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noch zurechtzupfen wollte, da wendete ich mich voll Zorn und Unmuth ab und ſagte:„Putz Du Dich nur ſelber ſieben Stunden lang.“ Und ſo gingen wir einander zur Kirche und redeten kein Wort.— Mit zornglühenden Wan⸗ gen und doch wieder voll Aerger über mich ſelbſt trat ich in die Kirche. Meine Frau ging nach ihrem Stuhl, ich wußte nicht, hatte ſie ſich noch einmal nach mir umgeſehen oder nicht; ich lehnte mich an eine Säule und war ſo ſtarr wie der Stein neben mir. Ich hörte manchmal dem Pfar⸗ rer zu, dann vergaß ich ihn wieder und betrachtete mir die Bauart der Kirche und was das für ein hohes kühles Haus ſei. Daran hatte ich noch nie gedacht, und ich ärgerte mich daß ich ſo zerſtreut war und der Predigt keine Auf⸗ merkſamkeit widmete. Jetzt fiel mir ein, daß das von dem Zank meiner Frau herkäme; wie konnte ich da die gehörten Worte in mich aufnehmen? Ich hätte mich gern mit meiner Frau verſöhnt und blickte nach ihr um, ſie aber ſchaute nicht auf und das ärgerte mich wieder. Hatte ſie denn nicht Unrecht, mußte ſie mich denn nicht um Verzeihung bitten, war das nicht ein Zögern und Zaudern zum Ver⸗ zweifeln geweſen? Seht, ihr Kinder, ſo wird man, wenn man im Zorne ſteckt und ſich uͤber ſeine eigene Hartherzig⸗ keit was vorlügen will. Ich zürnte ihr, daß ſie ſo ruhig 555 könne, da ſie mich doch beleidigt hatte, und ſo war ich ein Nichtsnutz vor und in der Kirche und vergällte mir die Stunde meines Lebens, die mir zu einer der ſchönſten hätte werden können. Vielleicht wäre das Mißverſtändniß bald gelöſ't geweſen, wenn ich meine Frau bei der Hand faſſen und ein liebreiches Wort mit ihr hätte ſprechen kön⸗ nen, aber wir waren in der Kirche getrennt und mir war's, als ob wir einen Streit gehabt, der auf ewig unſre Herzen ſcheidet.“
Die Frau wollte hier ihren Mann unterbrechen, er aber ſagte:„Laß mich nur ausreden, ich habe nachher noch eine Geſchichte zu erzählen, dann kannſt Du das Nachſpiel halten. Alſo, Ihr könnt Euch denken Kinder, daß wir uns bald wieder verſöhnten, denn die Mutter war in ihren jungen Tagen ein luſtiger Burſch, und wenn ich gries⸗ grämlich ſein wollte, da lachte ſie mich aus, und ich mußte auch lachen. Da konnte ich nun nicht mehr begreifen, wie ich ſo zornig geweſen war. Kleinigkeit vor, kaum der Rede werth, aber wenn das Blut in den Adern ſiedet, dann verſteht man dies nicht.
Nun noch die andere Geſchichte; ſie handelt auch von einer ähnlichen Viertelſtunde der Verſuchung. Es war die Hochzeit unſerer Baſe zu Lichtenau; wir waren dazu geladen und wollten zur beſtimmten Stunde dort ſein. Es war die höchſte Zeit, daß man ſich auf den Weg machte, keine Minute mehr zu verlieren. Ich hatte den Apfelſchimmel, den wir damals hatten, eingeſpannt und knallte und knallte vor der Thür, aber die Mutter wollte noch immer nicht kommen. Ich ſchickte ihr alle vorübergehenden Weiber in's Haus, um ihr zu helfen, ich wußte daß ihr das unlieb war, und that
Es kam mir jetzt wie eine
es eben deßwegen; warum ließ ſie mich warten! Und als ſie endlich kam, da begann ich zu fluchen, daß es, wie man ſagt, ein Loch in den Himmel giebt. Mit zuſammengepreßten Lippen ſtieg die Mutter auf und hielt ſich durch das ganze Dorf das Tuch vor die Augen, und ich ſchlug auf den Apfelſchimmel, daß er hinten und vorn ausſchlug. Draußen vor dem Dorfe aber begann die Mutter laut zu weinen und ſagte:„Um Gottes willen wie kannſt Du doch nur ſo ſein, und Dich und mich vor Dir ſelbſt und vor der Welt zu Schanden machen und verderben?“ Das ſchnitt mir wie ein Meſſer durch die Seele, ich dachte an den Kirchgang, jetzt hatte ich mein Weib neben mir; ich ließ dem Apfel⸗ ſchimmel die Zügel nach und ſteckte die Peitſche neben mir in Ruhe, ich mußte mich ſelber in Zügel nehmen. Ich darf ſagen, ich hab' meinen Jähzorn ehrlich bereut. Ihr könnt aber erkennen, wie man aus ſolchen Kleinigkeiten erſieht, ob das wahre Licht im Herzen noch brennt. Dieſe Warte⸗ zeiten waren mir Stunden der Verſuchung geweſen, und ich darf ſagen, ich habe von da an gelernt, mich gefuͤge in das Weſen eines Andern zu finden. Denkt daran, wenn die Verſuchung einmal über Euch kommt.“
„Jetzt kommt das Nachſpiel,, ſagte die Mutter;„und Du haſt vergeſſen zu ſagen, daß ich von da an Dich nie mehr warten ließ und immer vor Dir fix und fertig war. Nun aber wollen wir Licht anzünden, es iſt genug gedämmert.“
Und ſo geſchah es; heitre Geſichter, von den beſten Vorſätzen verklärt, ſchauten einander an.
Man nigfaltiges.
Bereitung eines Copalfirniſſes für Gemälde. Vorerſt pulveriſirt man den Copal ſehr fein und reibt ihn dann in einem porzellanenen Mörſer mit etwas Lavendelöl zuſammen. Der Copal wird ſchnell erweicht und bildet ein dickes Gelee. Man läßt dieſes einen Tag lang ſtehen und reibt es während dieſer Zeit mehrmals. Den folgenden Tag ſetzt man einige Tropfen rectificirtes Terpentinöl zu und reibt von neuem, um eine recht innige Verbindung zu bewirken. Auf dieſe Weiſe wird fortgefahren, bis eine voll⸗ kommene Löſung erfolgt iſt, was im Sommer 3 Wochen dauern kann.
Man würde die Operation dadurch abkuͤrzen konnen, daß man ſie bei einer etwas erhöhteren Temperatur vor⸗ nähme, in dieſem Falle müßte man jedoch das Auflöſungs⸗ mittel nur tropfenweiſe zuſetzen; denn fügte man einen Tropfen zuviel bei, ſo würde ſelbſt in dem Augenblicke, wo die Auflöſung faſt beendet iſt, ſofort eine Trennung des Oels von dem Harze ſtattfinden. Tritt dieſer Fall ein, ſo muß man das Oel wegnehmen und es auf's neue in kleinen Portionen zuſetzen.
(Berliner Gewerbe-, Induſtrie- u. Handelsbl. Bd. 21. S. 243.)
Bekanntmachungen von Be⸗ hoͤrden.
a νννν Edictalla dung.
(417) Der ſehr unbedeutende Nachlaß des am 27. Juni v. J in Flenſungen verſtorbenen Konrad Schnabel von hier iſt überſchuldet. Zur Abwendung des Concursverfahrens werden auf den Antrag des beſtellten Curators, Chriſtoph Sudheimer von hier, die bekannten und unbe⸗ kannten Gläubiger des genannten Konrad Schnabel
hiermit aufgefordert, zum Verſuch eines Arran⸗ gements im Termine
Donnerſtag den 4. Mai d. I, Morgens 9 Uhr,
entweder in Selbſtperſon, oder durch zu einem Vergleichsabſchluſſe gehörig Bevollmächtigte ver⸗ treten, dahier zu erſcheinen, wobei von dem Ausbleibenden angenommen werden ſoll, daß er den Beſchlüſſen der Mehrheit der Gläubiger bei⸗ treten werde. Grünberg den 16. März 1848. Großh. Heſſ. Landgericht daf. Welcker⸗
Steckbrief.
(479) Magnus Herrmann von Mainzlar, Grßh. Landgerichts chen, iſt der Tödtung des Adam Bär e ee 15 erichts Hungen, dringend ver ächtig. eide ſtanden 1 Anfang d. J. bei Müller Weiſenſee in Oſſenheim in Dienſt, von wo fich jedoch errmann noch vor dem eingetretenen Tod des vulneraten Bär heimlich entfernt hat.
Da an der Habhaftwerdung des gedachten Herrmann, deſſen dermaliger Aufenthalt hierorts unbekannt, viel gelegen iſt, ſo werden alle in⸗ und ausländiſche Gerichts⸗ und Polizeibehörden
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