Ausgabe 
18.11.1848
 
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Ach! das iſt noch wegen der Geſchichte, ſprach dieſer gleichgültig,man wird mir wohl den Beſchluß vor⸗ leſen!

8Welche Schande! rief der Alte, als ihn Georg von der Vorladung in Kenntniß ſetzte;welche Schande! Kommt mir wegen dieſer verdammten Geſchichte auch ſo gar der Gerichtsbote noch in's Haus! Man wird dich doch nicht obendrein noch ſtrafen wollen?

Ich weiß nicht, ſagte Georg,aber der Richter hat mir damals ſchon geſagt, daß ich noch einmal würde vorgeladen werden.

Das iſt mir eine ſaubere Geſchichte, brummte der Maierbauer und war den ganzen Tag über in der übelſten Laune.

8 a III.

*

Am nächſten Morgen ſtand Georg über zwei Stun den im Wartzimmer des Gerichtes. Die beiden Burſche, welche die Schuld allein hatten, waren gleichfalls gegen wärt a Nach eilf Uhr wurden die drei vorgerufen und der Richter verlas folgenden Beſchluß: 0 7

1) Sowohl Georg Maier, als Michael Hack und Joſeph

Lisp ſind als ſchuldig zu erachten. den

2) Erſterer wird mit vierundzwanzig, Letztere mit ſechs⸗

unddreißig Stunden Polizeiarreſt abgeſtraft.

3) Die Koſten der Unterſuchung tragen die Rubrikaten,

da Georg Maier einiges Vermögen zu erwarten hat.

Gründe..

Nummer 1 und 2 rechtfertigt ſich gemäß eigener Ausſage der Schuldigen, indem Georg Maier ſelbſt bekeunt, den Michael Hack am Arme gepackt zu haben, während durch Zeugen hergeſtellt iſt, daß Hack und Lisp zuſchlugen, woraus eine gegenſeitige Rauferei hervorging, und es werden Letztere mit zwoͤlf Stunden mehr, als Georg Maier beſtraft, da ſie dem Gerichte als erzeſſive Burſche bekannt ſind.

Ich ſoll nochmals vierundzwanzig Stunden einge ſperrt werden? frug erſchrocken Georg.

Ja wohl, entgegnete der Richter;iſt es dir nicht recht, ſo haſt du vierzehn Tage Zeit, zu appelliren. Die Regierung kann den Beſchluß zwar aufheben, aber auch beſtätigen und ſchärfen.

Ich unterſchreibe den Beſchluß nicht, ſprach Georg, denn ich bin unſchuldig.

Du kannſt ſogleich angeben, warum dir der Beſchluß nicht recht iſt, ſagte der Richter,wir ſchicken dann deine Beſchwerde an die Regierung.

Ich habe weiter nichts anzugeben, unterbrach ihn Georg,als daß der Beſchluß, was mich betrifft, unge⸗ recht iſt.

Sogleich ward Georgs Einrede zu Protokoll genom men und Georg mit der Weiſung entlaſſen, binnen vier⸗ zehn Tagen wieder nachzufragen. Hack und Lisp hatten mit heuchleriſcher Unterwerfung unterſchrieben.

Grenzenlos war der Zorn und der Jammer des alten Maierbauern, als Georg ihm den Beſchluß des Gerichtes mittheilte. Kein Troſt, keine Einrede ſeiner Kinder und des alten Feldwebels vermochten ihn zu beſchwichtigen. Mehrere Tage lang hörte man kein Wort von ihm Nur wenn er ſich unbemerkt glaubte, wiſchte er eine Thräne aus den grauen Wimpern und murmelte etwas Unver⸗ ſtändliches zwiſchen den Zähnen. Zuletzt aber beruhigte ihn der Gedanke, daß ja doch die Regierung die Ungerech tigkeit des Beſchluſſes einſehen und Georg ſtraffrei aus- gehen müſſe. f

Die vierzehn Tage vergingen ſo auf eine höchſt traurige Weiſe.

* 2 l 5 Endlich machte ſich nach ihrem Ablauf Georg wieder auf den Weg in's Amt. Dort eröffnete man ihm die Regierungsentſchließung es blieb beim Alten, nur die Koſten der Unterſuchung waren großer geworden. Binnen acht Tagen hatte Georg ſeine Strafe anzutreten.

Dieſe Nachricht ſchien dem Alten das Herz zu brechen!

O Weib! Weib! wär' ich doch bei dir im Himmel droben!

rief er laut weinend, und verſchloß ſich in ſeine Kammer Man ſollte aber doch dem Richter ſagen, daß er

dieſes Mal ganz gewiß Unrecht hat, meinte Anna.

Ich ſag' es ihm gewiß nicht, murrte Georg,wenn ich gleich unſchuldig bin, ſo hab ich jetzt nimmer den Muth dazu. 0 Wie wär' es denn,, ſprach Anna nach einer Pauſe, wie wär' es denn, wenn wir dem Richter einen Brief ſchrieben? f ö

Hm, der Einfall wär' ſo ſchlecht nicht, meinte Georg, aber wir könnten leicht etwas ſchreiben, was nicht recht wäre und dann wäre gar der Teufel los!

Geh doch, Schwager, rief Anna,du wirſt mir's Schreiben lernen! Hab' ich nicht immer in der Schule die ſchönſten und beſten Briefe geſchrieben?

Nun denn in Gottes Namen! rief Georg,wegen eines kleinen höflichen Briefes kann er mir auch nicht den Kopf abreißen!

Nach vielen Entwürfen, Verbeſſerungen und Vor⸗ ſchriften kam endlich folgendes Schreiben zu Stande

Gnädiger Herr Richter!

Sie wollen mich vierundzwanzig Stunden lang ein⸗ ſperren. Allein ich bin ganz unſchuldig; der Beſchluß iſt alſo ungerecht und falſch. Daß die Regierung ihn be⸗ ſtätigt hat, daran ſind Sie alleinig Schuld, weil Sie nicht alle Zeugen, z. B. meinen Vater und meinen Bruder ver⸗ nommen haben. Wenn Sie wüßten, wie die Strafe meinem Vater zu Herzen geht, ſo würden Sie mich nicht einſperren. Denn unſer guter Name geht dadurch ver⸗ loren. Sperren Sie mich alſo nicht ein, oder doch nicht ſo lange, denn ich kann ja während der Zeit nichts ver⸗ dienen. Viele Grüße von meinem Vater und Bruder.

Georg Maier, Maurergeſelle. (Fortſetzung folgt.)

Eingegangene Beiträge für die Wiener.

Bei C. C. Nagel 1.: fl. kr. Von H. K. in Södel 30 Verwalter Bauer zu Marienſchloß 30

einem Ungenannten 3

Bei Ph. Vogt:

Von den Demokraten Steinfurths 8 12

Fuhrmann Muth hier Mart. Philippi

Dazu die in Nr. 89 d. Blts. angezeigten Beiträge 8 46

18 43 Namens des deutſchen Volksvereins: Vogt, Schriftführer.

Markt. Bericht. Friedberg, am 15. November 1848. Aufgefahrenſ Verkauft J Mittelpreiſe Gattung. wurden wurden. (Mtr.)(Mltr⸗) 1.

Wilen 40 28 8 47 Korn 14 8 5 44 Gerſte 32 26 4 59 Doofen 13 0 3 15 Kartoffeln 28 22 22 9 Erbſen 5 5 5

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