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(Zu 9. 4.) ——————ͤ—— Regiſter über die(bei⸗ Wirth)(in der Baracke bei Kleinlinden über⸗
nachtenden Eiſenbahn-Arbeiter.
Nr. Datum] Der Arbeiter
2 der 5— Datum 3 Aufent⸗ 40 des Bemerkungen. J halts⸗ 1 Namen.[Heimathsort Abgangs Karte.] nahme. 1 115[ Febr. 5] Ch. Pabſt] Beſſungen, 14. Märzſiſt, ohne zu be⸗ Kr. Darmſt. kahlen, ben ieben.
An ſaͤmmtliche Buͤrgermeiſter des Landge⸗ richtsbezirks Friedberg.
Sie wollen in Ihren Gemeinden bekannt machen laſſen, daß annoch zurückſtehende Vormundſchafts-Rech⸗ nungen längſtens bis zum 15. Juni, bei unnachſichtlich eintretender Strafe von 1 Rthlr., dahier einzureichen ſind.
Friedberg den 20. Mai 1848.
Großh. Heſſ. Landgericht daſ.: Dr. Gilmer.
Friedberg am 19. Mai 1848.
Zur Vervollſtändigung deſſen, was in Nr. 40 d. Bl. über die Wahl des Landrichters Herrn Hofmann zum ver⸗ faſſunggebenden Reichstage nach Frankfurt a. M. und die derſelben nachfolgenden Feſtlichkeiten veröffentlicht wor— den iſt, halten wir es für angemeſſen, Nachfolgendes gleich— falls zu berichten:
Bald nach der Wahl des genannten Abgeordneten verabredete ſich eine namhafte Anzahl von Bewohnern hieſiger Stadt, ihn, wenn er nach Frankfurt abreiſe, noch eine Strecke Wegs zu begleiten und ihm damit ein wieder holtes Zeichen ihrer Liebe und ihres Vertrauens zu geben, die wahrlich durch einen Artikel im jüngſten Tage nicht geſchwächt werden konnten. Am 19. Morgens in der Frühe erhielt Herr Hofmann ſeine Beglaubigungsſchriften von Darmſtadt und bereits um ½9 Uhr war er zur Abreiſe bereit. Ungefähr 110—120 Perſonen, auf 5 mit Birken— grün und Fahnen reichlich geſchmückten Leiterwagen nahmen ihn an ſeiner Wohnung in Empfang und von ſechs Reitern angeführt, ſetzte ſich der Begleitzug nach Frankfurt hin in Bewegung. Gegen 10 Uhr war man in Okarben, dem Ziele der gemeinſchaftlichen Fahrt angekommen, und ſam— melte ſich nun noch einmal zu kurzem Beiſammenſein in den obern Zimmern des Karlshofes. Herr Hofmann ſprach ſeinen Dank aus für alle Liebe, die ihm die Be⸗ wohner der Stadt ſtets, beſonders in letzter Zeit, in ſo reichem Maaße bewieſen hätten und ſchloß mit einem ihnen geltenden Lebehochauf, worauf Herr Trapp III. in einer längeren, an Herrn Hofmann ſelbſt gerichteten, er— greifenden Anſprache, die Wuͤnſche zu erkennen gab, mit denen die Verſammelten ihren Abgeordneten, zugleich ſeinen und vieler Anderer perſönlichen Freund, zur Ausrichtung eines erhabenen, aber ſchwierigen Berufes, entließen, und mit donnerndem Beifall wurde der zu Ende dieſer Rede auf Herrn Hofmann ausgebrachte Toaſt wiederholt. Sofort begleiteten alle Verſammelten den Abreiſenden zu dem Wagen, in welchem ſeine Frau mit mehreren Kindern nach
Okarben nachgekommen war und der ihn jetzt gegen 11 Uhr nach Frankfurt bringen ſollte. Wir glauben, es wird Jeden ergriffen haben, der dabei war— und deswegen geſchieht auch hier der Sache ausdrückliche Erwähnung,— daß, als man ſich eben gerade unter Händedruck und noch⸗ maligem Lebewohl trennen wollte, aus der Mitte der Ver— ſammelten die Stimme eines armen, doch anſtändig ge— kleideten, Mannes, wie uns geſagt wurde von Oberrosbach, erſcholl, die ſich etwa in dieſer Weiſe vernehmen ließ: „Meine Herrn! Ich bin ein armer Mann und kann nicht viel reden. Es iſt recht ſchön und gut, daß Sie Ihren Abgeordneten ſo ehren, daß Sie ſo freudig in die Zukunft blicken. Nicht Alle können das. Seien Sie ſo gut, Herr Abgeordneter, und helfen Sie machen, daß die armen Leute, die nicht betteln wollen, wieder Arbeit bekommen, damit ſie wieder Brod haben!“— Herr Hofmann ſelbſt und dann an ſeiner Statt auch noch Herr Bergrentmeiſter Textor gaben dem Manne, ſo weit ſie es konnten, tröſt⸗ liche Verſicherungen; dann nahm der letztere zugleich Höchſt⸗ befehlender der Friedberger Bürgergarde, die Familie Hof⸗ manns in den Schutz der Bürgerſchaft der Stadt, die Verſammlung drückte ihre Bereitwilligkeit, ſolchen Schutz zu üben, durch Lebehochauf aus und von den Reitern noch bis Kloppenheim begleitet, fuhr dann Hofmann ſeiner Be— ſtimmung entgegen. Möge ſein Wirken in Frankfurt aller- wärts, woran wir nicht zweifeln, zum Guten helfen, möge die Hand des Höchſten über ihm und dem ganzen Rathe, dem er zugetheilt iſt, walten und aus den Kämpfen der Zeit, an denen er Antheil nehmen ſoll, unſer Volk und Vaterland groß und einig und ſtark hervorgehen laſſen!—
Nachdem die Reiter von Kloppenheim nach Okarben zurückgekommen waren, begab man ſich auf den Heimweg und gelangte zwiſchen 2 und 3 Uhr in der Stadt wieder an, mit dem wohlthuenden Bewußtſein, an einer Ehren⸗ bezeugung Theil genommen zu haben, die einem Ehren⸗ manne und in ihm einer großen heiligen Sache dar⸗ gebracht wurde.
Die Hiſtoria von den Spitzen.
Burgdorf war ein Dorf, wie's wohl noch viele Dörfer gab im heiligen römiſchen Reiche, und war vor andern Orten nur dadurch ausgezeichnet, daß ſeine Bewohner eine beſondere Vorliebe für die Hunde, die man Spitze nennt, hatten, deren denn auch eine große Menge von ihnen ge⸗ halten wurde.
Nun iſt's bekanntlich der Spitzen Art, primo ſehr ärgerlich zu ſein uͤber Alles, worüber einem andern ver— nünftigen Hund gar nichts einfällt, oder woran er ſogar ſein Wohlgefallen hat, secundo nichts deſto weniger ſtets die Schnauze unter dem Thore herauszuſtrecken und aufzu⸗ paſſen, was es auf der Straße gibt, und texrtio den Aerger niemals zu unterdrücken, ſondern ihm allezeit, ſo weil's geht, freien Lauf zu laſſen; woher es denn kam, daß in Burgdorf faſt immer ein ſehr unangenehmes Geklaͤffe be⸗ ſagter Spitze zu bemerken war.
Geht da eines Tages ein fremder Mann durch's Dorf; er hatte nichts gemacht, als daß er einen Rock trug, wie ſie ſonſt im Dorfe nicht getragen wurden, und daß er einen am Fenſter ſtehenden Bewohner des Ortes freundlich grüßte— fluggs ſchießt aus dem Thorwege des Nachbar⸗ hauſes der Spitz hervor und fällt dem Fremden an die Waden. Es war natürlich, daß der Fremde über den un— erwarteten Angriff erſchrack und ſich mit ſeinem ſpaniſchen Rohre gegen den kneifenden Spitz zu vertheidigen ſuchte; je
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