Ausgabe 
16.2.1848
 
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* 54.

der Noth in Schleſien in offentlichen Blättern geleſen, doch muß ich das Bild des Schreckens auch hier Euch vor Augen halten. Arme Spinner und Weber ſind die Be wohner der oben genannten ſchleſiſchen Kreiſe ſchon ſeit vielen Jahren durch das Umſichgreifen des Maſchinen-Jund Fabrik weſens ſo ziemlich um ihren ärmlichen Verdienſt gebracht und es iſt öfter geſchehen, daß ein Mann, der den ganzen Tag arbeitete, nur einen Silbergroſchen verdiente; dazu iſt der Boden nur von geringer Ertragsfähigkeit und bringt wenig mehr als Kartoffeln, Haidekorn, Hafer und Gras hervor; aber die Leute, von Jugend auf an's Darben ge wöhnt, auch von ihrem Könige großmüthig unterſtützt, be halfen ſich ſo gut ſie konnten und lebten, mit dem Noth wendigſten zufrieden, ruhig dahin. Da mißriethen im Jahre 1845 die Kartoffeln und die Noth wuchs; im Jahre 1846 mißriethen die Kartoffeln gleichfalls und zu dem Hunger geſellte ſich verderbend die Ruhr; im Jahre 1847 mißriethen die Kartoffeln gänzlich und nun iſt das Elend ein allge meines, regelmaͤßige Nahrung vieler Menſchen ſind Gras, Haͤckſel, Kleien, Viele haben nicht einmal dieſes und verfallen dem Hungertode die, welche es haben, können doch die Koſt auf die Dauer nicht ertragen, an die Stelle der Ruhr iſt das peſtartige Hungerfieber getreten, 60,000 Menſchen ſind in täglicher Gefahr entſetzlichen Todes, ganze Familien ſind ſchon ausgeſtorben, uͤber 3000 Kin⸗ der ſind bereits elternlos und ſchutzlos überhaupt, denn alle Bande der Freundſchaft und Licbe hat die Noth gelöſt, Jeder denkt nur an ſich und ſeine Rettung, Keiner an den Andern, und bei dem Allem fehlt ärztlicher Beiſtand und geiſtlicher Zuſpruch, denn auch viele von den Aerzten und Geiſtlichen, deren es in dortiger Gegend überhaupt nur wenige gibt, ſind dem Hungertyphus ein Opfer gefallen. Wahrlich, als ich dieſe Zuſtände, die ich hier nur um an ſie zu erinnern andeutete, ſchildern hörte und wieder⸗ um hörte, da iſt's mir geweſen, als dürfte ich mich meiner warmen Suppe und meines Stückchens Fleiſch nicht mehr freuen und da hab' ich mir gelobt: Du willſt hintreten vor dein Volk und willſt ihm, ſo weit es dich hören kann, mit lauter Stimme zurufen: Bürgerhülfe! Bürgerhülfe!

Und dieſem Gelöbniß getreu, nicht fürchtend und auch nicht für möglich haltend irgend eine Mißdeutung deſſen, was ich thue, komme ich in dieſen Zeilen zu Euch, meine Brüder, und flehe Euch um Gottes Barmherzigkeit willen an: helfet helfen, wenn ihr könnt; Ihr Behörden ſeid der Mund derer, die im Elend verſtummen und vermahnet euere Gemeinden zu der Hülfeleiſtung, um welche ich bitte und eure Ermahnung wird gewiß auf guten Boden fallen; Ihr Geiſtlichen, Lehrer, Gemeinde vorſteher, macht das Liebeswerk, zu dem ich aufrufe, zu einem Werk eurer Sorge und es wird ein Werk des Segens werden für Euch und für Viele; Ihr Reichen laſſet herniederfallen von eueren Tiſchen ein Broſamlein, damit die Aermſten ſich

daran laben; Ihr Armen denkt an die Gottesgabe der Wittwe im Evangelio und wiſſet, daß auch die kleinſte Steuer, in herzlichem Erbarmen und brüderlicher Liebe ge⸗ geben, ein ſchöner Ehrenſchmuck für Euch ſein wird am Tage der Vergeltung; Ihr Alle, die Ihr dies leſet, ſaget nicht:es kommt zu oft!, was können die Armen in Schleſien dafür, daß vor ihnen ſchon andere Armen bei uns waren? wir haben den Hamburgern, den Felsbergern,

den Wimpfenern und wie ſie Alle heißen mögen, unſere

Theilnahme nicht verſagt, wollen wir mit denen, deren Noth die größeſte iſt, den Anfang machen? laſſet euch nicht abhalten zu geben darum, weil ich und ich allein) Euch bitte ich wollte die koſtbare Zeit nicht mit viel Hin- und Herreden verderben,'s iſt ja gleichgültig, wer bittet und wie viele bitten, wenn Ihr nur gebet; nehmt keinen Anſtoß daran, daß ich evangeliſcher Pfarrer bin ich denke jetzt nicht an evangeliſch und katholiſch und jüdiſch, die Dinge gehören auf ein anderes Gebiet; eben laßt uns an die Armen in Schleſien denken, die meiſtentheils katholiſch ſind, und kommet eilig, damit Ihr nicht zu ſpät kommet, und bringet gerne eure Gaben, denn den fröhlichen Geber hat Gott lieb, ich will ſie gewiß bewahren und, indem ich ſie einem ſchle⸗ ſiſchen Huͤlfsverein zu Breslau zuſchicke, verwenden, daß Ihr keine Klage wider mich habet, wenn ich Euch Rechnung thue.

Gott der Herr, der die Herzen der Menſchen lenket wie die Waſſerbäche, der lenke die Eurigen zum Wohlthun und laſſe es euch gefallen, daß ich, was ich nicht laſſen konnte, gethan und mich zu euerm Diener bei einem heiligen Liebeswerke auch hier wieder erboten habe.

Fauerbach II. den 12. Februar 1848.

Dr. L. Chr. Matthias, Pfarrer, in Friedberg jeden Tag von 812 u. v. 2 4 Uhr im Taubſtummen⸗ Inſtitut zu finden. 7

*) Es können übrigens auch Beiträge abgegeben werden bei der Redak⸗ tion d. Bl., und bei den Herren: Gemeinderath J. Falk, Kaufmann W. Fertſch, Kaufmann Maper Hirſch, Sectionsingenieur Hoch- geſand, Oberlieutenant Hoffmann, Candidat Landmann, Hof⸗ gerichtsadvocat Trapp II. und III., Apotheker Wahl.

Localſection des Gr. Heſſ. Gewerbvereins fuͤr Friedberg und die Umgegend.

Die monatliche Sitzung der Localſection findet Don nerſtag den 17. d. Mts., Abends Uhr, im Gaſthaus zumSteinernen Haus ſtatt. Da der Hauptgegenſtand der Berathung eine Gewerbe-Ordnung ſein wird, ſo ſehe ich einer großen Theilnahme an dieſer Verſammlung von Seiten der Mitglieder entgegen und fordere zugleich ſaͤmmt⸗ liche Gewerbtreibende Friedbergs auf, derſelben beizuwohnen.

Friedberg den 14. Februar 1848.

F. d. Vorſtand: C. Wahl.

Zum Ausleihen.

Bekanntmachungen von Be⸗ hoͤrden.

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Aufforderung.

14183) Nach gemachter Anzeige ſoll der Pfand⸗ ſchein Nr. 16,518 verloren gegangen ſein, es wird deßhalb derjenige, welcher denſelben in Händen hat, oder an denſelben Anſprüche zu machen glaubt, aufgefordert, denſelben binnen ſechs Wochen bei den Unterzeichneten vorzulegen und ſein Recht darauf begründen zu wollen, als ſonſt nach Ablauf dieſer Friſt das Unterpfand

an denjenigen, welcher dieſe Anzeige gemacht hat, ausgehändigt werden wird. Friedberg am 8. Februar 1848. Für die Pfandhausverwaltung: Faatz. Karl Klein. Frucht⸗Verſteigerung. (182) Donnerſtag den 17. l. Mts., Nach⸗ mittags um 2 Uhr, werden in hieſigem Rath⸗ hauſe 50 60 Malter Korn von dem Frucht⸗ vorrath des vereinigten Armenfonds öffentlich meiſtbietend verſteigert. Friedberg am 8. Februar 1848. Der Großh. Heſſ. Bürgermeiſter Bender.

(163) Im hieſigen Kirchenkaſten liegen 783 Gulden gegen gute, hypothekariſche Verſicherung zum Ausleihen bereit. Rodheim, Kreis Friedberg, den 4. Februar 1848. Für den Kirchenvorſtand: Linß, Pfarrvicar. Lieferung von eichen Küferholz. (120) Die Lieferung von 25 Stecken eichen Scheitholz zu Küferhol für das Werkfach hie⸗ ſiger Anſtalt ſoll im Soumiſſionswege an den Wenigſtfordernden vergeben werden. Lieferungs⸗ fähige Bewerber wollen daher ihre Soumiſſionen

(177 Mhage das do Meiſbi

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