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* Pausſchatz für Dewi. e Sedern.
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Intelligenz-Blatt
fur die
Provinz Oberheſſen
im Allgemeinen,
den Kreis Friedberg und die angrenzenden Bezirke
im Beſonderen.
M15.
Sonnabend, den 19. Februar
1848.
Amtlicher Theil.
Der Großherzoglich Heſſiſche Kreisrath des Kreiſes Friedberg
an die Großh. Buͤrgermeiſter des Kreiſes.
Ein furchtbarer Nothſtand, und ein menſchliches Elend, wie es in der Geſchichte der neueren Zeit kaum ſeines Glei—⸗ chen findet, iſt über einen großen Theil der Bewohner Schleſiens hereingebrochen. Wo der Deutſche die deutſchen Brüder im Unglücke ſchmachten ſieht, da eilt er in brüder⸗ lichem Mitgefuͤhle zu Hülfe. Zahlreiche Sammlungen zur Linderung des grenzenloſen Jammers ſind überallhin im Gang. Wenn auch wohlſtehendere Gemeinden etwas dazu beitragen wollen, ſo werde ich es gerne genehmigen.
Friedberg den 16. Februar 1848.
Küchler.
Mitbürger! Freunde! Brüder!
„Wir haben ein einiges Deutſchland.“
Erzherzog Karl von Oeſterreich.
So lange der Herr nicht verzieht, die Menſchen heim⸗ zuſuchen mit allerlei Trübſal, Noth und Gefahr, ſo lange muſſen wir offen halten Herzen und Hände, damit uns des Elendes Anderer jammern könne und damit wir herzutreten und williglich helfen und retten, wo immer und ſo weit wir's vermögen. Verſchließen wir Herzen und Hände,— ſelbſtſuͤchtig uns beſchränkend auf die Förderung eigenen
Wohles, auf die Linderung eigenen Leides,— eitelen Sinnes
voll nur das, was unſern Beſitz mehrt, für Gewinn, Alles, was ihn mindert, für Verluſt haltend, wie iſt da die Liebe in uns— des echten Glaubens Frucht, an der wir als Ehriſti Jünger erkannt werden ſollen? wo iſt da der himm⸗ liſche Sinn, der dahinten läſſet, was von dieſer Erde iſt und ſtets nach Oben trachtet? wo iſt da das Streben, ähnlich zu werden dem, nach deſſen Bilde wir geſchaffen ſind und der da will, daß Allen geholfen werde,— ähnlich zu werden dem, der uns als leuchtendes Muſter vorange— gangen iſt und die größte Liebe ſeinen Mitmenſchen bewieſen hat, die, daß er ſein Leben für ſie ließ am Holze, auf dem der Fluch lag?
Freunde! Brüder! Dem, von dem Gluck und Un⸗ glück kommt, Armuth und Reichthum, Leben und Tod,— der die Menſchen hoch macht und niedrig nach ſeinem Wohl— gefallen,— deſſen Rath wir nicht verſtehen und iſt wunder⸗ barlich, wie er regieret,— dem Ewigen und in Ewigkeit Hochgelobten hat es gefallen, einen Theil ſeiner Menſchen⸗ kinder mit einer Trübſal heimzuſuchen, wie ſie in unſerm civiliſtrten und kultivirten Europa ſchon ſeit Jahrhunderten ihres Gleichen nicht hat und wie ſie faſt das Maas des Glaubens überſteigt— und dieſe armen Geſchlagenen ſind die Bewohner der ſüdöſtlichen Kreiſe Schleſiens.
Wohl habt Ihr, meine Brüder, ſchon Schilderungen der Noth in Schleſien in öffentlichen Blattern geleſen,— doch muß ich das Bild des Schreckens auch hier Euch vor Augen halten.— Arme Spinner und Weber ſind die Be⸗ wohner der oben genannten ſchleſiſchen Kreiſe ſchon ſeit vielen Jahren durch das Umſichgreifen des Maſchinen⸗ und Fabrik⸗ weſens ſo ziemlich um ihren ärmlichen Verdienſt gebracht und es iſt oͤfter geſchehen, daß ein Mann, der den ganzen Tag arbeitete, nur einen Silbergroſchen verdiente; dazu iſt der Boden nur von geringer Ertragsfähigkeit und bringt wenig mehr als Kartoffeln, Haidekorn, Hafer und Gras hervor; aber die Leute, von Jugend auf an's Darben ge— wöhnt, auch von ihrem Könige großmüthig unterſtützt, be— halfen ſich ſo gut ſie konnten und lebten, mit dem Noth⸗ wendigſten zufrieden, ruhig dahin. Da mißriethen im Jahre 1845 die Kartoffeln und die Noth wuchs; im Jahre 1846 mißriethen die Kartoffeln gleichfalls und zu dem Hunger geſellte ſich verderbend die Ruhr; im Jahre 1847 mißriethen die Kartoffeln gänzlich und nun iſt das Elend ein allge— meines,— regelmäßige Nahrung vieler Menſchen ſind Gras, Haͤckſel, Kleien,— Viele haben nicht einmal dieſes und verfallen dem Hungertode— die, welche es haben, konnen doch die Koſt auf die Dauer nicht ertragen,— an die Stelle der Ruhr iſt das peſtartige Hungerfieber getreten,— 60,000 Menſchen ſind in täglicher Gefahr entſetzlichen Todes,— ganze Familien ſind ſchon ausgeſtorben,— über 3000 Kin— der ſind bereits elterulos und ſchutzlos überhaupt, denn alle Bande der Freundſchaft und Licbe hat die Noth gelöſt, Jeder denkt nur an ſich und ſeine Rettung, Keiner an den Andern,— und bei dem Allem fehlt ärztlicher Beiſtand und geiſtlicher Zuſpruch, denn auch viele von den Aerzten und Geiſtlichen, deren es in dortiger Gegend überhaupt nur


