Ausgabe 
19.2.1848
 
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58.

wenige gibt, ſind dem Hungertyphus ein Opfer gefallen. Wahrlich, als ich dieſe Zuſtände, die ich hier nur um an ſie zu erinnern andeutete, ſchildern horte und wieder⸗ um hörte, da iſt's mir geweſen, als dürfte ich mich meiner warmen Suppe und meines Stückchens Fleiſch nicht mehr freuen und da hab' ich mir gelobt: Du willſt hintreten vor dein Volk und willſt ihm, ſo weit es dich hören kann, mit lauter Stimme zurufen: Bürgerhülfe! Bürgerhülfe!

Und dieſem Gelöbniß getreu, nicht fürchtend und auch nicht für möglich haltend irgend eine Mißdeutung deſſen, was ich thue, komme ich in dieſen Zeilen zu Euch, meine Brüder, und flehe Euch um Gottes Barmherzigkeit willen an: helfet helfen, wenn ihr könnt; Ihr Behörden ſeid der Mund derer, die im Elend verſtummen und vermahnet euere Gemeinden zu der Hülfeleiſtung, um welche ich bitte und eure Ermahnung wird gewiß auf guten Boden fallen; Ihr Geiſtlichen, Lehrer, Gemeindevorſteher, macht das Liebeswerk, zu dem ich aufrufe, zu einem Werk eurer Sorge und es wird ein Werk des Segens werden für Euch und für Viele; Ihr Reichen laſſet herniederfallen von eueren Tiſchen ein Broſamlein, damit die Aermſten ſich daran laben; Ihr Armen denkt an die Gottesgabe der Wittwe im Evangelio und wiſſet, daß auch die kleinſte Steuer, in herzlichem Erbarmen und brüderlicher Liebe ge⸗ geben, ein ſchöner Ehrenſchmuck für Euch ſein wird am Tage der Vergeltung; Ihr Alle, die Ihr dies leſet, ſagte nicht:es kommt zu oft! was können die Armen in Schleſien dafür, daß vor ihnen ſchon andere Armen bei uns waren? wir haben den Hamburgern, den Felsbergern, den Wimpfenern und wie ſie Alle heißen mögen, unſere Theilnahme nicht verſagt, wollen wir mit denen, deren Noth die größeſte iſt, den Anfang machen? laſſet euch nicht abhalten zu geben darum, weil ich und ich allein) Euch bitte ich wollte die koſtbare Zeit nicht mit viel Hin- und Herreden verderben,'s iſt ja gleichgültig, wer bittet und wie viele bitten, wenn Ihr nur gebet; nehmt keinen Anſtoß daran, daß ich evangeliſcher Pfarrer bin ich denke jetzt nicht an evangeliſch und katholiſch und juͤdiſch, die Dinge gehören auf ein anderes Gebiet; eben laßt uns an die Armen in Schleſien denken, die meiſtentheils katholiſch ſind, und kommet eilig, damit Ihr nicht zu ſpät kommet, und bringet gerne eure Gaben, denn den fröhlichen Geber hat Gott

*) Es können übrigens auch Beiträge abgegeben werden bei der Redak⸗ tion d. Bl., und bei den Herren: Gemeinderath J. Falk, Kaufmann W. Fertſch, Kaufmann Mayer Hirſch, Sectionsingenieur Hoch⸗ geſand, Oberlieutenant Hoffmann, Candidat Landmann, Hof⸗ gerichtsadvocat Trapp II. und III., Apotheker Wahl.

lieb, ich will ſie gewiß bewahren und, indem ich ſie einem ſchleſiſchen Hülfsverein zu Breslau zuſchicke, verwenden, daß Ihr keine Klage wider mich habet, wenn ich Euch Rechnung thue.

Gott der Herr, der die Herzen der Menſchen lenket wie die Waſſerbäche, der lenke die Eurigen zum Wohlthun und laſſe es euch gefallen, daß ich, was ich nicht laſſen konnte, gethan und mich zu euerm Diener bei einem heiligen Liebeswerke auch hier wieder erboten habe.

Fauerbach II. den 12. Februar 1848.

Dr. L. Chr. Matthias, Pfarrer, in Friedberg jeden Tag von 812 u. v. 24 Uhr im Taubſtummen⸗ Inſtitut zu finden.

Für die armen Schleſier

find bei dem Unterzeichneten eingegangen: von Kfm. Katzenſtein 6 fl., Ap.] Werner 1 fl., Fr. R. 30 kr., E. P. und Fr. Sch. 30 kr., Fr. Sellin 1 fl., Director Roller 2 fl. 42 kr., Pf. M. 1 fl. 45, durch Hrn. Ober. lieutenant Hoffmann von Hochl. Gr. Heſſ. Offizierkorvs des II. B. IV. J.⸗R. 15 fl., Kech 1 fl, MW.... 1 fl., Fr. S. 1 fl.; Weiter find bei der Expedition d. Bl. eingegangen: von einer Unbekannten 1 fl., von B. in N. 1 fl., von einer Ungenannten 2 fl. 24, von D. B. 1 fl. 45 kr., von K. 17½ kr.; im Ganzen 37 fl. 53 ½ kr.

Aufrichtigen Dank und Gotteslohn den edelen Gebern! Bedenke theurer Leſer, was die Schrift ſagt, Sir. 5, 8:verziehe nicht und ſchiebe es nicht von einem Tage auf den andern, denn wenn irgendwo, ſo iſt in dem vorliegenden Falle das Wort wahr: doppelt gibt, wer ſchnell gibt.

Zugleich bemerke ich, daß Briefe und Geld an mich nach Fried⸗ berg zu adreſſiren find und daß Beides, in meiner Abweſenheit, in der Wohnung des Herrn Director Roller in Empfang genommen wird.

Friedberg den 16. Februar 1848. 5

Dr. Matthias.

der Schluß des Regierungsblatt⸗Auszugs Nr. 3 folgt in der nächſten Nummer d. Bl.

Markt Bericht. Friedberg, am 16. Februar 1848. Aufgefahren Verkauft

Gattung wurden wurden Mittelpreiſe (Mltr.)(Mltr.) f.

Walden 70.7 7 7 3 Korn 60 ¼ 30 7 17 Gerſte 45 16 22 7 Hafen 31 16 ½ 4 42 Kartoffeln 4 2 2 15 Erben

NB. In Friedberg wurde das Malter Waizen zu 200, Korn 190, Gerſte 170, Hafer 120 und Kartoffeln zu 240 Pfund gerechnet.

Bekanntmachungen von Be⸗ hörden.

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Verſteigerung auf den Abbruch.

(133 Montag den 28. k. M, Morgens um 9 Uhr anfangend, werden an Ort und Stelle in dem Hoſpitalhofe zum heiligen Geiſte, nach⸗ ſtehende, dort befindliche Gebäude auf den Ab⸗ bruch meiſtbietend verſteigert, als:

1) Ein zweiſtöckiges Wohnhaus mit maſſivem Unterbau und hölzernem Ueberbau nebſt Ziegeldach, 75 Fuß lang und 43 Fuß breit.

2) Ein maſſiver Pferdeſtall mit hölzernem Stock e gens, 37 Fuß lang und 33 Fuß

reit.

3) Ein daranftehender niedriger Stallbau von Holzwerk mit Ziegeldach, 80 Fuß lang und 20 Fuß breit.

4) Eine Scheuer mit Schafſtall von Holz und Ziegeldach, 67 Fuß lang und 20 Fuß breit.

5) Eine größere Scheuer mit zwei eingebauten Ställen von Holz und Ziegeldach, 86 Fuß lang und 35 Fuß breit.

6) Ein angelehnter Schweinſtall von Holz und Dielwänden nebſt Ziegeldach, 35 Fuß lang und 17 Fuß breit.

7) Ein maſſives Brennhaus mit Ziegeldach, 36 Fuß lang und 35 Fuß breit.

Die Gr. Bürgermeiſter werden erſucht, vor⸗ ſtehende Bekanntmachung in ihren Gemeinden auf ortsübliche Weiſe zur Oeffentlichkeit bringen zu laſſen.

Friedberg am 31. Januar 1848.

Der Großh. Heſſ. Bürgermeiſter Bender.

Verpachtung.

(127) Montag den 21. k. M., Morgens um 9 Uhr anfangend, werden in hiefigem Rathhauſe

cirea 100 Morgen, dem Hoſpital zum heiligen Geiſte dahier gehörende, in den Gemarkungen Friedberg, Fauerbach II., Ockſtadt und Nauheim liegende Güterſtücke, erſt parzellenweiſe, dann im Ganzen auf zwölf nach einander folgende Jahre meiſtbietend verpachtet.

Die Flurſchützen der obenbenannten Gemar⸗ kungen ſind angewieſen, den Pachtliebhabern auf Verlangen die Grundſtücke zu zeigen.

Friedberg am 31. Januar 1848. 8 Der Großh. Heſſ. Bürgermeiſter Bender.

Aufforderung.

(183) Nach gemachter Anzeige ſoll der Pfand⸗ ſchein Nr. 16,518 verloren gegangen ſein, es wird deßhalb derjenige, welcher denſelben in Händen hat, oder an denſelben Anſprüche zu machen glaubt, aufgefordert, denſelben binnen ſechs Wochen bei den Unterzeichneten vorzulegen und ſein Recht darauf begründen zu wollen,

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