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ganz der Tugend(naturlich was man in jener 12 Vorzeit unter dieſem Worte verſtand) geweiht waͤr und am Schluſſe deſſelben was geſchah?— er wurde in die Verſammlung der Götter aufgenommen, ſelbſt ein Gott, vermählt mit Hebe, der Göttin der Jugend, hinfort ſitzend im Rathe der Götter, im Vollgenuſſe aller olympiſchen chimmliſchen) Freude und Wonne, auch am ſichtbaren Himmel verherrlicht durch ein Sternbild, das ſeinen Namen führt bis auf den heutigen Tag.
Wieder ſind es einzelne Gedanken, die wir aus die— ſer Erzählung des Alterthums herausheben, nemlich:
1) Für jeden Menſchen kommt die Stunde, daß er, wie Herkules, am Scheidewege ſteht, daß er einen Entſchluß faſſen muß, ob er der Sünde oder der Tugend dienen will. War dieſer Augenblick für dich ſchon da?— wohin haſt du dich ge— wendet?——
2) War dieſe Scheideſtunde fur dich noch nicht da, o ſo laß dich nicht durch der Sünde buhleriſches Laͤcheln, nicht durch der Tugend ernſte Miene beſtimmen, dem Gnadenbild der letztern den Rücken zu wenden und der erſteren dich zu⸗ zukehren; bedenke:
„Des Laſters Bahn iſt anfangs zwar Ein breiter Weg durch Auen,
Allein ſein de Nag wird Gefahr, Sein Ende Nacht und Grauen.
Der Tugend Pfad iſt anfangs ſteil, Läßt nichts als e blicken,
Doch weiter fort führt er zum Heil, Und endlich zum Entzücken.“
3) Siehſt Du, daß für einen Andern die Scheideſtunde gekommen iſt, ſiehſt Du, daß Einer einen Himmel ſich ſchaffen, den Himmel ſuchen will und Du kannſt ihm helfen, o ſo hilf, auch wenn es dich ein Opfer koſtet hilf,— nichts Beſeligerendes gibt es als einen Men⸗ ſchen glücklich machen, nichts Höheres, als eines Menſchen Seele retten!— ö
III. Tanz und Leben.
Bin ein Geſchäftsmann, der die Woche über ſeine liebe Noth hat von Morgens früh bis Abends ſpät, daß er gewinnt, was ſeine und der Seinigen Nothdurft hei— ſchet, denn's iſt in reichliche Erfüllung an mir gegangen das Wort der Schrift: im Schweiße deines Angeſichts ſollſt du dein Brod eſſen.— Ach wie thut da nach ſechs Tagen der Arbeit die Ruhe am ſiebenten ſo gut und wie ſehnt ſich der Menſch nach Sabbathſtille zuerſt und nach Erholung dann im Kreiſe wohlgeſinnter Freunde,— heiterer Menſchen. Wenn ich darum am Sonntage, wie ſich's geziemet für den Menſchen, der etwas Beſſeres ſein will, als die Geſchöpfe, die in ſeinem Stalle ſtehen, mit mei— nem Hauſe dem Herrn gedient, ihm für ſeine bereits em⸗ pfangene Gnade gedankt und ihn um ſeine fernere Liebe ange— rufen habe, dann pfleg' ich wohl gerne an einen Ort zu gehen, wo man ſich zu Kurzweil und Vergnügen verſam⸗ melt und mag es hie und da auch mit Freude betrachten, wenn ſich die Jugend in munterem Tanze ergötzt, denn
„Ein Tänzlein in Ehren
Wer will es wehren?“— und die Zeiten, wo Herz und Fuß die Luſt am Tanzen verlieren, die kommen ſchon von ſelbſt.—
War ich da neulich bei ſo einer Tanzgelegenheit:— 's ging gar hoch her und»ich hatte meine Freude dran“ und wie ich eben ſo da ſtand und mit zuſah, da tanzte man gerade einen Tanz, den ſie Cotillon nannten. Wie ich hörte, wird der Tanz in der Regel erſt gegen Morgen getanzt und ſo lange bleibe ich nicht,— zu meiner Zeit tanzte man Menuett,— ich hatte den Cotillon mein Leb⸗
tage nicht geſehen und iſt ein gar ſchöner Tanz. Zuletzt ſtellten ſie einen Stuhl in die Mitte der Stube, darauf ſetzte ſich ein Mädchen, ſein Tänzer holte einen andern Herrn und ſtellte ihn dem Mädchen vor, gefiel er ihm, ſo tanzten ſie miteinander, gefiel er ihm nicht, ſo trat er hinter ſeinen Stuhl und es ward wieder ein anderer Herr geholt. Die Sache war gar launig und gab zu manchem Scherze Anlaß und Tänzer und Zuſchauer hatten ihr Ver— gnügen. Ich hatte eben ein bischen mit einem Bekannten geplaudert und die Tanzenden einen Augenblick aus den Augen und den Gedanken verloren; als ich wieder nach ihnen ſchaute, ſaß gerade das Mädchen auf dem Stuhle, daß ich ſchon von mehreren Seiten als das ſchönſte in der Geſellſchaft hatte nennen hören. Es mußte wohl wiſſen, daß es ſchön war, denn es guckte mit gar zuverſichtlichen Aeuglein drein und hinter dem Stuhle ſtand ſchon ein ganzes Heer von Tänzern, die Alle in Gnaden waren abgewieſen worden und ſtets wuchs ihre Zahl. Hier ward gekichert, dort ward gemurrt, aber das Mägdlein hörte weder Kichern noch Murren und weigerte fort und fort den ihm Zugeführten ſeine Gunſt. Da brachte endlich der Tänzer einen Herrn, der zum Tanzen ziemlich ungeſchickt ſchien, denn er hinkte und ſtellte ihn vor die muthwillige Schöne mit dem Bemerken: das wäre unter allen tanzen⸗ den Herrn der letzte und auch er habe ſich nur mit Mühe entſchloſſen zu tanzen, um ihr eine Verlegenheit— die des Sitzenbleibens— zu erſparen. Wohl glitten da die Augen der Schönen über die, welche ſie unbedachtſam ver⸗ ſtoßen hatte, aber Alle ſahen ſie kalt, Einige ſogar ſchaden⸗ froh an,— da ſchlang ſie den Arm um die Hüfte des Hinkenden und walzte dahin und was fruher Kichern war, wurde Lachen, und was Murren war, wurde Frohlocken,— hier und da nur ein theilnehmender Blick.—„Armes Mädchen“— ſagte ein Mann der neben mir ſtand;— „ſo geht's, ſo geht's“— bemerkte kopfſchuͤttelnd ein Anderer;— ich dachte„ein Stückchen Leben!— ein Stück⸗ chen Leben ſelbſt im unſchuldigen Tanze, ſelbſt im Kinder⸗ ſpiel!“— und wer weiß, was ich noch All dazu gedacht und wie ich den Gedanken all noch angewendet hätte, wenn ich nicht eben gerade mittelſt freundlichen Schlags auf die Schulter von einem alten Freunde wärs begrüßt
worden. (Fortſetzung folgt.)
Kirchenbuchsauszug vom Mai 1848.
Friedberg. Getraute:
3. Franz Ludwig Wilhelm Auguſt Jakob Hoffmann, Gr. Oberlieutenant in dem zweiten Bataillon des vierten Gr. Infanterieregiments des zu Lauternkon, Bezirks Kaiſerslautern im Königreich Baiern verſtorbenen geweſenen Gr. Heſſ. Majors Georg Chriſtian Hoff⸗ mann ehelich lediger Sohn, und Ida Maria Simon, des hieſigen Bürgers, Gemeinderaths und Gaſtwirths Martin Simon eheliche ledige Tochter.
4. Peter Franz Schmittner, neu angehender Bürger und Specereihändler, wie auch Lithograph dahier, des Jakob Schmittner, Bürgers und Weißbindermeiſters zu Höchſt im Herzogthum Naſſau ehelich lediger Sohn und Philippine Hanſtein, des hieſigen Bürgers und
Metzgermeiſters Johannes Hanſtein des Zweiten, ehe⸗
liche ledige Tochter. 7 5 5 8. Joh. Wilh. Bechſtein, hieſ. Bürger und Färbermeiſter, des hieſigen Bürgers und Lederhändlers Engelhard Bechſtein ehelicher Sohn, ein Wittwer, und Anna Margaretha Laupus, des weiland Philipp Jakob


