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d) Zeugniſſe unbeſcholtener Manner, insbeſondere der bis⸗ herigen oder früheren Dienſt- oder Lehrherrn, Meiſter ꝛc. des Dienſtpflichtigen.— Es wird denſelben aber
nur dann Beweiskraft beigelegt, wenn ſie eidlich vor
Gericht abgelegt worden ſind.
Da, wo Ihnen die Fehler und Gebrechen ſchon be— kannt ſind, oder bei dem Erſcheinen der Militärpflichtigen bekannt werden, haben Sie ſelbſt ohne Anzeige dieſer dahin zu wirken, daß die erforderlichen Zeugniſſe bis zur Muſte— rung erbracht werden.— Ihre amtliche Thätigkeit wird aber in noch größerem Maaße in Anſpruch genommen, wenn ſich die Untauglichkeit auf Geiſtesſchwäche, Taubſtummheit und ähnliche Uebel gründet, die vorausſetzen laſſen, daß den daran leidenden Individuen die Kenntniß der beſtehenden geſetzlichen Vorſchriften ermangele.
Kein Mllitärpflichtiger kann ſich durch einen Bevoll⸗ mächtigten, welcher Art er auch ſeie, für tauglich erklären laſſen; er muß in Selbſtperſon erſcheinen, inſofern er ſich nicht dem im Artikel 43 des Recrutirungsgeſetzes ausge— ſprochenen Nachtheile des Erſtmaſchirens ausſetzen will.— Von der Verbindlichkeit ſelbſt zu erſcheinen ſind allein die⸗ jenigen ausgenommen, welche entweder durch gehörig Be— vollmächtigte oder durch ihre Eltern, Großeltern, volljährige Geſchwiſter, oder durch ihre Vormünder bei der Muſterung erklären laſſen, daß ſie ſich bei dem Militärdienſt vertreten laſſen würden. Dieſe Erklärung geſchieht am Sicherſten mittelſt Vorzeigung der von der Großh. Staatsaſſekuranz⸗ anſtalt erhaltenen Verſicherungsurkunde.
Friedberg den 10. Mai 1848.
Küchler.
Bekanntmachung.
Hochſter Weiſung gemäß wird das Verbot des Ankaufs von Kartoffeln zum Branntweinbrennen und überhaupt durch Branntweinbrenner hiermit wieder aufgehoben.
Friedberg den 11. Mai 1848.
Der Gr. Heſſ. Kreisrath des Kreiſes Friedberg Küchler.
Auch ein deutſches Rechenexempel. (Schluß.)
III. Bis jetzt war von Krieg noch gar nicht die Rede, Alles ging friedlich nach dem gewaltigen Willen eines republikaniſch-geſinnten und einmüthigen Volkes vor ſich, wie es in Frankreich geſchehen iſt.
Wir haben alſo angenommen, die Fürſten würden ſich nicht vertheidigen, oder keine Vertheidiger finden. Beides iſt aber eine thörichte Erwartung, wie ſie nur einem Knaben oder einem blinden Republikaner in den Sinn kommen kann. Wer nicht von geſtern da iſt, wird ſagen: Die deutſchen Fürſten werden gemeinſchaftlich oder einzeln ihre Rechte, ihr Eigenthum, ihre Familien vertheidigen, ſobald man ihre billigen Vorſchläge und Zugeſtändniſſe verwirft. Und es wird ihnen wahrlich nicht an muthigen und treuen Männern fehlen, und wären es auch nur ſolche, welche durch die Republik brodlos werden. Alſo Bürgerkrieg als erſte That der Republik! Bürgerkrieg, wißt ihr, was dieſer koſtet? Könnt ihr das Exempel weiter rechnen?
a. Der Bürgerkrieg hat in Baden bereits begonnen. Dort iſt uns im Kleinen gezeigt, Was im Großen werden kann. Dieſer kurze Bürgerkrieg hat außer dem vergoſſenen Blute, außer den Schmerzen der Verwundeten, außer der Noth der Familien der Gebliebenen und Gefangenen, wel— ches Alles ſich nicht in Thalern veranſchlagen laßt, gekoſtet — die Ausrüſtung und Unterhaltung zweier deutſchen Armee⸗
Corps, die Verſaͤumniß an Arbeit ſowohl von Seiten der Sieger als der Beſiegten, die Unterbrechung des Handels in den mit Krieg überzogenen Gegenden und noch viel weiter hinaus; gewiß ein Verluſt von 3 Millionen Thaler in weniger als drei Wochen.
b. Dieß iſt aber das Geringſte. Die Furcht vor ähnlichen aufrühreriſchen Unternehmungen wird auch ferner die Beibehaltung eines ſtarken ſtehenden Heeres neben der allgemeinen Volksbewaffnung unvermeidlich machen. Die nämliche Furcht wird das Mißtrauen, die Kreditloſigkeit, die Arbeitsloſigkeit fortdauern laſſen, ſie wird gerade dadurch brodloſes Volk, Müßiggänger, plünderungsſüchtige Tauge— nichtſe auf die Gaſſen und in die Volksverſammlungen locken, ſie wird die Gerichte und die übrigen Anſtalten für Ordnung und Recht hemmen. Der redliche Bürger wird von einer übermüthigen Jugend und von einer nimmer ſatten Rotte von Maulhelden niedergedrückt und eingeſchüchtert. Die bereits gewonnene Freiheit wird um eines Hirngeſpinſtes von größerer Freiheit willen vernichtet. Gerade wie in Frankreich, wo die Tyrannei nie ärger war als ſeit dem 24. Februar 1848, wo Preßfreiheit verkündigt iſt, die boͤſen Buben aber die Preſſen zerſchlagen. Hier drohen Deutſch—⸗ land große Verluſte, aber die Ziffern dafür laſſen ſich noch nicht ſchreiben.
c. Laſſen ſich aber wirklich die Republikaner durch alle Gefahr und Verantwortung nicht abſchrecken, die ge⸗ waltſame Einführung ihrer Republik weiter zu verſuchen; wollen ſie wirklich das Gluck das ſie bereits uber 2 Kreiſe des Großherzogthums Baden gebracht haben, in alle Theile unſeres Vaterlandes verbreiten, wird das deutſche Volk ferner auf ihre luͤgenhaften Vorſpiegelungen hören— nun dann wird von all' den ſchönen Hoffnungen des 1848er Frühlings Nichts, gar Nichts in Erfüllung gehen. Vielmehr heißt die Ziffer für dieſen Poſten unſerer Rechnung— Totaler vollſtändigſter Ruin und Bankrott des deutſchen Vaterlandes, mögen endlich die Einen ſiegen oder die Andern; und zwar lediglich um der von den Herrn Hecker, Struve, Herwegh und ähnlichen Helden erſonnenen Repu— blik willen. 5
d. Dabei haben wir noch ganz außer Acht gelaſſen: die Eipmiſchung auswärtiger Feinde oder Freunde. Unſere wohlbekannten franzöſiſchen, ruſſiſchen, däniſchen, polniſchen und italieniſchen Nachbarn würden es ſich aber im Falle eines Deutſchland zerfleiſchenden Bürgerkrieges ſicherlich nicht nehmen laſſen, ſich Verdienſte um das Glück der deut— ſchen Nation zu erwerben. Die Ruſſen würden der Monarchie die Franzeſen der Republik zu Hülfe ziehen, die Einen würden in Frankfurt und München, die Andern in Wien und Berlin ihr Hauptquartier aufſchlagen. würden wir militäriſche Befehle zu empfangen, dorthin Lieferungen und Kontributionen zu entrichten haben. Die Bauern würden mit Knuten- und Säbelhieben von dem Pfluge zu Fuhren getrieben werden, und würden ohne Pferde heimkehren. Man kennt ja Dies von früher. Kurz
Deutſchland würde nochmals der Tummelplatz für fremde
Völker werden und zuletzt wie immer— die Zeche be⸗ zahlen. Frankreich würde ſich das linke Rheinufer, Ruß⸗ land das rechte Weichſelufer als Entſchädigung aneignen. Und von den übrigen Nachbarn würde auch keiner leer aus⸗ gehen wollen. 5 g
Und der Reſt des republikaniſchen deutſchen Reiches, welches Glück würde dieſem blühen? Nun der würde ausrechnen, ob ſich die Ueberfahrtskoſten nach Nordamerika noch aufbringen ließen.
Wollt ihr um dieſen Preis die Republik erkaufen ihr deutſchen Männer! Ich fürchte, ihr bietet bald Reukauf, aber— zu ſpät.
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1 keunzig, riefen f Polkern, grunzoſ der in ſhleibe lauf ka.
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Von dort aus
Neu
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