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geliebt wird, ſo liebt ſie hinwieder Alle, aber Drei ſind es beſonders, an denen ihr Herz hängt. Das iſt ihr Enkel, der Chriſtoph, das iſt die Hermine, die wir ſchon kennen gelernt, wie ſie des Schultheißen Franz auf dem Küppel⸗ chen Lebewohl geſagt, das iſt vor Allen ihr nächſter Nach— bar, der Schuſter Inſt David.
Fragt man im Orte, wer er ſei, ſo heißt es von dem Einen:„Der Juſt David iſt ein alter Schuſter, der keine neuen Leiſten mehr macht, den Schuhen und Stiefeln eine Form gibt, wie man ſie vor 60 Jahren getragen, und darum höchſtens zum Flicken gut iſt.“ Ein Zweiter ſagt: „Der Juſt David iſt der alte Vogelſchuſter, dem es nicht wohl iſt, wenn er nicht Vögel um ſich hat, die er ſeine alten Weiſen lehren und mit denen er um die Wette ſingen kann.“ Ein Dritter ſagt:„Im Oberſtübchen des Juſt David iſt's nicht richtig, ſonſt wäre er nicht ſein Lebtag ein Jung— geſell geblieben, und redete nicht bisweilen ſo ſonderbares Zeug, das kein Menſch verſtehen kann.„Fragt man aber die Kinder im Orte, wer er ſei, ſo ſagen ſie:„Beſſer kann Keiner erzählen, als der Juſt David, und die Lieder und— Sprüchlein, die er kann, ſind ſo herzerquickend, und jed' Kind läßt die Schuhe am liebſten bei dem Vogelſchuſter flicken; denn ſeine Vögel zu ſehen und zu hören, iſt eine Luſt. Vor ihm auf dem Werktiſch ſitzt der Staarmatz und weint bald wie ein Kind, bald kräht er wie ein Hahn, bald ruft er dem Doctorwäschen einen guten Morgen zu, und bald ſchlaͤgt er Räder, oder ſtellt ſich todt. Und an den Wänden ſingen und zwitſchern die kleinen Vögel in ihren Körben, und ſind ſo zahm, daß ſie ihr Futter aus ſeiner Hand nehmen, und läßt er ſie heraus, ſo fliegt ihm keiner davon, ſondern ſie hüpfen ihm auf ſeiner Glatze umher, und er ſpricht mit ihnen und ſie geben ihm Antwort, als ver— ſtünden ſie einander.“ Fragt man aber das Wäschen nach dem Juſt David, ſo ſagt ſie und wiſcht eine Thräne aus ihren Augen:„Das iſt ein Mann nach dem Herzen Gottes, ein Stiller im Lande, der mehr weiß aus Gottes Wort, denn mancher Pfarrer, und der mehr verſteht von Gottes Werken, als mancher Profeſſor. In dieſe Zeit paßt er nicht mehr hinein, denn für die Schuhe dieſes Geſchlechtes hat er keine Leiſten mehr, aber für das Reich Gottes im Himmel, für das himmliſche Jeruſalem, da paßt er, und für die Gemeinde der Erſtgeborenen, die im Himmel angeſchrie— ben ſind. Und wenn ich mit ihm hinauf komme, dann will ich ihn führen vor Gottes Thron und ſprechen: Laß ihn Herr, das Reich ererben, das den Frommen bereitet iſt von Anbeginn der Welt; denn ich bin hungrig geweſen, und er hat mich geſpeiſet, ich bin durſtig geweſen und er hat mich getränket, ich bin krank geweſen und er iſt zu mir gekom— men.— Es iſt manches Kind ſchon hingegangen, ſeine Vögel pfeifen zu hören, und iſt mit ganzen Schuhen an ſeinen Füßen wieder heim gekommen, denn die Aeltern konnten ſie ihm nicht flicken laſſen, und Niemand hat ein Wort darüber verloren, der Juſt David am wenigſten. Wer erhält der Schreinergrethe ihre Kinder, wenn die
Mutter auf der Bettelfahrt geht, und woher lernen die Kinder im Orte im Frühling die Vogelneſter ſchonen und Gottes Weisheit bewundern in ſeinen Creaturen, als von dem Vogelſchuſter? Kurz, Kinder und Kindes Kinder müſſen ſein Gedächtniß in Ehren halten, wenn er nicht mehr iſt, und vergaͤßen ſie ihn Alle, ſo ſoll mein Chriſtoph es nim⸗ mer thun.“
Einladung.
Bekannt ſind die Bemühungen Dänemarks, die Herzog⸗ thuͤmer Schleswig-Holſtein dem deutſchen Geſammt-Vater⸗ lande zu entfremden, wohl gar von demſelben zu trennen. Ganz Deutſchland hat ſchon feierlich gegen ſolchen Verſuch proteſtirt.
Unter denjenigen Bewohnern dieſer Herzogthuͤmer, welche mit dem kräftigſten Erfolg für die Erhaltung deut⸗ ſcher Nationalität zu wirken ſich beſtreben, ſteht Beſeler oben an, der Präſident der Schleswig'ſchen Stände⸗Verſamm⸗ lung im verfloſſenen Jahr. Jetzt wieder berufen, hat ſeine Regierung ihm, dem Advocaten und Notar, den Urlaub verweigert. Um den Eintritt ſich möglich zu machen, hat er, der Familienvater ohne Vermögen ſich entſchloſſen, ſeiner Anſtellung und damit allen Einnahmen durch dieſelbe, zu entſagen. Ein großer Theil Deutſchlands bemüht ſich, durch freiwillige Gaben, großere und kleinere, ein Kapital zuſam—⸗ men zu tragen, das dem gefeierten Manne zunächſt zur Entſchädigung dienen konne. Das Großherzogthum Heſſen wird nicht zurückſtehen in dieſem ächt vaterländiſchen Be— ſtreben. Wir richten an unſere Mitbürger die Einladung, einen Beitrag dafür von beliebiger Größe zu unterzeichnen, für die richtige Ablieferung des Ganzen werden wir ſorgen, und das Reſultat demnächſt bekannt machen.
Darmſtadt den 13. Dezember 1847.
A. W. Heſſe. Kilian. Wernherr. Zitz. von Gagern.
Emmerling I. Riedeſel. Köſter. Eigenbrodt. Krug. Carl Zöppritz. Lehne. Löw. Zulauf. Reh. Dr. Lan⸗ gen. Aull. Steinherr. Kloch. Chr. Frank. C. E.
Heinrichs. v. Günderrode. Keil v. Fürth. Buff. Grode. Brunk. Lotheißen. Lerch. Chriſtian Zöppritz. Dr. Heldmann. Keil v Melbach. Stoll. Kinſcherf. Ram⸗ ſpeck. von Rabenau. Kahlert.
Zur Empfangnahme von Beiträgen erklären ſich bereit:
Hofmann, Landrichter. Trapp III., Hofg.-Adv.
Wahl, Apotheker. Dr. Gilmer, Ldg.⸗Aſſeſſor.
Markt ⸗ Bericht. Friedberg, am 19. Januar 1848. Aufgefahrenſ Verkauft ſ ay, 8 Gattung. wurden wurden[ Mittelpreiſe (Mltr.)(Mltr.) 1 Wasen 50 27 9 5⁵ 9 5 N 86 25 7 32 Gerſte. 787 5 40 Hafer 2 45 267 4 50
NB. In Friedberg wurde das Malter Waizen zu 200, Korn 190, Gerſte 170 und Hafer 120 Pfund gerechnet. 8
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