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„heit gewährt, Perſon und Eigenthum kräftig ſchützt. 2) Wir find „überzeugt, daß in einer Monarchie, das Volk durch ſeine Abge⸗ vordneten unmittelbar an der Regierung Theil nimmt, wo die „Gemeinden ſelbſtſtändig ſind und ſich ſelber verwalten, wo die „freie Preſſe der niemals ſchweigende Vertheidiger der Volks⸗ „rechte iſt,— Summa, daß in einer durchaus freiſinnigen und „volksthümlichen Monarchie dieſe für den gegenwärtigen Zeitpunkt „unter den gegebenen Verhältniſſen beſte Staatsform erreicht iſt. „Der Fürſt iſt nicht der Herr des Volkes im alten Sinne, er iſt „nur der oberſte Vertreter des ſelbſtherrſchenden Volkes, das leib⸗ „haftige Sinnbild der Volksherrſchaft. Dies nennt man einen „wahrhaft conſtitutionellen Fürſten. 3) Wir wollen die gewährten „Forderungen der Naſſauer vom 4. März verwirklichen, auf's „weiteſte ausbeuten und in ihnen die breite Grundlage von noch „vielen anderen volksthümlichen Entwicklungen, überhaupt die Grund⸗ „lagen unſeres Bekenntniſſes ſuchen. Der Herzog hat uns Wort „gehalten, wir haben uns auf ihn verlaſſen; ſo ſoll er ſich denn „auch auf uns verlaſſen können. Wenn wir verlangen, daß der „Herzog uns Wort hält, ihm aber unſer Wort nicht halten wollen, »das iſt kein ehrlich Spiel. Ein gegenſeitiges Vertrauen muß n endlich wiederkehren, wenn ſich das Land nicht in ſich ſelbſt auf⸗ „reiben und zerſtören ſoll. 4) Wir wollen den gründlichſten, aber „auch den friedlichſten Fortſchritt, keine Hetzereien, die Land und „Leute aufwiegeln. Dieſe Hetzereien bedrücken das Land ſchier ſo „arg, als der alte Polizeiſtaat, denn ſie ruiniren den Erwerb, und „laſſen den Arbeiter ſeines Fleißes nicht mehr froh werden. Der „fieberhaft bewegte Zuſtand muß endlich aufhören, damit Handel „und Gewerbe wieder zu Kraft und Gedeihen kommen. 5) Wir „wollen uns der Armen annehmen. Den Arbeitsloſen ſoll zur „Arbeit verholfen werden. Weil ſie jetzt in der Monarchie hun⸗ „gern müſſen, darum glauben Viele, daß es in der Republik beſ⸗ „ſer ſei; aber der Hunger wird auch in der Republik bleiben. „Wir wollen Alle zuſammentreten, daß ſchon augenblicklich nach „unſern Kräften zur Abhülfe der nächſten Noth geſorgt wird; wir „wollen Opfer bringen, wir wollen zeigen, daß kein Republikaner „ein größeres Herz für Noth und Elend haben kann, als wir. „6) Freiheit für Alle, alſo auch Ehre jeder redlichen Ueberzeugung „jeglichem Parteibekenntniß. Kampf nur mit geiſtigen Waffen!“ Wiesbaden den 7. April 1848.
0(Folgen über 2000 Namen.)
So lautet dieſes Wiesbader Manifeſt.
Auch ich bin der Anſicht, daß es eines Deutſchen, beſonders eines Heſſen unwürdiger Verrath und Treubruch wäre, wollten wir unſern hoch⸗ herzigen Fürſten, der freiwillig Alles bewilligt hat, was nur die kühnſten Wünſche erſtreben mochten, treulos verlaſſen.— Wir umarmten uns freudetrunken, als das hochherzige Edikt vom 6. März verkündigt wurde, von Hoch und abermals Hoch, von Jubel und Büchſenknall ertönten die Lüfte; wir haben in Dankadreſſen uns aus⸗ geſprochen, haben die großartigen Verheißungen mit innigſtem Dankgefühl angenommen, haben dadurch gleichſam ein neues Bündniß mit unſerm zu allen Zeiten geliebten Fürſtenhauſe abgeſchloſſen— und wir wollten nun, noch ehe irgend ein Zeichen von Rückſchritt nur zu ahnen iſt, wo unfer volksfreundlicher Mit⸗ regent und mit ihm ein das Volksvertrauen verdienendes, ja man kann ſagen, ein aus dem Volkswillen hervorge— gangenes Miniſterium mit aufopfernder Anſtrengung Tag und Nacht daran arbeiten, die dem deutſchen Vater— lande und beſonders die dem Heſſenvolk gemachten Ver⸗ heißungen auf geſetzlichem, einzig heilbringendem Wege zur Verwirklichung zu bringen— in einem ſolchen Moment ſollten wir Heſſen wort- und treu⸗ brüchich unſeren Fürſten verlaſſen und uns in den Strudel einer Republik ſtürzen?
Ueberlegt, theure Bürger und Brüder aus Oberheſſen, was ihr thun werdet, prüfet ruhig! und ich bin überzeugt von Euerem geſunden Verſtand, von Euerer Treue und Biederkeit: es können nur Wenige zweifelhaft in ihrer Wahl ſeyn.
Es giebt Männer, hoch achtbare Männer, deren wirk— liche Ueberzeugung es iſt, eine Republik ſey für Deutſch— land die beſte Regierungsform— allein ſie irren, ſie täuſchen ſich ſelbſt. Wir wollen ſie, die aus Ueberzeugung anderer
Anſicht, als wir ſind, nicht haſſen, nein! wir wollen ſie achten und ſchätzen ſo lange ſie uns nicht feindlich entgegentreten und ihre Anſichten uns nicht ge⸗ waltſam aufdrängen wollen. Denn jeder Deutſche hat das Recht der freien Preſſe, der freien Rede, das Recht der freien Anſicht.
Es giebt aber auch Leute, die aus un lau⸗ teren, eigennützigen Abſichten Republik pre⸗ digen, um Zwiſt im inneren Lande, Anarchie und Bürgerkrieg hervorzurufen und dann ſelbſt im Trüben zu fiſchen.
Noch andere aber ſind es, und deren Zahl iſt vielleicht noch größer, die gar keine ſelbſtſtändige politiſche Anſicht haben, die nicht wiſſen, was ſie wollen, die jedem Schreier, jedem verblendeten Freiheitsapoſtel ein offenes Ohr ſchenken und nun Republik proklamiren möchten, weil es etwas Neues, etwas Großlautendes iſt, ohne zu wiſſen oder zu bedenken, welches unſägliche Unglück ſie ihrem Vaterlande bereiten könnten.
In den geſunden Sinn und Verſtand meiner ober— heſſiſchen Mitbürger ſetze ich aber das feſte Vertrauen, daß nur Wenige es ſeyn können, die eine Republik— die alſo ihr angeſtammtes Fürſtenhaus und den hochherzigen Mit— regenten vom Thron ſtoßen und ſich dem ſchwankenden Rohr einer Republik, das heißt, einer Regierung anver— trauen wollen, die aus Männern beſtehen ſoll, die zwar aus dem Volke gewählt ſind, von denen aber Jeder ſeinen eignen Kopf und Jeder ſeine eignen Anſichten hat und von denen gewiß gar Mancher blos ſeinem Ehr⸗ geize folgen und die Macht der Parteien blos zu ſeinen eigenen Intereſſen mißbrauchen würde.
Jetzt ſtehen die Wahlen zum deutſchen Parlament bevor, in deſſen Hand das Schickſal unſers Vaterlandes ruhen wird. Seyd auf Euerer Hut, biedere Ober—⸗ heſſen, prüfet nach Euerer Ueberzeugung, laßt Euch nicht irre fuͤhren, denn es wird nicht fehlen an Sol⸗ chen, die Euch zu bethören und zu überliſten ſuchen. Ueberlegt ſchon jetzt, ehe der Wahlakt vor der Thüre iſt, was Ihr wollt:— Republik oder Eueren Erbgroßherzog und laßt Euch nach redlich gefaßtem Beſchluß durch keine Vorſpiegelungen irre machen. Verlangt von Demjenigen, der ſich Euch als Wahlcandidat vorſtellt oder antragen läßt, von vorneherein ein offenes, un⸗ verſchleiertes Glaubensbekenntniß. Er muß offen erklären, was er als Parlamentsglied erſtreben will, ob er Republik will, das heißt, Abſetzung Eueres Fürſten und Regierung durch gewählte Männer, oder ob er Regierung durch Eueren angeſtammten Fürſten unter Verwirkli⸗ chung der im Edikt vom 6. März 1848 gemachten Verheißungen erſtreben wolle.
Wer ſich hierüber nicht klar und beſtimmt aus⸗ ſpricht, den wählt nicht! denn Euere Wahl muß eine freie ſeyn, Ihr müßt wiſſen, Wem Ihr Euer Wohl und Wehe, Wem Ihr das Wohl und Wehe Es e rer Mitbürger in die Hände geben wollt.
Männer von Oberheſſen, treue Mitbürger und Freunde! wenn Ihr ruhig geprüft und Euer Inneres gewiſſenhaft zu Rathe gezogen habt, wenn dann gefragt wird: Wer iſt der Erſte von Euch, der ſeinen Fuͤrſten verrathen will? Dann hoffe ich Keinen hervortreten zu ſehen.
Es lebe die Freiheit! Es lebe unſer hoch⸗ herziger Fürſt! Es leben die Heſſen! Es lebe Deutſchland! 4
Gruß an meine Mitbürger.
Cndwig Welcher, Hofgerichts-Advocat, Gießen den 10. April 1848.
Deu
Abe den A Sudhei kannter hiermit gemen
ethebe Berglei welen, Wash den Be
treten
Or!


