Ausgabe 
23.9.1848
 
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Fear

des Handels und Verkehrs, durch die wir Alle leiden, war unzertrennlich von dem Schrecken und der Unruhe, in welche der Ausbruch der Revolution die Gemüther verſetzen mußte, einer Revolution, die nicht etwa ein oder zwei Länder, ſondern den größten Theil unſers Welttheils aus dem gewohnten Gleiſe aufgeſtört hat. Eben ſo natürlich iſt es auch, daß wir Opfer, große Opfer zu bringen haben, wenn wir wollen, daß das Werk der Einheit und Freiheit Deutſchlands, an dem die Nationalverſammlung in Frankfurt arbeitet, zu Stande komme und unſer Vaterland nicht wieder das Schlacht⸗ feld werde, auf dem fremde Nationen ihre Kämpfe ausfechten. Das müſſen wir aber ſchon unſeres eigenen Intereſſes halber wollen, denn mit der Einheit Deutſchlands ſteht und fällt auch Alles, was die einzelnen Staaten bis jetzt gewonnen haben. Sollten wir alſo gleich verzweifeln, weil wir die Früchte dieſer großartigen Bewegung zum Beſſern nicht auch ſchon im erſten Augenblicke mit den Händen greifen können? Sollten wir vor den nothwendigen Opfern, die uns den Genuß dieſer Früchte bringen werden, zurückbeben? Scheut doch auch der vernünftige Landwirth, mag es ihm auch noch ſo wehe thun, weder Mühe noch Koſten, um auf ſeinem Gute Verbeſſerungen anzulegen, deren Gewinn ihn gleichwohl erſt nach Jahren lohnt. Wenn ſonach die Stockung im Handel und Gewerbe, welche in Folge der Revolution eintrat, großen Nachtheil über Stadt und Land gebracht hat, ſo iſt dies ein Uebel, aber wie ſo vieles andere ein unvermeidliches Uebel. Daß aber dieſes Uebel ſo härtnäckig iſt, daß das Wiederaufleben des Verkehrs ſo lange auf ſich warten läßt, das iſt zum großen Theile unſere Schuld und hier haben wir gleich Gelegenheit, unſere Bürgerpflicht kennen zu lernen.

Die Erhebung des Volks in den Märztagen war eine Nothwendigkeit, weil es nur auf dieſe Weiſe ſeine natürlichen Rechte wieder erlangen und ſeine Lage verbeſſern konnte; jetzt dagegen, wo es dieſe Rechte wieder gewonnen hat, bedarf es vor Allem der Ruhe und Ordnung, um dieſelben zu befeſtigen und den gewünſchten Nutzen daraus zu ziehen. Denn mehr als in allen andern Dingen gibt es in der Revolution eine Gränze, deren Ueberſchreiten gerade das Gegentheil von dem bewirkt, was man bezweckte. Die Erhebung im März ſollte uns die Freiheit und durch ſie Glück und Wohlſtand bringen, eine zu weit getriebene, ewig fortgeſetzte Revolution würde uns den Verluſt der Freiheit und als Zugabe Noth und Elend bringen. Aber wie der Sturm, wann er die Gewäſſer aufwühlt, allen Unrath, den die Tiefe verbirgt, an die Oberfläche ſchleudert, ſo hat auch die revolutionäre Gährung eine Klaſſe Menſchen emporgetrieben, die nur in der Unordnung ge deihen können, verlorne Seelen, die ſich das Revolutioniren recht eigentlich zum Geſchäfte gemacht haben. Die haben's den Franzoſen abgeſehen, wie man es anfangen muß, um die Reichen arm und die Armen noch ärmer zu machen. Die Republik haben ſie zum Aushängeſchild genommen, weil ſie hoffen, wenn erſt Alles drunter und drüber geht, würden ſie die großen Herrn ſein und das unmündige Volk regieren. Durch gleißende Vorſpiegelungen, durch das Verſprechen goldener Berge haben ſich dieſe Menſchen in ganz Deutſchland eine große Parthei genommen, die ſich(freilich ſehr mit Unrecht) die demokratiſche nennt. Alle, die nichts mehr zu verlieren haben, alle, die nicht arbeiten, aber gut leben wollen, alle Phantaſten, endlich alle, die zu träge ſind, ſelbſt zu denken und daher leicht der Verfüh rung ihr Ohr leihen, ſind auf ihrer Seite. Ihr Zweck iſt: Umſturz alles Beſtehenden, ihr Mittel: Aufregung und wieder Aufregung und nichts als Aufregung. So haben's auch ihre Brüder in Frankreich gemacht. Denen genügte die Republik bald eben ſo wenig, wie unſern Republikanern die Freiheit, und da ſie keinen König mehr fortzujagen hatten, ſo richteten ſie ihre Angriffe gegen das Eigenthum und wollten theilen. Was aber war die Folge ſolchen Wahnſinns: Ströme Bluts in den Straßen, ein Ruin des öffentlichen Wohlſtandes, daß bald nichts mehr zu theilen ſein wird und die Säbelherrſchaft eines Generals, der, um ein ſo in ſich zerfallenes Volk regieren zu können, damit anfing, die Rechte der Bürger ſo ſehr zu beſchneiden, daß ſie ſchon um ein gut Stück kleiner als unter dem vertriebenen Könige geworden ſind. So iſt's in Frankreich gekommen und ſo wird es auch bei uns kommen, wenn wir nicht endlich uns aufraffen aus unſerer Trägheit und aus allen Kräften dieſe Unruheſtifter bekämpfen. Leider hätten wir dies ſchon längſt-thun ſollen! denn mit jedem Tage wächſt die Gefahr und nur wer ihr zeitig begegnet, darf ſie zu bewältigen hoffen. In alten Zeiten gab es ein Geſetz, das jedem Bürger bei Todesſtrafe gebot, ſich in bürgerlichen Unruhen zu einer Parthei zu ſchlagen. Der es machte, kannte die Menſchen; er wußte, daß ruhige und ordentliche Leute gar zu gern ſich von ſolchen Streitigkeiten fern halten und ſich lieber mit ihrem Hausweſen als mit den öffentlichen Angelegenheiten beſchäftigen; er ſah aber auch ein, daß der Staat zu Grunde gehen müßte, wenn ſich nicht in Zeiten der Umwälzung grade die guten Bürger an ſeinem Schickſale betheiligen und bei ſeiner Neugeſtaltung mitwirken wollten, und darum gab er ſein Geſetz.

Was haben wir alſo zu thun, um unſerer Pflicht, die nur unſer wohlverſtandenes Intereſſe iſt, zu genügen? Nichts anders, als dieſelbe Thätigkeit zur Erhaltung der Ruhe und Ordnung einzuſetzen, welche dieſe ſogenannten Demokraten zur Zerſtörung von beiden aufbieten. Wir müſſen ihnen überall, wo wir ſie von ferne kommen ſehen, mit Macht entgegentreten, ihre Täuſchungen aufdecken, die lügenhaften Gerüchte, die ſie verbreiten, zu nichte machen, die von ihren Vorſpiegelungen Verblendeten durch Belehrung von ihrem Irrthum zurückbringen. Was aber die Hauptſache iſt: wir müſſen, ſo viel Ueberwindung es uns auch Anfangs koſtet, den lebhafteſten Antheil an allen öffentlichen Angelegen heiten nehmen. Beſonders bei den Wahlen jeder Art, ſeien es Gemeindewahlen, Bezirkswahlen oder Landtagswahlen, gilt es dem Einfluß und den Umtrieben unſerer Gegner mit allem Eifer entgegenzuarbeiten. Hier muß ſich Jeder ohne Ausnahme ein Gewiſſen daraus machen, ſeine Stimme zu geben, und zwar nicht dem, der viel verſpricht und die ſchönſten Worte macht, ſondern dem Manne, für deſſen Rechtsſinn und Ordnungsliebe, für deſſen Muth und Ausdauer ſein früheres Leben Bürgſchaft leiſtet. Nur auf dieſe Weiſe können wir uns der Freiheit würdig beweiſen und ſie zugleich gegen jeden Angriff, mag er von unten oder von oben kommen, ſiegreich behaupten; nur ſo werden wir des Segens, mit dem ſie die Völker beglückt, theilhaftig werden und ſie ungeſchmälert unſern Kindern überliefern. Denn wem es an Kraft und Willen zur Selbſtſtändigkeit fehlt, für den iſt die Bevormundung nur ein verdientes Loos.

Wie eifrig aber auch unſer Streben ſein mag, vereinzelt kann ſelbſt der Tüchtigſte nur wenig erreichen; wir müſſen daher von dem Verſammlungsrechte Gebrauch machen und uns berathen, was jedesmal zu thun iſt, damit wir wie ein Mann daſtehen, wenn es ans Handeln geht. Darum iſt in Mainz ein Verein von Bürgern zuſammengetreten, der es ſich zur Aufgabe gemacht hat, für die Einheit und Einigung aller Staaten des deutſchen Vaterlandes unter einem Reichsoberhaupte, für Freiheit, Ordnung und Recht mit allen geſetzlichen Mitteln zu wirken. Er richtet an Euch, Mit bürger aus Rheinheſſen, die Aufforderung, in Euern Gemeinden ähnliche Vereine zu bilden, und Euch ihm anzuſchließen zu gemeinſamem Handeln. Mit Freuden wird er Euch von ſeinen Beſchlüſſen in Kenntniß ſetzen und Euch jederzeit mit Wort und That zur Seite ſtehen.

Gott ſegne Deutſchland und ſchütze unſere Freiheit!

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