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allein durch eine freie, mitten aus dem Volke heraus der Reichsverſammlung entgegenkommende und ihre Wirkſam⸗ keit ſichernde Liebesthat zu beſchwören iſt. f 5
Der Stimme des Gewiſſens folgend, wende ich mich darum vertrauensvoll an alle gleichgeſinnten Bewohner Deutſchlands und fordere ſie dringend auf, freiwillige patriotiſche Gaben zuſammen zu bringen und der Reichsverſammlung mit dem Erſuchen zur Verfügung zu ſtellen, daß dieſelben ſchleunigſt in den zumeiſt bedrängten und gefährdeten Gegenden des Vaterlandes verwendet würden, theils zur unmittelbaren Dämpfung augenblick⸗ licher Noth, theils zur Verſchaffung von Arbeit, vor⸗ nehmlich aber zur angemeſſenen Unterſtützung der Auswanderung, welche durch die jetzige Jahrszeit ſo ſehr begünſtigt dem Armen für die nächſte Zukunft ein Loos verheißt, das ihm die Heimath ſelbſt unter den gün⸗ ſtigſten Verhältniſſen nach Jahren kaum zu bieten vermag.
Wohlan denn, ſchreiten wir ungeſäumt zu einem ſolchen Werk aufopfernder Liebe! Es wird an ſich ſchon eine wunderbare Heilkraft bewahren in den krampfhaften Zuckungen dieſer Zeit. Es wird den Geiſt der Verſöhnung, des Friedens und der Hoffnung in die Hütten der ver⸗ zweifelnden Armuth bringen und neuen Aufſchwung dem An ſehen und der Macht des Geſetzes ver— leihen, deſſen freventliche Verletzung ſich jetzt noch mit dem Scheine des Rechtes umhüllt. Damit wird aber end— lich auch das Vertrauen wieder in die Paläſte, wie in das Haus des Bürgers einkehren, der öffentliche Kredit, Handel und Induſtrie auf's Neue erſtarken, dann wird erſt ein Band der Liebe und Eintracht ſich um alle Glieder des Vaterlandes ſchlingen, vor Aller Augen die Zukunft zu einer helleren Ausſicht ſich geſtalten können.
Wohl iſt eine herrliche, ſehr empfehlenswerthe Sache die Errichtung einer deutſchen Kriegsflotte, aber das hun⸗ gernde Volk bedarf einer größeren Rückſicht, und da ein lauter Hülferuf für daſſelbe nicht durch eine dazu berufene Wächterſchaar von einer höheren Warte des Vaterlandes erging, wie man längſt gewünſcht und gehofft, ſo ſendet ein Einzelner ihn endlich ſelbſt hinaus in Deutſchlands Gauen. Möchte er nicht wie die Stimme eines Predigers in der Wüſte verhallen, möchte Gott ihm Kraft verleihen, möchten begeiſterte Herzen, beredte Lippen ihn weitertragen, möchte tauſendfach ſein Echo wiedertönen in dem lärmenden Gewühl der Märkte, wie in den ſtillen Räumen der Got⸗ teshäuſer; möchte groß und ſegensreich ſeine Wirkung ſein!
Als Hamburg von verzehrenden Flammen heimgeſucht worden war, ſteuerte man Millionen zuſammen, und herrlicher ſtieg die alte Reichsſtadt aus ihrer Aſche empor. Sollte man jetzt geizen, wo ein Funke, ein Windſtoß hin⸗ reicht, um gährende Maſſen zu einem unauslöſchlichen, allverheerenden Brande anzufachen? Der dringendſten Noth zu ſteuern, welche nach der letzten Umwälzung in Frankreich ſich einſtellte, wetteiferten alle Stände der fran⸗ zöſiſchen Nation in Darbringung patriotiſcher Gaben. Für Volksbewaffnung wurden unlängſt in Rom Geſchmeide, Silbergeſchirre, geweihte Medaillen, Roſenkränze darge— bracht; und von den Franzoſen, von römiſchen Frauen und Mönchen ſollten Deutſchlands Söhne und Töchter ſich beſchamen laſſen, wenn es das erhabenſte Werk der Bruder- und Vaterlandsliebe, wenn es die allgemeine Rettung gilt?
Ueberſchauen wir nur das Brandübel, welches die Bande der Geſellſchaft zerfrißt, in ſeiner ganzen Ausdeh— nung und erwägen wir das entſprechende Maas der Mit— tel, welche vorerſt gegen daſſelbe aufgeboten werden müſſen. Eigenthum, Leben, Freiheit jedes Einzelnen ſind gefährdet
und ihre Erhaltung iſt um keinen Preis zu theuer. Wer in den Tagen der Vergangenheit viele Tauſende ge⸗ wann, der wird doch um etliche nicht knickern wollen, wenn Alles auf dem Spiele ſteht. Aber auch der wenig Beſitzende muß das Aeußerſte, was er unter den jetzigen mehr oder weniger für Alle drückenden Zeitverhältniſſen vermag, auf dem Altare des Vaterlandes zum Opfer bringen.—„Einer für Alle, Alle für Einen!“ muß unſre Loſung ſein.—
Wer Ohren hat zu hören, der höre! Zwar iſt es aus einem alten großen Kapitel nur eine einzelne Seite, die hier aufgeſchlagen liegt, aber ſie iſt entſcheidend für die ganze Zukunft. Laſſe man ſie um des Himmels Willen nicht unbeachtet! Noch ein Blatt weiter im Schickſals⸗ buche und wir erblicken vielleicht mit Schaudern in Flam⸗ menzügen das allgefürchtete Schreckenswort: Zu ſpät! a Weder wohlhabend noch beſoldet und am Beginne einer Laufbahn, auf der ich für meine eigne Exiſtenz käm⸗ pfen muß, will ich doch gern ſogleich zum anregenden Worte die eigne That hinzufügen, und verpflichte mich ſelbſt hierdurch zu einer vorläufigen Gabe von 30 fl. zu dem angegebenen Zwecke.
Die Redactionen aller volksfreundlichen Blätter wer⸗ den um Mittheilung dieſes Aufrufes und um thätige Be— förderung ſeines Zweckes in ihren Kreiſen erſucht.
Darmſtadt, am Vorabende des 18. Mai 1848.
Dr. Knispel.
Indem das unterzeichnete Volkskomité den vorſtehen⸗ den, gewiß höchſt zeitgemäßen Aufruf eines, in unſerer Stadt wohl noch in gutem Andenken ſtehenden Ehrenmannes veröffentlicht und allen Bewohnen Friedbergs, ſowie der nähern und fernern Umgebung die Wichtigkeit und Dring⸗ lichkeit der Sache aufs wärmſte ans Herz legt, erklärt ſich daſſelbe zur Annahme von Beiträgen und Beförderung der⸗ ſelben an die Nationalverſammlung zu Frankfurt bereit.
Die Herren Geiſtlichen, Schullehrer und Ortsvorſtände f
auf dem Lande, werden namentlich dringendſt erſucht, ſich der Sache annehmen, Sammlungen veranſtalten und deren Erträgniſſe uns übermachen zu wollen.—
Möchten die Gaben recht reichlich fließen und unſere nothleidenden Brüder erkennen, daß wir die Brüderlichkeit nicht blos im Munde führen, ſondern auch durch die That zu beweiſen trachten.
Friedberg den 24. Mai 1848.
5 Das Volkscomite daſ. Trapp III. Textor. Hecht. H. Walz II. Dr. Ritzel. Werner. Bender. C. Nagel J. Neiſel. Helmolt. Fiſcher. K. Fritz. Pfeffer. K. Wahl
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Wär„ Friedberg, am 24. Mai 1848.
Aufgefahrenſ Verkauft 0 1
Gattung. wurden wurden Mittelpreiſe (Mltr.)(Mltr.) 5
Waizen. 115 11½ 9 38 N 15 15 8 21 Gere 4 4 5 18 D 8 3 4 20 Kartoffeln—— 25 885 Roggenmehl 8 5——
NB. In Friedberg wurde das Malter Waizen zu 200, Korn 190, Gerſte 170, und Hafer 120 Pfund gerechnet.


