Ausgabe 
23.9.1848
 
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1 .

Aenne

Intelligenz-Olatt

fur die

Provinz Oberheſſen ö

im Allgemeinen,

den Regierungsbezirk Friedberg

im Beſonderen.

M75.

Sonnabend, den 23. September

1848.

Amtlicher Theil.

Der Wahl⸗Commiſſaͤr fuͤr den zweiten Wahlbe⸗ zirk der Provinz Oberheſſen uin ſämmtliche dienſtthuende Herrn Geiſtlichen in dieſem Bezirke. Betreffend: Die Einführung einer Synodal⸗ und Presbpterial⸗Ver⸗ faſſung in der evang. Kirche des Großherzogthums Heſſen. Och lade Sie hierdurch ergebenſt ein, an der Mittwoch ven 27. September, Morgens 10 Uhr, zu Salzhauſen attfindenden Wahl eines Mitgliedes der Commiſſion, welche nach allerhöchſter Verkündigung vom 16. Auguſt d. J. mit dem Entwurfe einer zeitgemäßen Verfaſſung der vang. Kirche des Großherzogthums Heſſen beauftragt wer ven ſoll, ſich betheiligen zu wollen. Echzell am 17. September 1848. A. Hoffmann, Gr. Decan.

Großes Brandunglück in Zell an der Moſel. Aufruf zur Mildthätigkeit an die deutſchen Handwerker!

Brüder und Zeitgenoſſen! An Euch richten wir ver⸗ rauensvoll unſer Flehen und Bitte, durch milde Gaben das zroße Unglück zu erleichtern, womit die Handwerksgenoſſen unſrer Kreisſtadt Zell ſchrecklich heimgeſucht wurden.

Am 22. d. M. zwiſchen 7 und 8 Uhr Abends, brach,

wahrſcheinlich aus Unvorſichtigkeit, in der Behauſung eines

urmen Taglöhners in dem oberen Stadttheile wohnend, Feuer aus. Mit jammervollen Blicken mußten die armen Anglücklichen, trotz aller Hülfe, ihr Hab und Gut, nebſt ven kaum erſt eingeerndeten Früchten und Futterkräutern Raube der ſchnell um ſich greifenden Flammen preis⸗ eben. 5

Das Wehen eines ſtarken Windes, genährt durch die gefüllten Speicher und die ſehr enggebauten Straßen tru⸗ zen zu der raſchen Entzündung und Ausbreitung der Feuers »runſt am weſentlichſten bei. In einer kurzen Zeit wurden im Ganzen 149 Gebäu⸗ ichkeiten darnieder gebrannt, und beinahe an 300, meiſten⸗ heils arme Familien, die größte Hälfte der Stadt, obdach⸗ os und brodlos gemacht, da ſie durchſchnittlich zu arm

waren um Haus und Möbel verſichern zu können; Wenige ausgenommen.

Von dieſen jammernden Abgebrannten zahlt man 3 Theile von dem hieſigen Handwerksſtande, die ſich in dieſer mitleidsvollen Lage befinden, die nicht einmal ihre Klei⸗ dungsſtücke um ſich verhüllen, noch ihre Handwerksgeräth⸗ ſchaften um ihre fernere Exiſtenz behaupten zu können, ret⸗ ten konnten. Schauerlich und wehmuthsvoll werden nun unſere armen Handwerksgenoſſen die weder Obdach noch Nahrung zur Erhaltung der Ihrigen haben, alſo mit Hun⸗ ger und Elend gepaart, umherirren muͤſſen. Nicht zu ſchil⸗ dern bin ich im Stande dieſe furchtbare Scene mit all ihrem ſchrecklichen Farbenſpiele, welche, wenn nicht fremde Hülfe kömmt, nie verſchwinden werden.

D'rum ihr deutſchen Handwerksgenoſſen ſammelt und traget jeder ein Schärflein, wie es in euern Kräften ſteht, dazu bei, damit durch ſchnelle Hülfe euern ungluͤcklichen Collegen ein Ziel ihres Jammers und Elendes geſetzt wird. Sie ſind ja auch von jenen Brüdern die von der Geburt der jungen Freiheit bisher an der Hebung durch Unterſtuͤtzung ihrer Wünſche und Meinungen einer beſſeren Lage fuͤr Deutſch⸗ lands Handwerker zu erzielen, energiſchen Antheil nahmen. Mit welcher Freude begrüßten ſie noch vor Kurzem die nach unſren Wünſchen und Wohle von dem Handwerker- Congreß in Frankfurt entworfenen Beſtimmungen einer neuen Gewerbeordnung, und plötzlich ſind nun durch dieſe Schreckensnacht all ihre ſchönen Hoffnungen zerſplittert. Was könnten ihnen auch die ſchönſten Erwartungen mehr nützen, wenn fremde Hülfe ſie nicht in den Stand ſetzen ihr Gewerbe wieder fortzutreiben.

So zeiget denn, ihr deutſchen Handwerker-Vereine, ſo wie jeder einzelne Handwerksgenoſſe in Deutſchlands Gauen, daß ein brüderliches Herz in euch ſchlägt, das Jedem Verunglückten mit Bereitwilligkeit die Rechte darreicht, um dieſelben einigermaßen durch kleine Unterſtützungen in den Stand zu ſetzen, die Ihrigen wieder ernähren und erhal ten zu können. Mit Freuden nimmt das unterzeichnete Handwerker⸗Comité zur Vertheilung jede milde Gabe an, wie ſie auch ausfallen möge; mit der Bitte, dieſelbe an den Redacteur des Kreisblattes in Zell E. L. Simon addreſ ſiren zu wollen, mit der Randbemerkung: Einlage zur Un⸗ terſtützung der brandverunglückten Handwerker in Zell).

4) Die Redaction d. Bl. iſt gerne bereit, milde Gaben in Empfang zu nehmen und an den Ort ihrer Beſtimmung zu befördern.