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Intelligenz- Glatt
für die
Provinz Oberheſſen
im Allgemeinen,
den Regierungsbezirk Friedberg
im Beſonderen.
91.
Sonnabend, den 18. November
Amtlicher Theil.
Die Großherzoglich Heſſiſche Regierungscommiſſion des Regierungsbezirks Friedberg an die Großh. Bürgermeiſter dieſes Regierungsbezirks.
Betreffend: Entweichung der Katharine Löffler von Gelnhaar nebſt
Sonſorten aus dem Gefängniß zu Altenſtadt, insbeſondere Arietirung der Katharina Hild aus Ortenberg und der
Margaretha Theiß aus Geinhaar. 25 Wir beauftragen Sie hiermit, nach der Katharina Hild aus Ortenberg und der Margarethe Theiß aus Geln⸗ haar genau fahnden und im Betretungsfalle arretiren und
hierher abliefern zu laſſen.
Friedberg den 13. November 1848. Ouvrier.
Wie es einem ehrlichen Manne gehen kann! (Fortſetzung.)
Georg war allein zu Hauſe. Die Arbeit, welche er im Haus und Garten zu verrichten vorfand, verſcheuchte bald alle trüben Gedanken aus ſeinem Kopfe und er trat mit einem großen duftenden Blumenſtrauße, den er im Garten abgeſchnitten, in's Haus, als ihn ein altes Weib mit einem Korbe am Arme anhielt und ihm Verſchiedenes zum Kaufe bot.
„Nadelbüchschen— Krampfringe, Spielwaaren, was ihr wollt, alles billig.“
Auf eine verneinende Kopfbewegung Georgs fuhr ſie fort:„ich hab auch beſſere Sachen,“ und griff tief in den Korb, aus dem ſie eine ſchwere ſilberne Halskette her— vorzog;„das wär' ein ſchönes Präſent für euren Schatz,“ ſagte ſie ſchmunzelnd, und ließ die Kette in der Sonne ſpielen.
„Wie theuer iſt die Kette?“ frug Georg.
Hum acht Gulden ſollt Ihr ſie haben— wenn ich nicht nothwendig Geld brauchte, könnte ich ſie nicht ſo billig geben, denn ſie iſt unter Brüdern das doppelte werth!“
Georg kaufte die Kette und legte ſie in ſeinen Schrank. Er lächelte dabei ſtill vor ſich hin, als wollte er ſagen, ich weiß ſchon, was ich mit der Kette thun will!
Hleich darauf traten der Vater, Anton und Anna in die Stube.
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„Warſt du beim Richter?“ war Georgs erſte Frage.
„Freilich bin ich dort geweſen,“ wrach Anton.
„Er wird wohl recht grob geweſen ſein?“
„Das verſteht ſich! Kenn' ich ihn doch ſchon lange Zeit! Er hat mich, als ich mein Heirathsgeſuch eingab, dreimal auf's Gericht beſchieden und mich dann jedesmal einen halben Tag warten laſſen und mein Geſuch nicht aufgenommen! Jedesmal hatte er einen anderen Vorwand! — Als ich ihn heute fragte, ob der Georg Maier noch im Arreſt ſei, ſchnauzte er mich an:„Was hat er dar⸗ nach zu fragen? Wir werden ſchon wiſſen, was wir zu thun haben! Scher' er ſich weiter!“ f
„Ja, ja,“ unterbrach ihn der Alte, man ſagt immer, wir Bauern ſeien grob, allein es gibt doch Leute, welche noch gröber ſind!“
Hier wurde die Unterredung durch die Ankunft des alten Feldwebels unterbrochen, der von Georgs Rückkehr Kunde erhalten hatte.„Nun,“ rief er,„haben dich die Ratten heut Nacht nicht gefreſſen?“
„Das nicht,“ entgegnete Georg, ihm die Hand drückend,„aber der Zorn hätte mich beinahe umgebracht!“
„Ah— Kleinigkeit!“ lachte jener,„ſo ein kleiner Arreſt ſchadet nicht. Man muß alles durchmachen! Ich bin als Soldat wohl hundertmal im Arreſt geſeſſen, da kann man ihn wohlfeil haben!“
„Ich hoffe, es ſoll der erſte und letzte Arreſt ſein, welcher in meiner Familie vorgekommen iſt!“ brummte der Maierbauer,„denn etwas bleibt doch immer am Namen davon hängen!“
„Sei kein Murrkopf, Alter,“ lachte der Feldwebel —„an geſchehenen Dingen läßt ſich nichts ändern und das ganze Dorf weiß ja, was an der Sache iſt!“
„Das iſt mein einziger Troſt,“ ſprach dieſer,„und deßhalb wollen wir auch die dumme Geſchichte auf ſich beruhen laſſen. Uebrigens glaube ich, daß es Zeit iſt zum Mittageſſen.“
Mehrere Tage waren verfloſſen und der unange⸗ nehme Vorfall war beinahe vergeſſen, als eines Morgens der Gerichtsbote eine Vorladung brachte, des Inhalts, daß Georg am nächſten Tage um 9 Uhr Vormittags auf dem Gerichte zu erſcheinen habe. Anna nahm den Zettel und wollte ihm dem Vater nach deſſen Rückkehr zeigen; allein ſie beſann ſich eines beſſern und zog Georg bei ſei— ner Heimkunft auf die Seite.
„Was bedeutet die Vorladung?“ fragte ſie verwundert.
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