Ausgabe 
18.11.1848
 
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Deutſcher Volksverein in Friedberg.

(1622) Oeffentliche Verſammlung Sonntag den 19. d. M., Mittags um 4 Uhr, im Ger⸗ lach'ſchen Saale.

Bekanntmachung.

1623) Alle Sorten gute Lebkuchen, das

fund zu 18 kr., hat zu verkaufen

Friedberg. Bäcker Ste lz in der Uſagaſſe.

20 Jährlings⸗ und 15 vierzähnige Hämmel,

(162 größtentheils ſchlachtbar, hat zu ver⸗ kaufen Ph. Väth in Södel.

Garantirt und vortheilhaft!

Das große Badiſche Staats⸗ Eiſenbahnanlehen

von 141 Million Gulden,

(1623) bietet Gewinne von 14 mal 50,000, 54A mal 40,000, 12mal 35,000, 23mal 15,000, 2 mal 12,000, 55 mal 10,000, bis abwärts 42 fl. Die nächſte Verlooſung findet am 30. November 1848 ſtatt, und ſind hiezu bei unterzeichnetem Handlungshauſe Original⸗ looſe für alle Ziehungen gültig à fl. 31. 30 kr. ſo wie für die bevorſtehende Ziehung allein à fl. 1. 30 kr. zu beziehen. Jede Auskunft gratis. Plan liegt auf dem Comptoir dieſer Blätter zur Ein⸗ ſicht offen. 5 852 Julius Stiebel junior, Banquier in Frankfurt a. M. N. S. Solide Männer, die ſich mit dem Debit befaſſen wollen, erhalten einen annehmbaren Rabatt. Firma bitte genau zu achten.

Bürger von Friedberg!

Auf meine

** 374.

die Wohnungen der Seminariſten dringen und obne Beiſein der letzteren Hausſuchung halten, weil ſie in der Nähe einen Schuß zu hören

glaubten? Wie werden wir uns verhalten, wenn

Beamte in das Gebäude treten, wo wir gemdein⸗ ſchaftlich wohnen und hier eine Zimmerthüre mit einer Firma beſudeln, die eine Verachtung gegen uns ausſpricht? Was werden wir thun, wenn einer dieſer Herren mit dem alten Beamtenton einen Seminariſten anfährt, gebieteriſch die An⸗ gabe des Namens fordert und bei der Weigerung mit Strafe droht, weil dieſer Jemand eben einen guten Rath gab. Bürger von Friedberg! Wir müßten kein deutſches Herz haben, wir müßten keine Jünglinge ſein, deren Adern heißes Blut durchrollt, wenn wir kalt bei ſolchen Scenen bleiben ſollen. Electriſch durchzuckte es das ganze Seminar, die Bruſt eines Jeden ward entzün⸗ det, ob dieſer Beleidigung, Alle ſtrömten herzu und was konnte gelinder ſein, als daß unſern Beleidigern, die ſich bald entfernten, ein Pfeifen und Schreien nachfolgte, wie man es ſeit einem halben Jahre in jedem Städtchen ſchon hundert⸗ mal hören konnte? Daß nun jene Herren als Executanten gekommen waren, das wußten die Wenigſten von uns. Wir wollten alſo nicht, wie es ſcheinen könnte, einen Seminariſten vor Pfändung ſchützen; Bürger! Das war keines⸗ wegs unſere Abſicht. Sehr beklagen wir, daß Einer unter uns die moraliſche Kraft nicht be⸗ ſitzt, ſich nach ſeiner Decke ſtrecken zu können. Aber erklären Sie nicht hundert der Moralität für verluſtig, wenn Einer ſie entbehrt; und glauben Sie nicht, wir verſtünden die deutſche Freiheit falſch, wenn es ſche int, wir wollten einen ſchlechten Charakter in Schutz nehmen. Bürger, wir vertrauen Ihrem geſunden Urtheile und Ihrem guten Sinn! Verläugnen Sie nicht

unſer Ehrgefühl!

(1626) Mit der Revolution der Märztage

wurde der Büreaukratie, der Cenſur, und wie die Kobolte der Vergangenheit ſonſt noch hei⸗ ßen der Staab gebrochen. Mit Macht ſchüt⸗ telte das gedrückte deutſche Volk ſeine Bürde ab, und das ſüße Gefühl der Rache ſuchte Jeder zu koſten, der unter dem abgeworfenen Joche ſchmachtete. So geſchah es denn, daß ſich die Träger jener unheilvollen Inſtitutionen, die Cen⸗ ſoren, Beamten ꝛc. dem Abſcheu, dem Haß, der Verfolgung, ja der Unſicherheit ihres Lebens ausgeſetzt ſahen und froh waren, wenn ihnen das Volk mit einemmuſikaliſchen Mißtrauens⸗ Votum, mitFenſtereinwerfen, mitAus⸗ pfeifen! genug gethan zu haben glaubte. Ob⸗ gleich nun dieſes ſeit dem März allenthalben geſchah, ſo hört doch der Abſcheu, der Haß, gegen jene Perſonen keineswegs auf, er dauert fort; und kein Recht- und Billigdenkender wird er⸗ grimmen, wenn er ſieht, daß die herangewach⸗ ſene Jugend jenen Haß in ſich aufnimmt, um dadurch immer mehr das alte Syſtem zu ver⸗ drängen und in ſich eine Generation zu erleben, die glücklicher iſt, als die vorige. Wir fragen nun: Werden die Schullehrerſeminariſten zu Friedberg, Leute von 19 bis 24 Jahren, werden dieſe zu allem kalt ſein, was in der jetzigen bewegten Zeit vorgeht? Werden dieſe, Söhne von freien Bürgern, Söhne von Män⸗ nern, die ihren Kindern erzählen, wie ſie in der Vergangenheit geſchmachtet haben, werden wir Seminariſten wünſchen, die alte Zeit möchte wieder kommen? Gewiß nicht! Auch in unſerer Bruſt ſchlägt ein deutſches Herz, auch wir er⸗ kennen und fühlen, daß es beſſer werden muß. Wie werden wir alſo überhaupt gegen die Bü⸗ reaukratie, gegen das Polizeiſyſtem geſtimmt ſein? In welchem Verhältniß werden wir insbeſondere mit den Friedberger Polizei⸗Officianten leben, da ſie, obgleich der Polizeiſtaat nicht mehr exi⸗ ſtiren ſoll, dennoch mit der alten Autorität in

Friedberg den 14. November 1848. Die Schullehrer⸗Seminariſten.

Literariſche

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(1627) In J. D. Sauerländer's Verlag in Frankfurt iſt ſo eben erſchienen:

Die Spinnſtube

ein

Volksbuch fuͤr das Jahr 1849.

Herausgegeben von W. O. von Horn. Vierter Jahrgang. Mit 1 Stahlſtiche u. vielen Holzſchnitten. Preis 45 kr.

Vorräthig bei Carl Bindernagel in Friedberg.

Frankfurter Gold⸗Cours

vom 16. November.

5

N

Neue Louisd'or 1 Friedrichsd'or 9 Holländiſche 10 fl. Stücke 10 Rand⸗Ducaten 5 20 Frankſtücke 5 9 Engliſche Souverains 12

Kirchliche Anzeigen für Friedberg.

22. Sonntag n. Trinit. den 19. Nvbr. Pfarramtliche Funktionen verrichtet: Herr Stadtpfarrer Sell.

Vormittags predigt in der Stadtkirche: Herr Stadtpfarrer Fertſch.

Nachmittags predigt in der Stadtkirche

Herr Candidat Diehl.

(Der Gottesdienſt in der Burgkirche bleibt noch ausgeſetzt.)

Frucht prei fe.

15. Nbr. 10. Nbr. 28. Aug Gattung. Frieo⸗; berg Mainz ö ff. tr. ff. ft Waizen pr. Malter 8 47 58 Eee e 5 44 61 1 Gerſte 4159 457 Hafer 7. 3115 31381

Polizei Taxe fur die Städte Friedberg und Butzbach vom 18. bis 24. Novbr. 1848.

Fried⸗

3 Butz⸗ S Brod⸗Preiſe. berg. dach. 9 kr. pf. kr. pf. 1 Leib⸗Roggenbrod 21 1 2 4 24 2 4 7, 7 8 3 8 3 th. th. Milchbrod 16515 Waſſerweck 115 ½ e Gemiſchtes(Tafel⸗) Brod 15% 15% Fleiſch-Preiſe. pl. pf. 1 Och ſenfleiſch 1 5 5 15 e gemäſtete 2 Kühfleiſch angemäfetes 5 N g ze gemäaſtetes 1 Rindſteiſch ungemäſtetes 5 Kalbfleiſch Sf Schweinenfleiſch 13 13 Hanmmellleiſch 8 8 Schaaflfleiſch F Wurſtvon blos Schweinen 14 14 Gemiſchte Wurſt 10 Bratwurſt 9 17 Schwartenmagen 17 17 Geräucherter Speck 24 27 2 Schinken 19 19 75 Dörrfleiſch 19* 5 Schweinenſchmalz, 91 1 ausgelaffen 285 20 unausgelaſſen 5 7 24 2 Nierenfett 25 16 7 Hammelsfett 1 f Die Großh. Heſſ. Regierungscommiſſion des

Regierungsbezirks Friedberg. Ouvri er.

Gedruckt und verlegt unter Verantwortlichkeit von Carl Bindernagel in Friedberg.