Ausgabe 
12.1.1848
 
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ſelbſt bei einer Temperatur von 30, unverändert erhalten und eine große Feſtigkeit zeigen. Die Malaien ſollen die Gutta-Percha ſchon ſeit langer Zeit zur Anfertigung von Meſſergriffen ꝛc. gebrauchen und ſie ſogar dem Buffelhorn vorziehen, woraus ſie fruher derartige Gerathſchaften machten. Das Kautſchuk laßt ſich zu gleichem Zwecke nicht benutzen,

da es in dem heißen und feuchten Klima Oſtindiens ſehr

bald unbrauchbar wird.

Parkes hat ein Verfahren angegeben, um die Gutta Percha zu reinigen. Die zuvor durch Walzen und Preſſen von den gröberen mechaniſchen Beimengungen befreite Sub ſtanz wird nämlich in Terpentinöl oder Steinöl aufge löſt, die Löſung durch Abſetzen au einem warmen Orte und Abgießen geklärt und endlich das Löſungsmittel durch Er hitzen wieder entfernt.

Ein ſchickliches Auflöſungsmittel fuͤr Gutta-Percha (auch für Kautſchuk) erhält man nach Parkes, wenn man über geriebenen Kampfer ſo lange ſchweflliche Säure leitet, bis derſelbe flüſſig geworden iſt.

(Polyt. Centralblatt 1847. 6. Lief. S. 371.)

Ueber die Eigenſchaften und die chemiſche Zuſam meuſetzung der Gutta- Percha hat Soubeiran eine Arbeit veröffentlicht, woraus wir ſolgendes entnehmen:

Die Gutta-Percha wurde zuerſt im Jahre 1843 von

Dr. Montgomerie nach England eingeſendet und es er

hielt derſelbe von der Geſellſchaft der Wiſſenſchaften dafür eine goldene Medaille, indem man ſich Hoffnung machte, daß ſie in der Technik Anwendung finden würde. Mont gomerie gab dabei nur an, daß dieſe Subſtanz von einem Baume kommt, der auf Singapore und in den benachbarten Gegenden wächſt. Nach White gehört der Baum wahr ſcheinlich zu den Sapotaceen oder Ebenaceen. Es iſt nicht genau bekannt, auf welche Weiſe man die Gutta-Percha von dieſem Baume gewinnt; indeſſen iſt es wahrſcheinlich, daß man nach dem Fällen des Baumes die theilweiſe ein getrockneten Lagen des Saftes abnimmt und dieſe durch Kneten in eine Maſſe vereinigt. Nach Brook fällt man die 50100 Jahre alten Bäume, ſtreift die Rinde derſelben ab und ſammelt den Milchſaft in einem Holztroge; derſelbe wird an der Luft bald feſt, doch ſoll ein Baum nicht mehr als 2030 Pfd. davon geben. Die Gutta-Percha kommt in 2 Formen nach England, einmal den Kupferdrehſpähnen ähnlich und dann in Geſtalt feſter Rollen oder Brode; das ſpec. Gew. derſelben iſt 0,97, alſo etwas größer als das des Kautſchuks, deſſen ſpec. Gew. 0,93 beträgt.

Die Farbe der rohen Gutta-Percha rührt von einer Subſtanz her, welche mit heißem Waſſer ausgezogen werden kann, und es bleibt das Gummi nach dieſer Behandlung graulich oder weiß zurück und hat dann eine faſerige ſeiden glänzende Textur, welche bei großer Ausdehnung der Maſſe hervortritt.

Bei gewöhnlicher Temperatur iſt die Gutta-Percha hart und lederartig; über 50 C. wird ſie ſehr biegſam,

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bleibt aber immer noch feſt genug und zieht ſich, wenn ſie ſtark ausgedehnt wurde, nur wenig wieder zuſammen; bei 6570˙ C. wird ſie weich, ſehr plaſtiſch und verliert hier⸗ bei ihre Zähigkeit, ſo daß man bei dieſer Temperatur ein⸗ zelne Stucke davon leicht zuſammen kneten kann; bei 150˙ C. gebt ſie unter einem geringen Waſſerverluſte in einen durchſichtigen Zuſtand über und zeigt nach dem Erkalten eine dunkelgraue Farbe, welche aber nach längerem Weichen in kaltem oder heißem Waſſer wieder verſchwindet. In noch ſtarkerer Hitze ſchaͤumt ſie auf und verbrennt mit leuch⸗

tender, rußender Flamme; der Rückſtand, wenn man'die a brennende Maſſe auslöſcht, iſt verändert, braun und ſchmierig.

Bei der trocknen Deſtillation erhält man daraus, wie aus dem Kautſchuk, mehrere flüſſige und gasförmige Kohlen⸗ waſſerſtoffe. g

Waſſer, Weingeiſt, Laugen und ſchwache Säuren ſind ohne Wirkung auf dieſes Gummi: Concentrirte Schwefel⸗ ſaͤure verkohlt es, ſtarke Salpeterſaͤure oxidirt es zu einer gelben Subſtanz. Aether, die flüchtigen Oele und das Theeröl erweichen es in der Kalte und löſen es in der Warme unvollſtaͤndig auf; von ſiedendem Aether wird es nicht durchdrungen. Terpentinöl löſt es gut und man kann daſſelbe durch Deſtillation wieder dovon abziehen.

Die Gutta-Percha enthalt nach Gulbourt mindeſtens 5 verſchiedene Subſtanzen, nämlich: reine Gutta Percha⸗ Maſſe, eine vegetabiliſche Saure, Caſein, eine in Aether und Terpentinöl lösliche Subſtanz, und eine in Weingeiſt loͤs⸗ liche Subſtanz a 1 5

Die Gegenwart des Caſeins iſt an dem käſeartigen Geruch, welchen insbeſondere das chineſiſche Product zeigt, zu erkennen. Die Säure findet man in dem Waſſer, wo⸗ mit man das Gummi behandelt hat, neben einer geringen Menge eines braunen Extractes. Weingeiſt von 40% nimmt daraus ein durchſichtiges, etwas weiches, in Aether und Terpentinöl lösliches Harz auf. Nach längere Zeit fort⸗ geſetztem Auskochen mit Weingeiſt zieht ſtedender Aether ein ſtark nach Wachs riechendes gelblich-weißes Harz aus, dem der Wachsgeruch, welchen die Gutta-Percha beſitzt, zuge⸗ ſchrieben werden muß.

Alle dieſe Beimengungen ſind aber, ihrer Menge nach, nur ſehr gering; die Hauptmaſſe iſt die reine Gutta-Percha welche ſich dem Kautſchuk in vielen Stücken ſehr ähnlich verhält. Um ſie rein zu erhalten, loͤſt man die rohe Sub ſtanz in Terpentinöl, läßt ſie durch Stehen abſetzen, und fällt ſie mit Weingeiſt; ſie ſcheidet ſich dann als eine weiche Maſſe mit allen ihren urſprünglichen Eigenſchaften aus.

Die ſo gereinigte Gutta-Percha hinterließ beim Per⸗ brennen nur eine Spur von Aſche und gab bei der Analyſe mit chlorſaurem Kali nach vorheriger Austrocknung bei 10087,8 Kohlenſtoff und 12,2 Waſſerſtoff, während Faraday das Kautſchuk aus 87,2 Kohlenſtoff und 12,8 Waſſerſtoff zuſammengeſetzt fand.

(Polyt. Eentralblatt 1847. 11. Lief. S. 698.)

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