Ausgabe 
11.3.1848
 
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Nach dieſen Vorgängen am Rathhauſe durchzogen die Vereine und Bürger mit Muſik und fliegenden Fahnen nochmals die Stadt bis zum Mainzerthore hin, begaben ſich dann zurück und verbrannten vor dem Trapp'ſchen Gaſthauſe auf engliſch Hôtel Trapp die Fackeln. Bei dieſer Gelegenheit beſtieg Herr Kreisrath Küchler eine improviſirte Rednerbühne und ſprach Folgendes zu dem verſammelten Volke: Meine Freunde, lieben Mitbuͤrger! Ihre Begeiſterung für die erſte freie That unſeres vielge liebten Erbgroßherzogs-Mitregenten iſt gerecht, und des Beifalls aller guten Bürger wuͤrdig. Sie haben ſich zu allen Zeiten und insbeſondere auch wieder in der jüngſten Zeit als ſolche bewieſen. Ihre Haltung bei der herrſchen den allgemeinen Aufregung war muſterhaft. Sie haben durch Ordnung bewieſen, daß Sie der Freiheit würdig ſind. Wie ſehr unſer Erbgroßherzog-Mitregent die Bürger Fried bergs ehrt und liebt, ich weiß es aus Seinem eigenen Munde, darum glaube ich auch aus Seiner Seele zu reden und in ſeinem Namen zu handeln, wenn ich ausrufe, Hoch lebe die gute Stadt Friedberg. Ein Lebehochruf vergalt dem allgemein hochgeehrten Beamten dieſe freundliche Anſprache. Hierauf zerſtreute ſich die Menge in die ver ſchiedenen Wirthſchaftslokale der Stadt, während das Muſik corps der Harmonie noch längere Zeit mit klingendem Spiele die Straßen durchzog. In dem Gaſthauſe zu den drei Schwertern an dem mir das franzöſiſche Schild nicht gefällt hatte ſich der Bürgermeiſter, viele Stadtvorſteher und außer ihnen eine große Anzahl von Gäſten verſammelt. Die Stimmung der Geſellſchaft war Rund blieb bis ſpät in die Nacht eine heitere, durch nichts getrübte. Trinkſprüche auf das Wohl des Großherzogs, des Erbgroßherzogs-Mitregenten, Gagerns, die, die's ehrlich meinen und ſich von Herzen freuen, Trapp III., Bürgermeiſter und Rath der Stadt, die Soldaten jetzt erſt recht unſere Brüder, die Bürger, die Badener u. ſ. w. unſere Vorkämpfer, die Kurheſſen, die noch ſehnlich hoffen auf das, das wir ſchon haben u. ſ. w. wurden von verſchiedenen Männern ausgebracht und ſämmtlich mit Enthuſiasmus erwiedert. Ein rührendes Zwiſchenſpiel iſt es geweſen, als der Commandant auf hieſigem Platze, Herr Major Huth, erſchien und ſeine Freude über die Ereigniſſe des Tages den Anweſenden zu erkennen gab. Spät ging man erſt aus einander und Keiner von Allen, die den 6. Marz erlebt und durchgelebt haben, wird ihn ſein Lebtage vergeſſen, er iſt der Anfang eines neuen ſtaatlichen und bürgerlichen Lebens in unſerm Lande, deſſen Entwickelung wir mit freudiger Zuverſicht in den Schutz des Höchſten und der Menſchen ſtellen, die Er an ſeiner Statt ge ordnet hat.

Nachfeier.

Zugleich hatte der verehrliche Stadtvorſtand die Ein⸗ richtung getroffen, daß von dem freudebringenden Edict 1000 Abdrücke gefertigt und am7. d. M.an die hieſige Bürger⸗ ſchaft vertheilt wurden.

Auch ſollte unſre liebe Schuljugend bei dieſem erfreu⸗

s-

lichen Ereigniſſe nicht leer ausgehen, und es wurde den ſelben noch eine beſondere Freude durch Vertheilen von Brezeln gemacht.

Friedberg den 9. März 1848.

So eben acht Uhr Morgens hat eine Ab theilung kurheſſiſcher Huſaren, mit vier Kanonen, die Stadt durchritten. Am Mainzerthor wollte man den Soldaten ein Geleitswort mitgeben, aber der Commandirende lehnte das Anhalten des Zuges mit der Eile, die ſie hätten, ab und gab nur die Glückwünſche zuruck, welche man gegen ihn für die Kurheſſen ausſprach. Hoffentlich werden die Kanonen, die wir eben geſehen haben, heute nicht gebraucht, wenn ſie aber gebraucht werden, ſo wird der Erfolg lehren, daß wir über die Zeiten ſolcher Demonſtrationen hinaus ſind.

Für die armen Schleſier

ſind weiter bei dem Unterzeichneten eingegangen: durch W. Fertfch von Metzger Hedderich 30 kr., A. Faatz 30 kr, durch Trapp III. von einem Ungenannten aus Obermörlen 18 kr., direct von J. Hanſtein II. 30 kr., H. M. II. 1 fl., mehreren Schülern der zweiten Schule zu Oberrosbach durch Lehrer Werner 1 fl. 25, von Bergheim, Kr. Nidda, durch Lehrer Reichmann mit dem Motto: Tob. 4, 8. 9Wo du kannſt, da hilf den Dürftigen. Haſt Du viel, ſo gib reichlich, haſt Du wenig, ſo gib das Wenige mit treuem Herzen 9 fl. 8, Stabsarzt Schimpff 1 fl., von Pf. Strack in Oberrosbach ungenannt 18 kr. demſelben Nachts eingewickelt auf's Fenſter gelegt 12 kr., Agio beim Verwechſeln des Geldes 57 kr, im Ganzen 15 fl. 48 kr. und mit der in Nr. 20 d. Bl. bereits quittirten

Summe 1200 fl. 19 kr. 1 80 Aufrichtigen Dank und Gotteslohn den edelen Gebern! Wenn nicht beſondere Umſtände eine Friſterſtreckung als räthlich erſcheinen laſſen, ſo gedenke ich die Sammlung für unſere armen Schleſter mit dem 19. d M. zu beſchließen. 1 Friedberg am 8. März 1848. Dr. Matthias.

Für die Abgebrannten in Wimpfen

ſind ſeit d. 17. Februar weiter eingegangen: von M. Hirſch 1 fl, von N. N. 1 fl. von P. Seibert 30 kr., von J. J. B. 2 fl. 45, von N. N. 36 kr., ferner aus dem Predigerſeminar 6 fl. 58, welche nebſt dem bereits angezeigten Reſte von 10 fl. im Geſammtbetrage von 22 fl. 49 an Herrn Lehrer Schaffnit nach Darmſtadt abgeſchickt worden ſind, 10 daß derſelbe bis jetzt für den fraglichen Zweck aus unſerer Stadt zu⸗ ammen 124 fl. 59 kr. in Empfang genommen hat. Später find noch eingegangen von P. Deweil 30 kr. Irrthümlich iſt in Nr. 16 d. Bl. Fr. Fritz anſtatt Wittwe Wecker mit einer Gabe von 48 kr. aufgenommen worden. Friedberg den 7. März 1848.

Bender. Dr. Fertſch. Schaffnit. Dr. Sell. Trapp un

Markt: Mer iht. Friedberg, am 8. März 1848.

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NB. In Friedberg wurde das Malter Waizen zu 200, Korn 190, Gerſte 170 und Hafer zu 120 Pfund gerechnet.

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