22. Juni. Folgenden beherzigenswer⸗ then Aufruf entnehmen wir der Fr. Heſſ. Ztg. Die Bevöl⸗ kerung der Städte ſcheidet ſich bei dem gegenwartigen Stand der Verhältniſſe in Solche, welche arbeiten und das Geſetz aufrecht erhalten, welche ſich des mühſam erworbenen Be— ſitzes freuen, und in Solche, welche durch verſchuldetes oder unverſchuldetes Elend am Hungertuche nagen, als Bettler umherſtreichen, und jeden Moment der Aufregung benutzen, um die Verwirrung zu vergrößern, damit ſie im Trüben beſſer fiſchen können. Dieſe Menſchen ſtrömen zu allen Volksverſammlungen, ſie ſind bei jedem Straßenauf⸗ lauf voran. Wenn ſie gut geleitet werden, ſo ſind ihrer 50 im Stande, eine Stadt von 6000 Einwohner in die vollſtändigſte Abhängigkeit zu verſetzen.(Man vergeſſe auch Diejenigen nicht, die ſich dieſer Leute als blinder Werkzeuge für ihre Zwecke bedienen!) Wer kann das länger dulden? Welcher Fleißige mag da noch fleißig ſein, wenn er öffent⸗ lich dem Geſetz, dem Aufruhr, der gewaltſamen Schilder— hebung das Wort reden hört? Die Bürger ſollten einſehen, daß die Bürgerwehr gerade dieſer Verhältniſſe wegen drin⸗ gend und nöthig iſt; die Bewaffnung gegen Rußland kommt ſpäter ſchon nach, aber ſie iſt ſicher ganz vergeblich, wenn wir einer Rotte von Taugenichtſen geſtatten, uns im Her⸗ zen von Deutſchland in ſchmachvollen Bürgerkrieg zu ſtürzen. Weg jetzt mit jedem kleinlichen Streit über Regierungsfor⸗ men, wo es gilt, den ungeheuren Feuerbrand rings um Deutſchlands Grenzen zurückzudrängeu! Und Ihr, die Ihr reif ſeid, und die Ihr wünſcht, daß die jungen Männer Euch Frau und Kind und Alles was Euch lieb und werth iſt vertheidigen mögen,— greift in Eure Taſchen, daß die Waffen bald und in beßter Qualität beſchafft werden können.
Bekanntmachungen von Be⸗ hoͤrden.
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(Butzbach) Fohlen Verkauf. (878) Da Freitag den 30. Juni d. J., des Vormittags um 10 Uhr, in hieſiger Reiter⸗ caſerne ein ſechs Wochen altes Fohlen meiſtbietend gegen gleich baare Zahlung verſteigert werden
ſoll, ſo ſetzt man die Kaufluſtigen hiervon in Kenntniß. Butzbach den 15. Juni 1848.
In Auftrag: Cellarius, Oberquartiermeiſter.
Arbeits⸗Verſteigerung.
(900) Die bei Unterhaltung der evangeliſchen 8 Vilbel erforderlichen Reperaturarbei⸗ en, als:
Maurerarbeit, veranſchlagt zu 3 fl. Schreinerarbeit, 19„ Schloſſerarbeit, 15„ ſollen Donnerſtag den 29. d. M., Vormittags 11 Uhr, auf dem Rathhauſe zu Vilbel öffent⸗ lich in Accord gegeben werden. Friedberg den 20. Juni 1848.
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